Neue Privatuni: Zwölf Semester und nicht länger

Die Zahnmedizin an der Danube Private University in Krems startet im Oktober: „Wir werden dafür sorgen, dass niemand länger studiert.“

(c) AP (Martin Meissmer)

WIEN/KREMS. Der Campus oberhalb von Krems-Stein wächst. Am 1. Oktober nimmt hier die Danube Private University ihren Studienbetrieb auf. Drei Jahre habe das Anerkennungsverfahren gedauert, sagt Gründer Jürgen Pischl, schließlich habe der österreichische Akkreditierungsrat in der Vorwoche grünes Licht gegeben. Neben der Donau-Universität Krems, der IMC-Fachhochschule und der Österreichischen Filmakademie ist die neue Privat-Uni nunmehr die vierte akademische Institution auf dem Campus.

Das akkreditierte Studienangebot wird folgende Studiengänge umfassen:
•Diplomstudium Zahnmedizin (12 Semester)
•Universitätslehrgang „Funktion und Prothetik“ (5 Semester)
•Universitätslehrgang „Ästhetisch-rekonstruktive Zahnmedizin“ (5 Semester)
•Bachelorstudium Medizinjournalismus und Öffentlichkeitsarbeit (6 Semester)
•Masterstudium Medizinjournalismus und Öffentlichkeitsarbeit (4 Semester).

 

Start mit 40 Studienplätzen

Im Fokus steht die Grundausbildung für Zahnmedizin, die nach sechs Jahren mit dem „Dr. dent.med.“ abgeschlossen wird. Der Start soll im Herbst mit 40 Studienplätzen erfolgen. Mit der Donau-Universität Krems besteht ein Kooperationsabkommen: Die postgradualen Studien in diesem Bereich bleiben für die nächsten 20 Jahre an der Donau-Uni, die als Weiterbildungs-Uni selbst kein Grundstudium anbieten darf. Dieses kann nun an der neuen Privat-Uni absolviert werden.

 

 

Die Kosten sind freilich erheblich: Für die zwölf Semester sind für das Zahnmedizin-Grundstudium 144.000 Euro zu bezahlen (pro Jahr 24.000 Euro). „Wir werden dafür sorgen, dass niemand länger als diese Zeit studiert“, sagt Jürgen Pischl. Dies soll durch ein Coaching-System und einen intensiven Studienaufbau gewährleistet werden. Ursprünglich wollte man bei 20 Semesterwochenstunden schon nach fünf Jahren den Abschluss verleihen, doch ist dies nach der österreichischen Gesetzeslage nicht möglich.

Heftige Proteste gegen die Neugründung gab es im Vorfeld schon vonseiten der Kremser Zahnärzte und der niederösterreichischen Zahnärztekammer, die Konkurrenz befürchten und vor einer Überzahl an jungen Zahnmedizinern warnt. Auch die Hochschülerschaft an der Medizin-Uni Wien hat sich entschieden gegen eine zweite Zahnmedizin-Ausbildung im Osten Österreichs ausgesprochen. Vonseiten der neuen Privat-Uni beruhigt man: Der Großteil der vorliegenden rund 200 Anmeldungen kommt aus Deutschland, dann folgen Österreicher und Schweizer. „Auch Kinder von Kammerfunktionären sind darunter“, sagt Pischl und will damit die Kammerproteste entkräften.

Das neue Grundstudium wird in Deutsch gehalten, für den März 2010 ist aber der Beginn eines Diplomstudiums in Englisch geplant. Dieses richtet sich an Interessenten aus den arabischen Ländern, derzeit liegen aber auch konkrete Anfragen aus Großbritannien, Skandinavien und zwei aus Österreich vor.

Als 100-prozentige Trägerschaft zeichnet die Push GmbH (Postgraduale Universitätsstudien für Heilberufe), hinter der Jürgen Pischl und seine Frau Brigitte Wagner-Pischl stehen. Als erster Rektor war Jürgen Willer, Leiter des Departments für Interdisziplinäre Zahnmedizin und Technologie an der Donau-Uni, vorgesehen, der allerdings im Dezember 2008 das Rektorenamt an der Donau-Uni annahm. Neuer Mann an der Spitze der benachbarten Privat-Uni wird nun Willers Nachfolger als Department-Leiter, Dieter Müßig, sein. Müßig ist auch an der Universität Regensburg tätig.

Donau-Universität und Danube Private University werden übrigens auch geschäftlich eng verbunden sein. Zum einen durch ein sich ergänzendes Studienangebot, zum anderen, weil Jürgen Pischl die Flächen für seine Privat-Uni von der Donau-Universität anmietet. Ab Oktober sind 2000Quadratmeter verfügbar, in den nächsten Jahren sollen weitere 6000 dazukommen. Im Endausbau will die neue Uni für Zahnmedizin auf ca. 500 Studierende kommen.

 

Zehn Privat-Unis in Österreich

Die neue Privatuniversität für Zahnmedizin markiert auch die langsame, aber stete Entwicklung der offiziellen Privatuniversitäten. Die Institution einer vom Staat akkreditierten privat geführten Universität gibt es seit dem Jahr 2000. Mit der neuen Kremser Zahnmedizin sind es nunmehr zehn Privat-Unis mit insgesamt mehr als 5000 Studierenden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2009)

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