Oliver Vitouch: Scharfzüngiger Kritiker als neuer Rektorenchef

Oliver Vitouch folgt auf Sonja Hammerschmid. Er gilt als SPÖ-nahe – ist aber trotzdem für Schranken.

Der Klagenfurter Rektor, Oliver Vitouch, folgt Sonja Hammerschmid als Rektorenchef.
Der Klagenfurter Rektor, Oliver Vitouch, folgt Sonja Hammerschmid als Rektorenchef.
Der Klagenfurter Rektor, Oliver Vitouch, folgt Sonja Hammerschmid als Rektorenchef. – (c) AAU/Waschnig

Wien. Bereits bei seinem ersten Termin als Vize-Rektorenchef war klar: Oliver Vitouch wäre durchaus auch einer für die erste Reihe. Während die inzwischen ins Bildungsressort gewechselte Rektorenchefin Sonja Hammerschmid nach ihrer Wahl im Dezember fast ein wenig schaumgebremst wirkte, kam vom Klagenfurter Rektor pointierte Kritik an der österreichischen Uni-Politik: Beim Geld seien die Unis unendlich oft abgewiesen worden. Beim Uni-Zugang schummle man sich von Provisorium zu Provisorium. Und die SPÖ ruhe sich in der Uni-Politik viel zu sehr auf Konzepten der Vergangenheit aus, konkret: dem freien Uni-Zugang. „Veränderungen gibt es sogar im Vatikan“, sagte er damals. „Warum nicht in der österreichischen Hochschulpolitik?“

Am Montag wurde der 45-Jährige an die Spitze der Rektoren gewählt. Und als neuer Präsident der Universitätenkonferenz wird Vitouch in den kommenden eineinhalb Jahren wohl noch öfter vehement Veränderungen einfordern. Zentral dabei wird die zuletzt von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) verschobene Studienplatzfinanzierung sein, bei der die Universitäten, grob gesagt, Geld pro Studenten bekommen sollen; diese ist auch mit Zugangsbeschränkungen verbunden.

Für Schranken sprach sich Vitouch wiederholt aus – obwohl der Sohn des Kommunikationswissenschaftlers Peter Vitouch und der Wiener Ex-SPÖ-Gemeinderatsabgeordneten Elisabeth Vitouch wie seine Vorgängerin Hammerschmid als SPÖ-nahe gilt. „Es gibt eine Zahl von Studierenden x und das, was ein Studienplatz je nach Fach kosten sollte: y“, erklärte Vitouch das als Vize-Rektorenchef. „Wenn man das multipliziert, wird ein erforderliches Budget daraus. Und wenn wir dann alle vor Furcht unter den Tisch kriechen, dann muss man eben x verkleinern.“

Zum Rektor der Uni Klagenfurt wurde der habilitierte Psychologe, der nebenbei Klavier und Klarinette am Wiener Konservatorium studierte, auf eher ungewöhnliche Art. Nachdem Heinrich C. Mayr nach monatelangen Querelen mit dem Uni-Rat vor drei Jahren als Uni-Chef abberufen wurde (eine Entscheidung, die das Verwaltungsgericht inzwischen übrigens aufgehoben hat), folgte ihm der damalige Senatschef Vitouch nach. Und klang damals nicht übertrieben euphorisch über diesen Karrieresprung. „In der derzeitigen Budgetsituation ist das kein Traumjob“, sagte er der „Presse“. Er sei „in die Bresche gesprungen“.

Sein nunmehriger Schritt an die Spitze der Universitätenkonferenz lief nicht unähnlich ab, wenn auch vor einem glücklicheren Hintergrund. Vitouch übernahm am 17. Mai interimistisch den Job, den Hammerschmid wegen ihres Wechsels in die Politik an den Nagel hängte. Bei seiner gestrigen Kür gab es keine Gegenkandidaten.

 

WU-Rektorin wird Vizepräsidentin

Die Zeit, in der eine Rektorin die 105-jährige Universitätenkonferenz führte – Hammerschmid war die erste Frau in dieser Funktion – ist damit nach nur einem halben Jahr wieder vorbei. Allerdings wählten die Rektoren gestern eine Kollegin zu Vitouchs Vizechefin: Wirtschaftsuni-Rektorin Edeltraud Hanappi-Egger. Mit ihr habe Vitouch eine erfahrene Partnerin, die ihm auch bei Frauenthemen zur Seite stehe, sagte Hammerschmid in einer Aussendung. Auch für Vitouch selbst fand sie nur gute Worte: Er sei ihr ein motivierter und engagierter Stellvertreter gewesen – und für die Position an der Spitze der Rektoren „bestens geeignet“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.06.2016)

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