Lektoren: Schlechte Bedingungen gegen guten Ruf

Teilweise bestreiten Lektoren mehr als 40 Prozent der Lehre. Dabei müssen sich viele von einem Jahr auf das andere immer wieder neu bewerben. Und dann zwangspausieren, damit die Uni sie nicht fix anstellen muss.

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(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Auch nach Jahren mit derselben Lehrveranstaltung müssen sie sich vielfach jedes Jahr neu an der Universität bewerben und erfahren womöglich erst im September, ob sie ab Oktober eine Lehrveranstaltung halten. Nach einigen Jahren müssen sie ein Jahr zwangspausieren oder einen freien Dienstvertrag unterschreiben, weil die Universität sie sonst fix anstellen müsste. Und die Chance, dass der Job doch irgendwann fix wird, ist gering: Die Bedingungen, unter denen die insgesamt knapp 15.000 Lektoren arbeiten, sind prekär. Und das, obwohl sie an vielen Universitäten inzwischen die Kernjobs erledigen.

Laut Kollektivvertrag sind Lektoren teilzeitbeschäftigt und ausschließlich mit der Lehre betraut. Ursprünglich sollten so außeruniversitäre Forscher oder Personen aus der Wirtschaft an die Unis geholt werden. Mittlerweile stemmen die Lektoren aber vielfach große Teile der Lehre. Bis zu 40 Prozent der gelehrten Wochenstunden bestreiten an manchen Universitäten Lektoren (siehe Grafik). Im Schnitt wird knapp ein Viertel der Lehre von ihnen getragen. „Das ist viel zu viel“, kritisiert die grüne Wissenschaftssprecherin Sigrid Maurer, die diese Zahlen per parlamentarischer Anfragen in Erfahrung gebracht hat.

 

Uni-Betrieb würde stillstehen

„Wären das nur Leute, die das zusätzlich machen, wäre es etwas anderes“, sagt Maria Dabringer von der IG freie Lektoren. „Aber wir machen das Kerngeschäft an den Unis. Es gibt Fakultäten wie die Sozialwissenschaft an der Universität Wien, wo der Betrieb ohne Lektoren stillstehen würde.“ Was Dabringer besonders stört, ist, dass manche Unis in den Anfragebeantwortungen explizit schreiben, dass es sich hier um keine prekären Arbeitsverhältnisse handelt. Und dass mehr als einmal auf das Prestige verwiesen wird, das ein Job an der Universität bringe. „Also: Es wird zwar nicht gut remuneriert, aber mit dem guten Ruf lässt sich der Lebenslauf auffetten“, kritisiert Dabringer. „Hier werden Argumente zusammengeworfen, die nicht zusammengehören.“

 

Kein Schutz für Lektoren

Die grüne Wissenschaftssprecherin Maurer kritisiert, dass die Möglichkeit, Lehraufträge zu vergeben, von den Unis ausgenutzt werde. Die Kettenvertragsregelung, nach der befristete Dienstverhältnisse nach acht Jahren entfristet werden müssen, werde von fast allen Unis systematisch umgangen, etwa durch Zwangspausen oder ein Jahr mit freiem Dienstvertrag. „Diese Regelung sollte die Leute schützen – aber das funktioniert nicht.“

Maurer fordert die Unis daher auf, mehr unbefristete Stellen zu schaffen. „Wir reden hier teilweise von Leuten, die seit zwanzig Jahren die gleiche Lehrveranstaltung halten. Das kann man doch entfristen.“ Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) müsse dafür auch die nötigen finanziellen Mittel bereitstellen. (beba/APA)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 05.10.2016)

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