100 neue Professuren und 1000 Forschungsideen

Der Wissenschaftsfonds FWF bekommt in den Jahren 2018 bis 2021 insgesamt 281 Millionen Euro mehr Budget. Damit sollen mehr Forscher angestellt und neue inhaltliche Schwerpunkte geschaffen werden.

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Wien. Ein Einstandsgeschenk für den neuen Präsidenten oder ein vorgezogenes Jubiläumsgeschenk für den Wissenschaftsfonds? Dieser feiert nämlich 2018 sein 50-jähriges Bestehen. Und ab dann verfügt Klement Tockner, seit gerade 100 Tagen an der Spitze des FWF, über deutlich mehr Budget. Dieses soll bis zum Jahr 2021 von derzeit 184 Millionen Euro schrittweise auf 290 Millionen Euro ansteigen – also um rund 50 Prozent. Insgesamt gehen damit 281 Millionen Euro aus der kürzlich präsentierten Forschungsmilliarde an den FWF.

Tatsächlich könnten mit den Mitteln bis zu 1400 zusätzliche Forscher gefördert werden und die Genehmigungsquote für Forschungsprojekte von 20 auf 30 Prozent steigen. Entsprechend gut war auch die Stimmung, als Tockner gestern, Montag, gemeinsam mit Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) die Pläne für die Grundlagenforschung in Österreich präsentierte. Einen wichtigen Schritt in Richtung Champions League der Forschung ortete etwa Mitterlehner. Und Tockner sieht in den Mitteln ein „Aufbruchsignal“. Er freue sich über die „parteiübergreifende Unterstützung“ und den „enormen positiven Rückenwind“ von allen Seiten.

 

Allianz der Einrichtungen

Den sollen künftig auch junge Forscher spüren: 100 sogenannte Zukunftsprofessuren sind geplant, um international die besten Köpfe anzuziehen. Thematische Vorgabe gibt es keine. Die Unis sollen ihre Ideen im Wettbewerb vorbringen, der FWF wickelt die Vergabe ab.
Neu ist auch ein „1000-Ideenprogramm“: Damit will man risikoreiche Forschung fördern, die sonst kaum Chance auf Genehmigung habe. Insgesamt will Tockner mehr Forscher ermuntern, Projekte zu initiieren. Derzeit reichen nur 20 Prozent der österreichischen Wissenschaftler Projekte ein. Untersucht werden solle aber künftig nicht nur, was den Forscher interessiert, sondern auch, was die Gesellschaft interessiert, so Mitterlehner. Diese will man künftig, dem Prinzip der Citizen Science und damit einer Öffnung der Wissenschaft folgend, vermehrt einbinden.

Auf ein Miteinander setzt Tockner auch mit seiner „Allianz österreichischer Wissenschaftseinrichtungen“. Aber nicht nur Unis und Forschungsinstitutionen, auch Fördereinrichtungen sollen sich künftig besser abstimmen. Außerdem will Tockner den Dialog mit der Wirtschaft und der Gesellschaft ausbauen: Der Wissenschaftler sei wichtig als unabhängige Stimme im Entscheidungsprozess.

Durch Zusammenarbeit mit den Bundesländern sollen weitere Projekte ermöglicht werden. Tockner will dazu die sogenannten Matching Funds weiter ausbauen: Dabei tragen die Bundesländer 50 Prozent der Kosten eines Projekts, das nach der Begutachtung zwar als förderwürdig eingestuft ist, das aber nicht mehr finanziert werden kann.

Eine FWF-Stiftung soll der Forschung mehr private Mittel bringen – derzeit finanziert der FWF Projekte in der Höhe von 1,6 Millionen Euro über Stiftungen. Hier sei allerdings noch ein Kulturprozess notwendig. Man wolle sich an Beispielen im Ausland orientieren, so Tockner.

Kehrt damit nach mageren Jahren in der Forschungsgemeinschaft nun Zufriedenheit ein? Tockner zeigt sich vorsichtig. Er sei auf der Hut, spüre aber Konsens und Willen. Diese müssten nun weitergetragen werden. „Das Konzept ist ein erster Schritt. Die Umsetzung ist dann der Brocken.“ (gral)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.12.2016)

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