Studenten-Proteste: Über Zehntausend bei Demo

Über zehntausend Wiener Studenten zogen durch die Wiener Innenstadt, der Ring wurde danach zur "Partyzone". Es vermischten sich konkrete Bildungskritik und gesellschaftspolitische Proteste.

STUDENTEN-DEMO IN WIEN: RUND 10.000 TEILNEHMER
STUDENTEN-DEMO IN WIEN: RUND 10.000 TEILNEHMER
APA/GEORG HOCHMUTH (Georg Hochmuth)

"Wir sind 40.000 Demonstranten," ruft um 19 Uhr einer der Wortführer bei der großen Demonstration in die jubelnde Menge der Studenten. Ofiizielle Angaben lagen bei 10.000 Teilnehmern: Am Mittwoch Abend trugen die Studenten ihren Unmut über schlechte Studienbedingungen, VP-Wissenschaftsminister Johannes Hahn und Bildungshürden im allgemeinen auf die Straße.

Demonstrationszüge von verschiedenen Universitäten trafen am Ring zusammen und zogen anschließend weiter zum Minoritenplatz, dem Sitz des Wissenschaftsministeriums. Dort mischten sich die Technoklänge der mitfahrenden ÖH-Autos mit dem Pfeifkonzert der Studenten. Vom Schwedenplatz aus zogen die Studenten dann wieder zur zurück zur Uni, der Marsch dauerte etwa zwei Stunden. Vor der Hauptuni wurde der Ring zur "Partyzone" umfunktioniert. 

Bei der Abschlusskundgebung betonte ein Sprecher am Podium, dass die Proteste mit der Demonstration nicht vorbei sind: "Wir werden nicht weichen. Wir werden weiter kämpfen, bis die Regierung, diese reaktionäre, uns unsere Rechte zurückgibt."

Dann tanzten die Studenten vor der Uni Wien für eine bessere Uni, es fanden Konzerte von "Ja Panik" und Luise Pop statt. Tausende Teilnehmer der Kundgebung wollten in den besetzten Audimax einziehen - aus Sicherheitsgründen musste der Zutritt für kurze Zeit gesperrt werden. Im Hörsaal selber tagte schließlich das Plenum über die weitere Vorgehensweise.

"Bildung für alle, sonst gibt's Krawalle"

Die Forderungen der Demonstranten sind weit gestreut: Ein Teil will das gesamte Bildungssystem bzw. "die Gesellschaft" verändern, während andere schlicht gegen schlechte Studienbedingungen in einzelnen Fächern protestieren. Skandiert wurden Parolen wie "Bildung für alle, sonst gibt's Krawalle" oder "Der Hahn gehört gerupft". Die Parolen auf den Transparenten reichten von politischen wie "Schluss mit Unterfinanzierung, Wettbewerbslogik und Elitenbildung" bis zu "Lesbenbande statt Männerbünde".

Nach dem Marschieren kommt jetzt das Verhandeln. Der scheidende Wissenschaftsminister Johannes Hahn wird am Donnerstag mit Vertretern der Hochschülerschaft zu Gesprächen zusammentreffen. Was er dort erzählen will, kann den Studenten-Vertretern freilich kaum schmecken. Hahn will nämlich über Zugangsbeschränkungen an den Unis sprechen.

Erst langsam reagiert die Politik: Während sich die Grünen mit den Studenten solidarisieren, hat Hahn bereits Bundespräsident Heinz Fischer informiert, dass von der Bewegung ein "gewisses Gefahrenpotenzial" ausgehen könne. Denn auch er weiß: Mittlerweile geht es um mehr als nur um Kritik an seiner Bildungspolitik. Es sind auch gesellschaftspolitische Proteste und linke Systemkritik, die sich breitmachen.

(ros)

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