Medizin-Aufnahmetest: Männer sind erfolgreicher als Frauen

Die Geschlechterkluft beim Medizin-Aufnahmetest ist wieder größer geworden. Frauen tun sich zwar schwerer. Sie sichern sich trotzdem die Mehrzahl der Plätze.

Aufnahmetest für das Medizinstudium
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Aufnahmetest für das Medizinstudium
APA/HERBERT PFARRHOFER

Der Aufnahmetest für das Medizinstudium steht seit Jahren unter besonderer Beobachtung – und zwar vor allem die Erfolgsquote der Frauen. In der Vergangenheit hat ihr schlechteres Abschneiden dem Medizinaufnahmetest den Vorwurf der Benachteiligung des weiblichen Geschlechts eingebracht. Daran dürften auch die neuesten Zahlen nichts ändern.

Beim österreichweiten Aufnahmetest am 7. Juli haben deutlich mehr Frauen (60 Prozent) als Männer (40 Prozent) teilgenommen. Die Frauen haben sich, wie am gestrigen Dienstag bekannt wurde, auch die Mehrzahl der Studienplätze in Medizin gesichert. Konkret gingen von den 1621 vorhandenen Studienplätzen 854 an Frauen und 767 an Männer. Das heißt allerdings auch, dass, während 60 Prozent der Teilnehmer weiblich waren, jetzt nur 53 Prozent der Plätze an Frauen gingen. Demnach dürfte der Test den Männern leichter gefallen sein.

Sie waren an allen drei Medizin-Unis in Wien, Graz und Innsbruck sowie an der Medizin-Fakultät an der Uni Linz erfolgreicher. Die Kluft zwischen den Geschlechtern ist damit wieder größer geworden. Denn im Vorjahr waren ebenfalls 60 Prozent der Testteilnehmer weiblich, damals gingen aber noch 56 Prozent der Studienplätze an Frauen. Das heurige Ergebnis entspricht in etwa jenem von 2015. Damals lag der Frauenanteil bei den Testteilnehmern bei 59 Prozent, und es gingen 52 Prozent der Plätze an Frauen.

Frauenbonus vor Gericht

Die Geschlechterkluft war in der Vergangenheit allerdings auch schon einmal deutlich größer. Zum Teil waren die Frauen zwar bei den Bewerbern klar in der Überzahl, erhielten aber nur 43 Prozent der Plätze. Das war noch vor der Einführung des nun verwendeten, österreichweit einheitlichen Aufnahmetests für Humanmedizin (MedAT-H) und Zahnmedizin (MedAT-Z).

Damals versuchten die Universitäten gegenzulenken. Die medizinische Universität Wien entschied sich, einen sogenannten Frauenbonus einzuführen. Im Jahr 2012 wertete sie den Test nach Geschlechtern getrennt aus. Es gab einen Mittelwert für Frauen und einen für Männer. Die beiden Mittelwerte wurden aneinander angeglichen. Die Angehörigen jener Gruppe, die im Schnitt schlechtere Ergebnisse hatten, kamen so mit geringerer Punktezahl in der Rangliste weiter nach vorn. Manche Männer wurden dementsprechend trotz gleicher oder höherer Punktezahl als manche Frauen abgewiesen.

Das beschäftigte selbst den Verfassungsgerichtshof (VfGH). Laut dem war die gendergerechte Auswertung an der Medizin-Uni Wien rechtskonform. Es habe sich um eine verhältnismäßige Ausnahme gehandelt, „um eine (weitere) strukturelle Benachteiligung von Frauen bei der Anwendung des EMS (so hieß der damalige Aufnahmetest, Anm.) zu vermeiden“, urteilte damals der VfGH. Außerdem habe es sich bei dem Frauenbonus nur um eine Übergangslösung gehandelt, von der nur in einem einzigen Testjahr Gebrauch gemacht wurde.

Emotionales wird überprüft

Tatsächlich ist die Geschlechterkluft seit der Einführung des Med-AT deutlich zurückgegangen. Dennoch wird auch dieser Test von Jahr zu Jahr überarbeitet. Wie in den Vorjahren wurden bei dem insgesamt neunstündigen schriftlichen Test auch heuer das schulische Vorwissen aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik, Lesekompetenz und Testverständnis sowie kognitive Fertigkeiten (Zahlenfolge, Gedächtnis und Merkfähigkeit, Figuren zusammensetzen, Wortflüssigkeit, Implikationen erkennen) überprüft.

Eine Neuerung gab es im Testteil „Soziales Entscheiden“. Hier gab es den neuen Bereich „Emotionen erkennen“: Dabei mussten die Bewerber anhand der Beschreibung einer Situation feststellen, wie sich ihr Gegenüber fühlt. Angehende Zahnmediziner mussten statt Textverständnis und des Erkennens von Implikationen manuelle Fertigkeiten nachweisen.

Insgesamt beteiligten sich am Aufnahmetest 12.756 Studienwerber. Nur für rund jeden Achten gibt es nun einen Studienplatz. 75 Prozent der Plätze sind dabei für Kandidaten mit österreichischem Maturazeugnis reserviert. 20 Prozent gehen an Bewerber aus der EU und fünf Prozent an Studienwerber aus Drittstaaten.

(APA/j.n.)

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