Ein Extra-Jahr für Digitales nach dem Studium?

Die Fachhochschulen wachsen um 450 neue Studienplätze im Technikbereich. Laut Wissenschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) kann das nur ein erster Schritt sein. Die neue Uni-Finanzierung liege bei der nächsten Regierung.

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Symbolbild. – (c) Clemens Fabry

Wien. Die Digitalisierung verändert die Arbeitswelt – und eine Möglichkeit, darauf zu reagieren, sieht Wissenschaftsminister Harald Mahrer (ÖVP) in einer britischen Idee: Dort gibt es einjährige Aufbauprogramme, in denen sich Uni-Absolventen mit digitalen Technologien auseinandersetzen. Solche – freiwilligen – Ergänzungen in Kooperation mit oder gesponsert von der Industrie hält Mahrer für vielversprechend. „Etwa ein zusätzliches Jahr für Absolventen der Medizin, aber auch für den Wirtschaftsbereich oder für den Life-Science-Bereich.“

Ein erster Schritt, um das notwendige digitale Know-how aufzubauen, sei der Ausbau der Technikstudienplätze an den österreichischen Fachhochschulen: Insgesamt 450 neue Studienplätze in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) stehen an den FH ab kommendem Herbst zur Verfügung. Es ist die erste Tranche der insgesamt 5000 neuen Plätze, die mit den 100 Millionen Euro aus der Bankenabgabe finanziert werden, die den FH gewidmet wurden.

Es handelt sich teils um ganz neue Studiengänge an insgesamt zwölf Fachhochschulen im ganzen Land, unter anderem in den Bereichen Robotik, Mensch/Computer-Interaktion oder Internetmanagement und – nicht ganz so futuristisch – in dem neuen Studiengang Agrartechnologie, den nun die Fachhochschule Wiener Neustadt in Wieselburg einrichtet und um den Oberösterreich einst mit Niederösterreich gezankt hatte.

Für viele der Absolventen gebe es praktisch eine Jobgarantie, sagte Mahrer. „Es ist ein goldener Ausbildungszweig, es sind goldene Jobs, die wir da schaffen.“ Könnte er Jugendlichen raten, in welche Richtung sie beruflich gehen sollten, so wäre das auf jeden Fall der digitale Bereich. Viele Jobs seien zunehmend von der Interaktion zwischen Mensch und Maschine geprägt.

Dieser Bereich soll auch weiter ausgebaut werden, und zwar auf allen Levels, von der dualen Ausbildung über die HTL bis zu Fachhochschulen und Unis, die über die Leistungsvereinbarungen dazu angehalten werden sollten, dort auch Schwerpunkte zu setzen. Der Rektor der FH Technikum Wien, Fritz Schmöllebeck, hofft, dass der Ausbau der Fachhochschulen auch in der nächsten Legislaturperiode so weitergehen wird. Das wäre auch Mahrers Ziel: Mittelfristig soll die Zahl der FH-Studenten im Verhältnis zu den Uni-Studenten steigen.

 

Noch final verhandeln

Was die Universitäten angeht, wird Mahrer seine Studienplatzfinanzierung hinterlassen, bis zum 31. Jänner muss die neue Regelung beschlossen sein. Es liege dann ein fertiges Gesetz am Tisch, über das man noch final verhandeln könne, aber die Eckpunkte sind klar, sagt Mahrer: eine neue Verteilung des Budgets plus Beschränkungen in Massenfächern. „Wer immer dann Regierungsverantwortung hat, wird das, wenn er klug ist, dem Parlament zuweisen.“ Ob er dann selbst noch Minister sein wird? Das hänge vom Wahlergebnis ab. Aber sollte ihm ÖVP-Chef Sebastian Kurz einen Job anbieten, werde er gerne darüber nachdenken. (beba)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.10.2017)

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