FH wollen Ausbau, Doktorate und Forschungsgelder

Der neue Chef der Fachhochschulkonferenz, Raimund Ribitsch, will vom Bund finanzierte Masterstudien im Gesundheitsbereich.

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(c) FH Salzburg/Bernhard Moser (FH Salzburg/Bernhard Moser)

Der neue Präsident der Fachhochschulkonferenz (FHK), Raimund Ribitsch, verlangt einen weiteren Ausbau des Sektors. Außerdem sollen die Fachhochschulen extern akkreditierte Doktoratsprogramme anbieten dürfen und die Forschungsförderung erweitert werden. Für die gesundheitswissenschaftlichen Studiengänge brauche es bundesfinanzierte Master-Studiengänge, sagte Ribitsch.

Als erstes wichtiges Ziel nannte Ribitsch die Verankerung der Fachhochschulen bereits im nächsten Koalitionsübereinkommen. Außerdem müsse bereits in den nächsten Monaten der anstehende Entwicklungs- und Finanzierungsplan für die Jahre 2019 bis 2023 verhandelt werden. Dabei seien vier Dinge wichtig.

Einerseits müsse der gesamte FH-Sektor mit derzeit 50.000 Studenten und rund 14.000 Absolventen pro Jahr ausgebaut werden. "Bei der letzten Ausschreibung von 450 neuen Studienplätzen in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ist es zu einer vierfachen Überbuchung durch die Hochschulen gekommen, weil Wirtschaft und Studierende nach weiteren Angeboten schreien." Wenn Österreich tatsächlich zum Innovation Leader werden wolle, brauche es mehr Akademiker. "Das wird mit den Universitäten allein nicht gehen."

Ausbau von Forschungsinfrastruktur

Außerdem wollen die FH extern akkreditierte Doktoratsprogramme anbieten dürfen. Derzeit sind Doktorate den Unis vorbehalten. Wirtschaft und Industrie verlangten aber nach wissenschaftlich qualifiziertem Personal - durch ihre kleinteiligere Organisation und starke regionale Verankerung könnten die FH diese Nachfrage schneller befriedigen. Dementsprechend will Ribitsch auch die anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung stärken. Im Rahmen eines 50 Millionen Euro schweren Pakets, das demnächst vorgestellt wird, soll etwa der Aufbau von Forschungsinfrastruktur an FH gefördert werden.

Änderungen soll es auch bei den 2006 eingeführten gesundheitswissenschaftlichen Studiengängen geben. Ab 2024 wird etwa die akademisierte Pflege nur mehr an FH angeboten. "Wir kranken in diesem Bereich aber daran, dass wir auf Bachelor-Studiengänge beschränkt sind." So könnten etwa keine bundesfinanzierten Master-Studien angeboten werden und deshalb kaum eine wissenschaftliche Weiterentwicklung stattfinden.

Ausbau und neue Studienprogramme

Das Regierungsziel einer mittelfristigen Steigerung des Anteils von FH-Studenten an der Gesamtstudentenzahl auf 30 Prozent kann laut Ribitsch auf zwei Gleisen erreicht werden. Wenn man die Anfängerstudienplätze an den FH jährlich um 1200 ausbaue, würde der Anteil bis 2023 auf 20 Prozent ansteigen. Gleichzeitig müsse es aber auch neue Studienangebote geben - einerseits durch gemeinsame Studienprogramme mit den Unis etwa im Bereich IKT und Life Sciences und andererseits durch die schon seit längerem diskutierte Übersiedlung von derzeit universitären Angeboten wie etwa Dolmetschen oder bestimmte juristische Ausbildungen.

"Uns ist aber wichtig, dass die Schließung eines Studiums an einer Universität mit Ende eines Sommersemesters und dann der Beginn des jeweiligen FH-Studiums bereits im Wintersemester nicht einfach gehen wird", betonte Ribitsch. Dazu seien Studienstruktur, Betreuungsqualität und Hochschulkultur zu verschieden. "Ausschließlich ein Türschild wechseln nach dem Motto 'Heute Uni-Studium, morgen FH-Studium' wird nicht funktionieren."

Marktnähe soll bleiben

Der künftige Studienmix an den Fachhochschulen ist für Ribitsch nicht einfach vorhersehbar: "Wenn man die Industrie fragt, plädiert sie für eine Erhöhung der technischen Ausbildungen. Wir sehen das zwar ähnlich, es gibt aber natürlich auch eine Beschränkung der Nachfrage." Dazu sei die Entwicklung des künftigen Bedarfs nicht absehbar - man könne heute noch nicht abschätzen, wo sich Bereiche wie Life Sciences, Digitalisierung, Neue Medien hinentwickeln.

Man habe schon in der Vergangenheit deshalb immer wieder neue Studien auf den Markt gebracht - das sei ja auch die große Stärke des Sektors: "Wenn eine FH ein neues Themenfeld entdeckt, ist ein Jahr später die Akkreditierung fertig und vier Jahre später sind die ersten Absolventen da. Diese Marktnähe müssen wir behalten."

(APA)

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