Zielscheibe von Debatten

Privatuniversitäten. Vor allem im Gesundheitsbereich sind private Universitäten dem Generalverdacht des „Doktors light“ und der fehlenden Forschungskompetenz ausgesetzt. Sie besetzen aber auch Nischen und greifen aktuelle Trends auf.

Medizinische Kenntnisse werden zunehmend auch an Privatunis vermittelt.
Medizinische Kenntnisse werden zunehmend auch an Privatunis vermittelt.
Medizinische Kenntnisse werden zunehmend auch an Privatunis vermittelt. – (c) MICHAEL LIEBERT

Privatuniversitäten sind – insbesondere im an öffentlichen Unis überlaufenen Medizinbereich – Zielscheibe von Debatten. Teils heftiger Kritik an der Forschungskompetenz und unterstelltem „Doktor light“-Studium stehen unzweifelhafte Erfolge in einzelnen wissenschaftlichen Bereichen sowie Angebote in Nischen gegenüber sowie ein hervorragendes Betreuungsverhältnis. Auch werden allgemeine Bildungstrends von den großteils sehr jungen Institutionen rasch aufgegriffen.

So ist die Karl-Landsteiner-Privatuniversität in Krems bisher die einzige Universität Österreichs, an der ein Medizinstudium nach dem Bologna-System angeboten wird. Ein weiteres soll ab Herbst 2018 in St. Pölten folgen (siehe auch Seite K13). In Krems erwerben Studierende den Bachelor in „Health Sciences“, den Master in Humanmedizin.

 

Bologna für Ausstieg mit Jobchancen

In die Ausbildung integriert sind die Schwerpunktthemen Medizintechnik und Gesundheitsökonomie/Public Health. Der erste Teil des Medizinstudiums wird in Englisch unterrichtet, sodass auch internationale Studierende angesprochen werden. Ein Vorteil des Bachelor/Master-Systems: Studierende, die im Lauf des Studiums feststellen, doch nicht zum Arzt berufen zu sein, können mit dem Bachelor abschließen und haben gute Berufschancen etwa als Pharmareferenten oder in der medizinischen Dokumentation.

Neben Medizin etablierte sich an der 2013 akkreditierten Privatuniversität das Studium der Psychotherapie- und Beratungswissenschaften. Es verbindet die Inhalte des psychotherapeutischen Propädeutikums mit dem Bachelorgrad und trägt damit der im Novellierten Psychotherapiegesetz geforderten Akademisierung Rechnung. Eine Variante des Studiums ermöglicht es Personen, die das Propädeutikum oder Teile davon bereits absolviert haben, dieses in zwei Semestern berufsbegleitend abzuschließen. Diesen Herbst startete als jüngstes Programm an der Karl-Landsteiner-Privatuniversität das Bachelorstudium der Psychologie. Hier wird auf moderne Lehrmethoden wie „Experienced Involvement“ gesetzt. „Dabei handelt es sich um einen Tandemunterricht von Lehrenden mit therapieerfahrenen Personen, die für die Lehre speziell geschult werden und von ihren Erfahrungen etwa mit Therapiemethoden oder Krankheitsverläufen erzählen können“, sagt Studiengangsleiterin Elisabeth Fehrmann.

 

Vorreiter bei Psychotherapie

Die erste Privatuniversität, die in Österreich Psychotherapie zu einem eigenständigen Studium machte, ist die Sigmund-Freud-Universität (SFU) in Wien. Hier wird ein Bakkalaureat, Magisterium und Doktorat der Psychotherapiewissenschaft jeweils in deutscher und englischer Sprache angeboten, außerdem ein Bachelor- und Masterstudium der Psychologie und ein Bachelorstudiengang Humanmedizin. Als Exotikum im Programm der SFU wurden kürzlich auch ein Bachelor- und Masterstudium der Rechtswissenschaften sowie ein Wirtschafts-MBA (siehe unten) ins Programm genommen.

Ein Studium der Zahnmedizin zum Dr. med. dent. bietet die Danube Private University (DPU), die wie die Karl-Landsteiner-Privatuni in Krems angesiedelt ist. Neben diesem sechsjährigen Diplomstudium werden an der DPU die beiden Bachelor „Dental Hygiene“ und Medizinjournalismus und Öffentlichkeitsarbeit angeboten, außerdem ein postgraduales Doktoratsstudium Zahnmedizin PhD. Die Universität arbeitet mit dem Zahnambulatorium Krems der DPU zusammen. Dort können sich Patienten von Zahnbehandlern in Ausbildung unter Aufsicht von Professoren, Ober- und Assistenzärzten zu sozialen Bedingungen versorgen zu lassen.

Bereits seit 15 Jahren in Betrieb ist die Paracelsus Medizinische Privatuniversität (PMU) in Salzburg in unmittelbarer Nähe der Salzburger Landeskliniken. Von Beginn an wurde hier Humanmedizin angeboten, danach Pflegewissenschaft. Seit Herbst 2017 ist die PMU außerdem Standort eines neuen Studiums der Pharmazie. Im April 2018 wird erstmals das neue berufsbegleitende Masterstudium „Advanced Nursing Practice“ starten, in dem Pflegekräfte auf Masterniveau ausgebildet werden sollen. Das Profil der PMU ist laut Gottfried Stienen, Leiter der Unternehmenskommunikation, vor allem durch Internationalität geprägt. „Speziell an der PMU sind die internationalen Kooperationen und die Vernetzung in der Forschung. Medizinstudierenden können Forschungstrimester oder Famulaturen zum Beispiel an der Mayo Clinic (Minnesota/USA) oder am Dhulikhel-Krankenhaus in Kathmandu/Nepal absolvieren.“ Auch in der Pflegewissenschaft gebe es zahlreiche Möglichkeiten des Aufenthalts bei internationalen Partnern. „Forschung nimmt in den verschiedenen Curricula einen hohen Stellenwert ein, auch im neuen Pharmaziestudium. Als postgraduelle Weiterbildungsstudien der PMU seien besonders die Ph.D.-Studiengänge Molekulare Medizin und Medizinische Wissenschaft gefragt, außerdem „Nursing & Allied Health Sciences“.

Im Westen Österreichs liegt die Umit (Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik) in Hall in Tirol. Hier kann man aufgrund des Studienangebots in Mechatronik, Biomedizinischer Informatik und Gesundheitsinformatik einerseits von einer Technikdomäne sprechen. Andererseits zählen auch Betriebswirtschaft im Gesundheitswesen, Psychologie, Gesundheitswissenschaften und Pflegewissenschaften zu den Schwerpunkten. Zudem werden Universitätslehrgänge zu Dyskalkulie und Legasthenie angeboten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2017)

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