Rekord bei Studentenmobilität: 9800 nutzten Erasmus

Mit rund 50 Millionen Euro hat der Austauschdienst insgesamt mehr als 16.000 Österreicher ins Ausland geschickt. Bei den Studenten ganz vorne: ein Nachbarland.

(c) HELMUT FOHRINGER / APA / picture (HELMUT FOHRINGER)

Mit Fördermitteln in Höhe von 49,4 Mio. Euro hat der Österreichische Austauschdienst (OeAD) 2017 rund 18.500 Menschen zum Studieren, Arbeiten, Forschen oder Lehren in ein anderes Land gebracht. Nur knapp unterhalb einer Schallmauer blieb dabei die Studentenmobilität im Erasmus+-Programm: 9800 Studenten heimischer Hochschulen absolvierten einen Studienaufenthalt oder ein Praktikum im Ausland.

Deutschland ist am beliebtesten

Insgesamt wurden vom OeAD ca. 16.300 Österreicher dabei unterstützt, ins Ausland zu gehen ("Outgoings"). 2300 internationale Studenten und Forscher kamen umgekehrt mit OeAD-Stipendienprogrammen nach Österreich ("Incomings"; exklusive Erasmus-Studenten, diese werden von den entsprechenden Agenturen in ihrem Heimatland abgewickelt), so Geschäftsführer Stefan Zotti bei einer Pressekonferenz am Montag.

Der Löwenanteil entfiel dabei auf die Studenten im Erasmus+-Programm: Von den 9800 Outgoing-Studenten (2016: 8000) wählten 1800 Deutschland als Ziel, gefolgt von Spanien (1100), dem Vereinigten Königreich (800) und Frankreich (700). Die Rangliste dieser Zielländer hat sich in den vergangenen zehn Jahren dabei kaum verändert.

Am häufigsten absolvieren Studenten der Sozial- (42 Prozent) und Geisteswissenschaften (24 Prozent) einen Auslandsaufenthalt. Das spiegelt sich auch in der Geschlechterverteilung: 62 Prozent der mobilen Studenten sind Frauen. Für Zotti ist ein Erasmus-Aufenthalt auch eine Art Gegenprogramm zur Entwicklung an den Hochschulen: "Je verschulter die Curricula werden, umso wichtiger ist die Erfahrung, sich selbst organisieren zu müssen und nicht alles strikt vorgegeben zu bekommen."

Für Europäer attraktiver werden

Das Wachstum des Erasmus-Programms geht dabei weniger auf die klassischen Studienaufenthalte zurück, sondern auf den starken Anstieg bei den (vor allem für FH-Studenten interessanten) Praktika. Nach wie vor wenig beliebt sind Aufenthalte in den mittel- und osteuropäischen Nachbarländern. Das sei aber ein gesamteuropäischer Trend, so Zotti. Studenten gingen tendenziell von Ost nach West und von Süden nach Norden. Und: "Wir schaffen es zwar gut, Studierende in Europa herumzuschicken, sind aber noch nicht attraktiv genug für außereuropäische Studierende."

Der OeAD verfügte 2017 über ein Budget von rund 65 Mio. Euro, das zu rund zwei Dritteln von der EU und zu einem knappen Viertel vom Bildungsministerium kommt. Der Rest entfällt auf Programme der Entwicklungszusammenarbeit und Drittmittelprogramme. Neben der Vergabe von Stipendien engagiert sich der OeAD im Hochschulmarketing, stark ausgebaut wurde zuletzt die Fremdenrechtsberatung.

Plus bei Erasmusbudget begrüßt

Erfreut zeigte sich Zotti über den Vorschlag der EU-Kommission, das Erasmus-Budget in der nächsten Budgetperiode zu verdoppeln. Dann müsse man auch versuchen, neben den Hochschulen stärker die Mobilität an Schulen und in der Erwachsenenbildung zu fördern. Wachstumspotenzial sieht er vor allem bei den Praktika: Allerdings müsse man diese flexibilisieren. Die derzeitige Mindestdauer von zwei Monaten sei etwa für berufstätige FH-Studenten kaum machbar.

Weiters vermisst der OeAD-Chef eine breite Internationalisierungsstrategie für den österreichischen Hochschulraum: "Wir neigen dazu, Mobilität auf die Outgoing-Studierenden zu konzentrieren. Langfristig ist aber auch eine Incoming-Strategie wichtig, als Kampf um die besten Köpfe."

(APA)

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