"Stellen Sie sich vor, Sie sind ein tschetschenischer Terrorist": FH-Professor nach "rassistischer" Prüfungsfrage unter Druck

Ein Politikwissenschaftler einer Wiener Fachhochschule erregt mit fragwürdigen Prüfungsfragen Aufsehen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

"Stellen Sie sich vor, Sie sind ein tschetschenischer Terrorist, und man stellt Sie vor die Wahl, einen russischen Panzer in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny oder ein Kino in Moskau in die Luft zu sprengen. Was werden Sie tun? Begründen Sie Ihre Antwort in einem Satz." Diese Prüfungsfrage soll ein Politikwissenschaftler der Fachhochschule des Wiener BFI seinen Studenten gestellt haben, berichtet der "Kurier".

Der Politologe und Islamismus-Experte Thomas Schmidinger hat die Prüfungsfrage von einem Studenten zugespielt bekommen und auf Facebook gestellt. "Wenn 'Kollegen' solche Prüfungsfragen stellen, kann ich nicht schweigen", schrieb er dazu. Er habe den Professor bereits via E-Mail konfrontiert, aber keine Antwort erhalten. Daher wolle er den Fall nun öffentlich machen. Er bezeichnet die Fragestellung als "stereotyp und unwissenschaftlich". "Für mich ist dies ein absolutes Negativbeispiel einer ressentimentgeladenen Prüfungsfragestellung, die nichts im Bildungswesen verloren hat." Die FH habe auch Studenten mit tschetschenischen Wurzeln, die sich diskriminiert fühlen würden.

Dieser Ausschnitt des Prüfungsbogens soll schon seit Februar in den sozialen Medien zirkulieren. – facebook.com
 

"Die Fachhochschule des BFI Wien distanziert sich aufs Schärfste von Rassismus und Diskriminierung jeglicher Art", reagierte die betroffene Bildungseinrichtung auf Facebook. "Wir werden diesen Vorfall intern prüfen und entsprechende Konsequenzen ziehen." Die Lehrveranstaltung des Professors, laut FH ein Experte für Terrorismusforschung, werde laut "Kurier" bereits überarbeitet. Er selbst habe eingesehen, dass seine Prüfungsfrage "nicht adäquat gestellt wurde und damit Gefühle verletzt hat". Er habe mit der Fragestellung keine Klischees bedienen wollen, vielmehr habe er "auf die Symbiose Medien und Terrorismus" abgezielt.

Auf der Facebookseite der FH wird der Vorfall indessen rege diskutiert. Einige (ehemalige) Studenten scheinen sich an die Fragestellung zu erinnern, von vielen wird der Professor verteidigt. Die Studierendenvertretung der Fachhochschule hat jedoch eine klare Linie: "So eine Art der Fragestellung ist nicht mit den gelebten Grundwerten unserer Fachhochschule vereinbar."

>> Bericht im "Kurier"

(Red.)

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