Medizintest: 26 Sicherheitsschleusen, 120 Securitys

Die Aufnahmeprüfung für das Medizinstudium ist ein Großevent. 12.552 Bewerber kämpften am Freitag um 1680 Plätze – mit elterlicher Unterstützung und unter den Augen von Securitys.

Berwerber beim Medizin-Aufnahmetest am Freitag in Wien
Berwerber beim Medizin-Aufnahmetest am Freitag in Wien
APA/ROBERT JAEGER

Wien. Der Medizinaufnahmetest ist ein Großevent. Das macht sich bereits bei der Anreise bemerkbar. In der U-Bahn stehen ungewöhnlich viele nervös mit dem Fuß wippende Menschen nebeneinander. Fast alle halten einen Reisepass und ein durchsichtiges Jausensackerl in den Händen. Für manche gibt es hier noch die letzten Tipps der Eltern: „Trink deinen Schwarztee erst in der zweiten Testhälfte. Der soll dich dann noch einmal pushen“, ist da etwa zu hören.

Beim U-Bahn-Ausgang warten zig Flyerverteiler auf die Prüflinge. Ihnen werden Traubenzucker, Formelsammlungen und Werbungen – vor allem von privaten Medizinuniversitäten und Kursanbietern – entgegengestreckt. Auf einem der Flyer wird für „deinen Medizinstudienplatz in Bulgarien“ geworben, auf einem anderen ist auf Englisch „Wenn ich sterbe, werde ich meinen Körper der Wissenschaft spenden, weil das die einzige Möglichkeit ist, in eine Medizin-Uni zu kommen“ zu lesen.

Die Chancen auf einen Studienplatz stehen tatsächlich nicht gut. Österreichweit hatten sich fast 16.000 Kandidaten zur gestern, Freitag, gleichzeitig in Wien, Graz, Innsbruck und Linz stattfindenden Aufnahmeprüfung angemeldet. 79 Prozent, konkret 12.552 Interessenten, sind erschienen. Von ihnen wird nur etwa jeder Siebente aufgenommen. Denn es stehen nur 1680 Studienplätze zur Verfügung.

Weniger Studienabbrecher

Die kleinen Erfolgsaussichten sind auch Luisa Tafuri, die aus München in die Wiener Messehalle angereist ist, bewusst. In Deutschland wären sie allerdings noch geringer gewesen. Mit einem Notendurchschnitt von 2,5 wäre ihr ein Studium aufgrund des Numerus clausus (NC) verwehrt geblieben.

Für den Test in Österreich hat sie sich gewissenhaft mit Büchern, Skripten und Apps vorbereitet. Das Testformat, stimmt ihr auch ihr Sitznachbar David Samardzic zu, müsse man üben. Der 17-Jährige aus Zell am See hat mehr als ein Jahr lang, parallel zur Matura, vor allem seine Gedächtnis- und Merkfähigkeiten trainiert: „Figuren zusammensetzen, Zahlenfolgen merken und solche Dinge, das muss man schon üben.“

An den Medizin-Unis hat man lang an einem fairen Testverfahren gefeilt. Jetzt ist man zufrieden. Beim sogenannten MedAT, den es seit sechs Jahren gibt, werden neben dem schulischen Wissen aus Biologie, Chemie, Physik und Mathematik auch die Lesekompetenz und das Textverständnis getestet. In den neun Teststunden (inklusive Pausen) werden außerdem die kognitiven Fertigkeiten (Zahlenfolgen usw.) sowie die sozialen Kompetenzen überprüft. Im kommenden Jahr soll noch ein Self-Assessment-Test dazukommen.

Seit der Einführung des Aufnahmeverfahrens ist die Quote der Studienabbrecher deutlich gesunken. Früher schlossen nur 30 bis 50 Prozent der Anfänger auch ab. Mittlerweile seien es, wie Anita Rieder, Vizerektorin der Med-Uni Wien, sagt, 91 Prozent. Der Großteil schafft das Studium sogar in der Toleranzzeit. Für sie haben sich auch die Wartezeiten auf Seminarplätze und Prüfungen verringert.

Quote wurde gekippt

Logistisch ist der Aufnahmetest für die Medizin-Unis eine große Herausforderung. „Es ist unser jährliches Rolling-Stones-Konzert“, sagt Rieder. Allein in der Wiener Messehalle wurden 7451 Stühle aufgestellt, 15.000 Testhefte und Antwortbögen verteilt und 26 Sicherheitsschleusen errichtet. Es waren 120 Securitys, 90 Uni-Mitarbeiter und 260 Tutoren als Aufseher im Einsatz. Insgesamt kostet der Test der Med-Uni Wien 900.000 Euro. Diese Kosten sind allerdings durch die von den Teilnehmern eingehobene Gebühr von 110 Euro abgedeckt.

In den nächsten Wochen werden die papierenen Testbögen eingescannt und mithilfe des Computers ausgewertet. Anfang August werden die Bewerber über das Ergebnis informiert. Sollte es für Luisa Tafuri und David Samardzic schlechte Nachrichten geben, steht eines fest: „Dann werden wir nächstes Jahr wiederkommen.“

Da könnte die Konkurrenz noch größer sein. Dann wird es nämlich keine Quote mehr für das Zahnmedizinstudium geben. Bisher waren 75 Prozent sowohl der 1536 Humanmedizinstudienplätze als auch der 144 Zahnmedizinplätze für Österreicher reserviert. 20 Prozent gingen an EU-Bürger, fünf Prozent an den Rest. Die EU-Kommission hat die Regelung gekippt. Das könnte mehr ausländische Bewerber anlocken. An der Med-Uni Wien ist man zuversichtlich: „Wir werden das schon schaffen.“

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