Medizin: Mehr Frauen als Männer

Im Medizinstudium sind fast sechs von zehn Anfängern weiblich. Beim Aufnahmetest schneiden Frauen dennoch schlechter ab.

Der Medizinaufnahmetest an sich ist den Männern allerdings leichter gefallen als den Frauen.
Der Medizinaufnahmetest an sich ist den Männern allerdings leichter gefallen als den Frauen.
Der Medizinaufnahmetest an sich ist den Männern allerdings leichter gefallen als den Frauen. – (c) APA/ROBERT JAEGER

Wien. Das lange Warten für die Medizinstudieninteressenten ist vorbei. Sie haben das E-Mail, das über ihre berufliche Zukunft entscheiden könnte, dieser Tage erhalten. Für 10.894 Bewerber enthielt es eine schlechte Nachricht. Nur 1680 Teilnehmer konnten sich freuen. Sie können im Oktober entweder in Wien, Innsbruck, Graz oder Linz ein Medizinstudium beginnen.

Darunter sind mehr Frauen als Männer. Konkret liegt der Frauenanteil unter den Studienanfängern bei 57,2 Prozent. Damit gehen 961 Plätze an Frauen. Die übrigen 42,8 Prozent und damit 719 Plätze bleiben den Männern. Das Geschlechterverhältnis schwankt leicht von Universität zu Universität. In Graz ist der Frauenanteil am höchsten. Sechs von zehn Medizinanfängern werden hier weiblich sein (siehe Grafik).

Dass die Mehrheit der Studienplätze in Frauenhand ist, heißt aber nicht, dass sich Frauen beim Aufnahmetest leichter tun. Offenbar ist sogar das Gegenteil der Fall. Denn der Frauenanteil unter den Bewerbern lag noch höher als der unter den nun Aufgenommenen. 62 Prozent der Teilnehmer beim Test im Juli waren weiblich. Sie sicherten sich allerdings „nur“ die bereits genannten 57 Prozent der Plätze. Ihre Erfolgsquote ist demnach niedriger als die der Männer.

 

Geschlechterkluft geringer

Das Medizinstudium scheint bei Frauen immer beliebter zu werden. Ihre Quote bei den Studienbewerbern wächst bereits seit Jahren – langsam, aber stetig. 2015 waren 59 Prozent der Bewerber weiblich. In den beiden Jahren danach stieg der Anteil auf 60 Prozent. Heuer waren es 62 Prozent.

Die Frauenquote unter den Studienanfängern (und damit die Erfolgsquote beim Test) schwankte in der Vergangenheit. Im Vorjahr waren 60 Prozent der Bewerber, aber nur 53 Prozent der Anfänger weiblich. Im Vergleich dazu hat sich heuer die Kluft zwischen den Geschlechtern deutlich verringert.

Vor der Einführung des österreichweit einheitlichen Aufnahmetests namens „MedAT“ war die Geschlechterkluft ohnehin deutlich größer. Damals, also bis vor sechs Jahren, waren Frauen zwar teilweise bei den Bewerbern klar in der Überzahl. Sie erhielten aber nur 43 Prozent der Plätze. Das hat den damaligen Testverfahren den Ruf, Frauen zu benachteiligen, eingebracht. Das sorgte für große Diskussionen. Nun gibt es diese nicht mehr. Der Test sei trotz Schwankungen, sagen die Unis, fair.

 

Quote wurde gekippt

Beim Medizinaufnahmetest werden nicht automatisch die besten 1680 Bewerber aufgenommen. Die Plätze werden nach einem Schlüssel verteilt. 75 Prozent davon gehen an Kandidaten mit einem österreichischen Maturazeugnis, 20 Prozent an Bewerber aus der EU und fünf Prozent an Studienwerber aus Drittstaaten.

Das traf bisher sowohl auf die 1536 Humanmedizinstudienplätze als auch auf die 144 Plätze für Zahnmedizin zu. Im nächsten Jahr wird das nicht mehr so sein. Die EU-Kommission hat Österreich diese Regelung nur noch in der Humanmedizin zugestanden. Bei den Zahnmedizinern wurde sie gekippt. Dort könnte es künftig, wenn die Informationsmails der Unis verschickt werden, noch mehr enttäuschte Bewerber geben.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.08.2018)

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