Bachelor für Elementarpädagogen

Mit dem heurigen Studienjahr sind österreichweit mehrere Bachelorstudien für Elementarpädagogik gestartet. Damit soll auch die Betreuung im Kindergarten auf wissenschaftliche Basis gestellt werden.

Mit den Bachelorstudien wird das Bildungsangebot in der Elementarpädagogik ausgebaut.
Mit den Bachelorstudien wird das Bildungsangebot in der Elementarpädagogik ausgebaut.
Mit den Bachelorstudien wird das Bildungsangebot in der Elementarpädagogik ausgebaut. – (c) Clemens Fabry

Es haben sich knapp dreimal so viele um einen Studienplatz beworben, wie wir aufnehmen konnten“, berichtet Andrea Holzinger, Leiterin des Instituts Elementar- und Primarpädagogik an der Pädagogischen Hochschule Steiermark. Seit Oktober bieten die Pädagogische Hochschule Steiermark (PHSt) und die Kirchliche Pädagogische Hochschule Graz (KPH Graz) gemeinsam das Bachelorstudium Elementarpädagogik an. „Zielgruppe sind Leiterinnen und Leiter von Kindergärten oder Personen, die an leitenden Positionen interessiert sind“, sagt Holzinger.

Zwischen Theorie und Praxis

Wer einen der 30 Studienplätze erhalten will, muss als Kindergartenpädagoge ausgebildet sein und in dem Berufsfeld arbeiten. Die Inhalte der Studiengänge bauen also auf einschlägiger Ausbildung und Erfahrung auf. „Das Curriculum spannt den Bogen zwischen aktuellen wissenschaftlichen Befunden und Theorien und dem eigenen pädagogischen Handeln. Ein wichtiger Aspekt ist beispielsweise die Gestaltung und Vorbereitung von Lernumgebungen“, sagt Holzinger. Behandelt werden Fragen wie: „Wie nütze ich die natürliche Neugier der Kinder für das Lernen? Wie wird forschendes Lernen möglich? Wie beobachte ich Kinder und dokumentiere ihre Lernprozesse?“ Auch der Übergang vom Kindergarten zur Schule ist ein wesentlicher Punkt. „Hier geht es darum, diesen Übergang als Nahtstelle zu sehen und zu verhindern, dass er zur Bruchstelle wird“, betont Holzinger. Sechs Semester lang – berufsbegleitend, einmal in der Woche und an einem Wochenende im Monat – treffen sich die Studierenden, um sich in diese Fragestellungen und Fächer wie Gesprächsführung, Qualitätsentwicklung, Kindheitsforschung oder Wissenschaftstheorie zu vertiefen.

„Die drei Säulen des Studiums sind Kommunikation und Leadership, bildungswissenschaftliche Grundlagen und disziplinäre Grundlagen“, führt Holzinger aus. Das Curriculum wurde im Verbund mit der KPH Graz und den Pädagogischen Hochschulen im Burgenland und in Kärnten entwickelt. Die Studien in Kärnten und im Burgenland haben ebenfalls mit diesem Wintersemester begonnen. Holzinger betont: „Die Schaffung des Studiums ist ein Schritt, um die Bedeutung des Kindergartens als Bildungsinstitution stärker ins Bewusstsein zu rücken.“

Wissenschaftliche Vertiefung

Ebenfalls im heurigen Herbst starteten die ersten 30 Studierenden an der Pädagogischen Hochschule Salzburg Stefan Zweig mit dem Studium der Elementarpädagogik. Studiengangsleiterin Judith Kainhofer spricht von einem „großen Bedürfnis der Elementarpädagoginnen an der Möglichkeit der wissenschaftlichen, reflektorischen Vertiefung der Materie“, die das Studium bietet. In Salzburg wird in Blöcken freitags und samstags und in ganzen Studienwochen, auch im Sommer und in den Weihnachtsferien, gelehrt und gelernt. „Pro Semester sind es 20 volle Tage“, berichtet Kainhofer. „Die Schwerpunkte, die sich durch das ganze Studium ziehen, sind Diversität, Inklusion und Leadership.“ Die inhaltliche, wissenschaftliche Vertiefung soll die pädagogische Qualität in allen Bildungsbereichen, beispielsweise Emotionen, Sprache, Bewegung oder Natur und Technik, verbessern.

Übergänge meistern

„Ein wichtiger Bereich sind auch die Transitionen“, betont Kainhofer. „Der Übertritt vom Elternhaus in die Institution, der Übergang von einer Institution zur anderen und natürlich auch der Wechsel zwischen Kindergarten und Schule.“ Die Studierenden müssten „Interesse und die Bereitschaft, Zeit zu investieren, mitbringen“. Die ersten Rückmeldungen der Studierenden, die gerade die Studieneingangsphase absolvieren, seien sehr positiv. „Das Engagement und die Motivation sind sehr hoch.“ In der Studieneingangsphase gibt es unter anderem eine Einführung in wissenschaftliches Arbeiten und einen Überblick über die in den sechs Semestern anstehenden Inhalte. Im Studienplan finden sich neben elementarpädagogischen Planungsgrundlagen auch pädagogisch-praktische Studien, mathematische Bildung, Rhythmik und Kreativität oder Sprache, Mehrsprachigkeit und Literacy. Das Curriculum wurde im Verbund mit Oberösterreich – der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich und der Privaten Pädagogischen Hochschule der Diözese Linz – erstellt. In Salzburg wird das Studium alle drei Jahre angeboten.

Bereits älter ist der Studiengang an der FH Campus Wien, Sozialmanagement in der Elementarpädagogik. Hier wird, bereits seit 2014, ebenfalls berufsbegleitend gelehrt. Studiengangsleiterin Nina Hover-Reisner erklärt: „Die Aufgaben im Kindergarten sind komplex, neben der Gestaltung des Alltags sind Elementarpädagogen mit Aufgaben wie der Sprachförderung oder der Elternarbeit befasst.“

Leitung und Management

Wer einen der 36 Studienplätze an der FH Campus Wien anstrebt, braucht wie bei den neu geschaffenen Studien eine abgeschlossene elementarpädagogische Ausbildung und „muss in die Aufgaben der Leitung eines Kindergartens eingebunden sein“. Inhaltlich ist eine Säule des Studiums wirtschaftsnah, „die Studierenden lernen Buchhaltung, Kostenrechnung, Sponsoring, Finanzierung – alles, was man braucht, um eine Einrichtung zu managen“, führt Hover-Reisner aus. Auf der anderen Seite stehen Entwicklungspsychologie, Elternarbeit, didaktische Methoden oder ethische Grundlagen von Erziehung und Bildung. „Ein wesentlicher Schwerpunkt im Studium ist die Praxisreflexion“, betont Hover-Reisner, „kritisches Nachdenken darüber, wie das Kind die Situation gerade erlebt, ist eine Schlüsselkompetenz in diesem Beruf. Dafür geben wir viel Zeit und Raum, und der Austausch der Teilnehmer untereinander ist ebenfalls ein wesentlicher Aspekt.“ In den letzten Semestern sind zwei Bachelorarbeiten zu verfassen, die zweite ist empirisch. Die Themen können nach den beruflichen Schwerpunkten ausgewählt werden.

AUF EINEN BLICK

Bachelorstudien Elementarpädagogik starteten diesen Herbst an zahlreichen Pädagogischen Hochschulen. Im jeweiligen Entwicklungsverbund wurden die einzelnen Curricula entwickelt. An der FH Campus Wien wird Sozialmanagement in der Elementarpädagogik angeboten.

Web: www.phst.at,
www.fh-campuswien.ac.at,
www.phsalzburg.at

 


[OZM8P]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2018)

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