Junos: "Wir sind die Einzigen, die nicht im Schlaraffenland leben"

Der pinke Spitzenkandidat Nino Rohrmoser hat etwas gegen die Zwangsbeiträge der ÖH und Tafeln, die sein Opa schon verwendet hat. Die ÖH soll sich für Studenten und nicht für Proteste in Kolumbien einsetzen.

Junos-Spitzenkandidat Nino Rohrmoser im Interview
Junos-Spitzenkandidat Nino Rohrmoser im Interview
APA/HANS PUNZ

Die Junos fordern „Mehr Höhepunkte im Studium“. Ist das mehr als eine anzügliche Anspielung?

Nino Rohrmoser: Die Studienbedingungen sind katastrophal und dennoch kümmert das unsere Hochschülerschaft nicht. Sie macht lieber Allgemeinpolitik als sich für uns Studierende einzusetzen. Deswegen wollen wir eine befriedigende ÖH. Das versuchen wir mit dem Witz zu sagen.

Sie haben von der TU an die Wirtschaftsuni gewechselt, weil sie mit 250 anderen in einem für 180 Personen ausgelegten Hörsaal gesessen sind und der Professor sagte, dass man spätestens in einem Monat keine Platzprobleme mehr haben werde. Würde es nicht dem pinken Leistungsgedanken entsprechen, sich durchzusetzen?
Das stimmt. Aber an der TU kommt man oft in Kurse nicht rein und die technische Ausstattung ist ein Wahnsinn. Diese Bedingungen führen dazu, dass die Qualität katastrophal ist. Deshalb habe ich an die WU gewechselt. Auch hier ist es überlaufen. Aber alleine durch den neuen Campus und die Infrastruktur wird einem eine ganz andere Grundqualität geboten. Das ist das Minimum, das jedem in Österreich geboten werden soll.

Sie ärgert es auch, dass an den Unis nach wie vor Kreide verwendet wird.
Diese Aussage von mir ist aus dem Kontext gerissen. Die Kreide war nur ein Beispiel für die schlechte Infrastruktur. Ich habe nichts gegen Kreide, aber ich habe etwas gegen Tafeln, die mein Opa an der Uni vielleicht schon verwendet hat.

Sie sind für Studiengebühren und Zugangsbeschränkungen. Warum soll man die Junos wählen, die einem das Leben schwer machen wollen? 
Das Gegenteil ist der Fall. Wir wollen das Beste für die Studierenden. Dabei sind wir die Einzigen, die nicht im Schlaraffenland leben. Wir haben ein Konzept. Es sieht mehr staatliche Mittel, mehr private Drittmittel und nachgelagerte Studiengebühren vor.

Die nach dem Studium eingehobenen Gebühren sollen 500 Euro pro Semester betragen. Ist das im Gesamtbudget nicht ein Tropfen auf den heißen Stein?
500 Euro pro Semester bedeuten über 300 Millionen Euro im Jahr für die Hochschulen. Das sind ein WU-Campus alle zwei Jahre oder hunderte Professoren. Dieses Geld würde – anders als bisher – direkt an die Hochschulen fließen.

Sie begrüßen, wie Sie im Wahlprogramm schreiben, viele Hochschulideen der türkis-blauen Regierung. Gibt es auch etwas, das Sie nicht gut heißen?
Die Studiengebühren, wie sie die Regierung wünscht, lehnen wir ganz klar ab. Sie würden ins allgemeine Budget fließen und sollen über einen Steuerbonus wieder zurückfließen. Das halten wir für nationalistische Abschottung. Weil es den Effekt hat, dass Personen, die nicht in Österreich bleiben, benachteiligt werden.

Laut Koalitionspakt soll die ÖH zu einer reinen Beratungsinstitution und Interessensvertretung werden. Ansonsten soll es Sanktionen geben. Können Sie auch dem etwas abgewinnen?
Ja, ganz klar. Das allgemeinpolitische Mandat hat nichts in der Studierendenpolitik verloren. Ich will, dass sich meine ÖH mit meinen Beiträgen für mich einsetzt – und nicht für Proteste in Kolumbien Geld ausgibt. Das hatten wir alles.

Und das Ministerium soll die ÖH tatsächlich sanktionieren können?
Wir wollen die Zwangsmitgliedschaft in der ÖH abschaffen. Wenn sich die ÖH nicht für Studierende einsetzt, sollen sie austreten können. Diese Art von Kontrolle soll es geben und nicht eine durch das Ministerium.

Würden die Studierenden massenhaft aus der ÖH austreten?
Ich glaube, dass der Anteil gering sein wird, weil die ÖH dann einen Anreiz hat, sich für die Studierenden einzusetzen, und dann hat man auch einen Anreiz Mitglied zu sein.

Sie wollten den Slogan „Wir wollen mehr“ plakatieren. Dann ist Ihnen der VSStÖ mit dem gleichen Slogan zuvor gekommen. Wer hat von wem abgeschrieben?
Es ist ein Schlag ins Gesicht der Studierenden, wenn eine Exekutivfraktion, die seit über 20 Jahren de facto die ÖH ist, sagt, sie will mehr. Sie hätten viel umsetzen können, haben es aber nicht getan. Da konnten wir nichts anderes machen als zu sagen: Wir machen mehr.

Das beantwortet die Frage nicht, wer von wem abgeschrieben hat.
Das ist doch eigentlich irrelevant.

Das sagen Sie.
Wir machen mehr, sagen wir, das ist die Antwort.

Die Jungen Liberalen Studierenden (Junos) schicken den 22-jährigen Tiroler Nino Rohrmoser als Spitzenkandidaten ins Rennen. Rohrmoser sitzt seit zwei Jahren für die Junos in der ÖH-Bundesvertretung und studiert Wirtschaftsrecht an der Wirtschaftsuniversität (WU).

(j.n.)

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