„Gendersternchen haben keinen Mehrwert“

Wer Mitglied bei den Identitären ist, kann auch beim Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) sein, sagt Co-Spitzenkandidatin Tatjana Schraml. Sie will ein ÖH-Probejahr.

(c) ROBERT ALCHIMOWICZ

Die Presse: Starten wir mit einer aktuellen Frage. Ihr Ex-Spitzenkandidat Felix Mayrbäurl sah 2017 kein Problem darin, dass ein Identitärenmitglied für den RFS antritt. Wie stehen Sie zu den Identitären?

Tatjana Schraml: Ein Funktionär der identitären Bewegung kann bei uns keine Funktion einnehmen. Aber solange jemand nur Mitglied ist und sich auf legalem Boden bewegt, ist es kein Problem, dass er auch bei uns Mitglied ist. Es ist nicht illegal.

 


Und ein einfaches Mitglied der Identitären kann auch bei der ÖH-Wahl für den RFS antreten?

Ja, aber das ist derzeit nicht der Fall. Auch ist keiner unserer Funktionäre Mitglied bei der identitären Bewegung. Und wir sind da, um die Interessen der Studenten zu vertreten.

 


Der Mitbegründer der Identitären, Alexander Markovics, ist für den RFS aktiv.

Er ist nicht mehr Mitglied bei den Identitären.

 


Ihr Ex-Spitzenkandidat meinte, die Identitären seien vergleichbar mit einer Aktivistengruppe à la Greenpeace. Sehen Sie das auch so?

Wir sind da, um die Interessen der Studenten zu vertreten. Und das ist keine politische Fraktion, insofern ist das weitgehend auch gleichzusetzen.

 


Sie bekennen sich auf Ihrer Homepage gegen Extremismus – aber nur gegen linken. Mit rechtem haben Sie kein Problem?

Wir wollen mit Extremismus in keiner Weise etwas zu tun haben. Aber als Mitte-Rechts-Fraktion sehen wir uns eher als Gegenpol zu linken Fraktionen, daher betonen wir das.

 


Genderfreie Wissenschaft ist einer Ihrer Schwerpunkte. Ist das wirklich das größte Problem, das Studenten heute haben?

Es hat keinen wissenschaftlichen Mehrwert, auf Gendersternchen zu beharren – und das sollte nicht in die Benotung einfließen. Es ist unnötiger Mehraufwand.

 


Laut Facebook sind Sie die einzige ÖH-Fraktion, die die Regierung offen unterstützt. Wie stehen Sie zu den neuen Zugangsbeschränkungen?

Wir sind für einen offenen Hochschulzugang. Es sollte mehr Studienplätze geben.

 


Mit allem sind Sie also doch nicht zufrieden?

Hundertprozentig können wir gar nicht übereinstimmen. Wir fordern eben, dass die Lehre frei bleiben sollte.

 


Wie sieht es mit Studiengebühren aus?

Wir sind dafür, dass Bummelstudenten Gebühren zahlen – und nicht-österreichische Studenten. Denn wenn diese danach wieder ins Ausland gehen, sind das nur Kosten.

 


Also auch für Studierende aus anderen EU-Ländern. Das wird schwierig mit dem EU-Recht.

Das ist ja erst einmal nur eine Forderung von uns.

 


Der RFS ist dagegen, dass jeder Student verpflichtend ÖH-Mitglied ist. Was dann?

Wir wollen ein Probejahr, nach dem man sich entscheiden kann. Zudem soll die ÖH nur die Interessen der Studenten vertreten – und nicht gesellschaftspolitisch auftreten und Demos fördern. Und wir fordern Transparenz bei der Mittelverwendung.

 


Was heißt das genau?

Dass offengelegt wird, wo die Gelder hinfließen, damit eine Kontrolle der ÖH da ist und klar gezeigt werden kann, dass die Interessen der Studenten vertreten werden und nicht irgendwelche Fördermittel in unnötige Projekte gestreckt werden.

 


Erstmals kandidiert mit Ihnen eine Frau an der RFS-Spitze – wenn auch nur halb, gemeinsam mit Lukas Heim. Wenn der RFS wieder ein Mandat bekommt, gehen dann Sie rein oder Ihr Kollege?

Das wird vermutlich mein Kollege wieder machen, der bereits jetzt das Mandat hat.

 


Was ist Ihre Funktion als Spitzenkandidatin außer der Außenwirkung?

Den RFS zu vertreten. Und wir hoffen ja auf ein zweites Mandat. Dann könnten wir uns gemeinsam der Aufgabe widmen.

 


Ihre Mutterpartei stellt den Vizekanzler, der RFS muss mitunter um sein eines Mandat bangen. Wie erklären Sie sich das?

Die Wahlbeteiligung ist ja sehr niedrig.

 


Heißt das, dass Ihre Sympathisanten einfach nicht zur Wahl gehen?

Dadurch, dass 75 Prozent der Studenten nicht zur Wahl gehen, fallen einige Wählerstimmen weg.

 


Könnte es auch an den Themen liegen, die für eine studentische Wählerschaft nicht interessant sind?

Wir vertreten unsere Meinung und wer unserer Meinung gleichgesinnt ist, der wählt uns auch.

 

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