Insiderwissen und Showeffekte

Auch wenn Fachhochschulen heutzutage multimedial aufgestellt sein müssen, um ihre Hörsäle zu füllen, sind die Open Houses doch der Klassiker im Marketingmix.

Die Präsentation publikumswirksamer Projekte darf bei keinem Open Day fehlen.
Die Präsentation publikumswirksamer Projekte darf bei keinem Open Day fehlen.
Die Präsentation publikumswirksamer Projekte darf bei keinem Open Day fehlen. – (c) LUDWIG SCHEDL/ FH Campus Wien

Heutzutage sind mehrere Berührungspunkte notwendig, damit Fachhochschulen an die Studierendenschaft kommen“, sagt Sigi Kämmerer, Unternehmenssprecher der FH Salzburg. So besuchen Teams der FH jährlich rund 100 Schulen, um in Vorträgen oder Talentechecks zu informieren und Lust auf akademisches Lernen zu machen. Auch auf 40 Messen zwischen Stuttgart, Bozen und Budapest ist man mit einem Studierendenteam präsent. Doch der Tag der offenen Tür ist noch mal ein anderes Kaliber: „Wir veranstalten zwei: einen Info-Samstag im Dezember, damit sich Interessierte einen Gusto holen können, und das Open House im März, bei dem wir bis zu 2000 junge Leute im Haus haben.“ Einzelne Studiengänge wie BWL, IT und Smart Building am Campus Kuchl bieten zusätzliche Infotermine an.

An der FH Campus Wien gibt es gleich zweimal ein Open House. Neben der Präsentation des Studienangebots, den Förderungs- und Stipendienmöglichkeiten können Interessierte die Räumlichkeiten kennenlernen. „Das Open House deckt somit die Informationsebene ab und die wichtige emotionale Ebene wie ,Fühle ich mich hier wohl?‘ oder ,Spüre ich die Energie?‘. Die Gespräche mit den Lehrenden und vor allem Studierenden vermitteln Insiderwissen“, sagt Rektorin Barbara Bittner. Auch an der FH Salzburg gibt es „gefühlige“ Angebote, beispielsweise können dort die Studentenheime vor Ort besichtigt werden.

Führungen durch die Geschäftsführer gibt es auch an der IMC FH Krems. „Das haben wir 2019 erstmals angeboten, der Erfolg war riesig“, sagt Christiane Weiss, stellvertretende Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit. Der Tag der offenen Tür sei „die große Show“, daneben gibt es an der FH Krems aber auch noch eigene Informationsmöglichkeiten für Bachelor-, Master- und internationale Interessierte. Die „Show“ findet im Februar vor der Berufsinformationsmesse Best in Wien statt, außerdem zwei Infotage für Bachelor-Anwärter im Dezember. „Master-Bewerber laden wir zur Lounge im Januar, und für künftige internationale Studierende haben wir einen virtuellen Master-Chat installiert“, sagt Weiss. Auch eine Event-App sowie eine Landing-Page werden für den Tag der offenen Tür installiert.

 

Besucher getrackt, Erfolg evaluiert

„Wir stellen fest, dass junge Menschen zum Zeitpunkt des Tages der offenen Tür immer besser über die grundsätzliche thematische Ausrichtung unserer Fakultäten informiert sind und vielleicht auch bereits eine Vorstellung zu ihren bevorzugten Studiengängen haben“, sagt Günther Hendorfer, akademischer Leiter der FH Oberösterreich. Man biete Labortouren, stelle Forschungsaktivitäten vor und ermögliche Experimente. Außerdem organisiert man an der FH Oberösterreich Schnuppertage für Schüler unter der Betreuung von FH-Studierenden.

Evaluiert werden die Tage der offenen Tür an nahezu allen Fachhochschulen. An der FH Salzburg werden Strichlisten über die geführten Gespräche angelegt, und auch anhand der Anmeldefristen wird überprüft, ob sich im zeitnahen Umfeld der Open Houses die eine oder andere Spitze zeigt. In Krems ist vor dem Ausgang ein Online-Bewertungstool installiert. An der FH Campus Wien gibt es ebenfalls Protokolle über Beratungsgespräche, Zählung und ergänzende Befragungen der Besucher mittels Fragebögen. Internes Feedback von allen, die am Open House mitarbeiten, rundet die Evaluierung ab. An der FH Kärnten wurde heuer erstmals ein Tracking-System eingesetzt, das im hauseigenen Studiengang Netzwerktechnik im Bereich des Sport-Trackings entwickelt wurde. Hier lässt sich aufgrund der ausgeteilten Besuchersackerln erkennen, an welchen Ständen/Studiengängen die Besucher waren beziehungsweise wie lang sie sich dort aufgehalten haben. „Anzahlmässig wissen wir aufgrund der Sackerln, die beim Eingang verteilt werden, wie viele Interessierte kommen“, erklärt Petra Bergauer, Leiterin Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. In weiterer Folge werde sowohl bei der Online-Bewerbung als auch bei den Erstsemestrigen abgefragt, ob sie beim FH-Day waren. Dort werden ebenfalls zwei Tage der offenen Tür angeboten, „einer, als Überblick über das gesamte Studienangebot für Unentschlossene sowie den Campus-Day, der an allen unseren Standorten angeboten wird, für schon gezielt Interessierte.“

 

Eltern stellen die Fragen

Bei aller Vorinformiertheit der Studierenden in spe scheint eines aber auch immer klarer zu werden: „Geht es um Jugendliche, die den Vollzeit-Bachelor machen wollen, sind es vorrangig die Eltern, die die Fragen stellen“, sagt Weiss. In Salzburg macht Kämmerer ähnliche Erfahrungen, weshalb dort beim Open House eigene Informationspunkte für Eltern und ihre Fragen angeboten werden. Wenn es um Gewinnspiele geht, sind die jungen Leute aber wieder ganz Herr der Lage. Denn manche FH verlosen Tablets und Festivalpässe im Tausch gegen Adressen. Das Interesse an diesen Goodies ist groß.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.04.2019)

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