Fachschaftslisten: „Studierenden keine Tests vor die Füße werfen“

FLÖ-Spitzenkandidat Desmond Grossmann über schlechte Lehre an den Hochschulen und guten Kaffee, der nicht teuer sein muss.

Spitzenkandidat der Fachschaftslisten: Desmond Grossmann
Spitzenkandidat der Fachschaftslisten: Desmond Grossmann
Spitzenkandidat der Fachschaftslisten: Desmond Grossmann – APA/HANS PUNZ

Die Fachschaftslisten fallen selten mit knacken Ansagen auf. Ihre Linie zu Zugangsbeschränkungen ist etwa eher schwammig. . .
Desmond Grossmann: Wir sind auch nicht für knackige, politische Ansagen da, sondern dafür, das Beste für die Studierenden raus zu holen.

Und wie stehen Sie zu Beschränkungen?
Wir wünschen uns auf lange Sicht eine völlige öffentliche Ausfinanzierung der Hochschulen. Wenn die erfolgt ist, können diverse Zugangsbeschränkungen abgeschafft werden. Davor ist das aber schwierig. Wenn es Beschränkungen geben muss, dann sind wir der Meinung, dass sie die Studierenden wenigsten mitgestalten können sollten.

Die Studierenden sollen also Einfluss auf die Aufnahmetests haben?
Ja. Sie sollten da gleichberechtigt sein. Es hat keinen Nutzen, wenn Lehrende und die Universitäten den angehenden Studierenden die Tests einfach vor die Füße werfen.

Sie fordern Nachschulungen für Professoren, die eine schlechte Lehre betreiben. Woran machen Sie schlechte Lehre fest?
Es gibt schon jetzt Lehrveranstaltungsevaluierungen. Die sollten für die Beurteilung herangezogen werden. Wenn viele Studierende kritisieren, dass etwas in einer Lehrveranstaltung nicht gut läuft, kann man dem schon vertrauen. Sowohl positive als auch negative Beurteilungen sollten Konsequenzen haben. An der Uni Graz gibt es zum Beispiel einen Preis für gute Lehre.

Sollte es dann auch die Goldene Himbeere für schlechte Lehre geben?
Nein. Wir reden auch nicht von einem Rauswurf, sondern von Weiterbildung für die Lehrenden.

Sie setzen sich für die Beibehaltung des allgemeinpolitischen Mandats ein. Die Hochschülerschaft soll sich also nicht nur um die Studienbedingungen kümmern. Warum eigentlich nicht?
Das Leben eines Studierenden endet nicht an den Mauern der Hochschulen. Studierende sind ein Teil der Gesellschaft und daher finden wir, dass wir nur dann eine sinnvolle ÖH-Arbeit betreiben können, wenn wir die Studierenden auch in allgemeinpolitischen Fragen vertreten können.

Und dazu gehört es auch, Geld für Proteste in Kolumbien auszugeben?
Wenn wir uns mit kolumbianischen Studierenden solidarisieren, heißt das nicht zwangsläufig, dass das nicht auch für Österreich eine Auswirkung haben kann. In einer internationalen Welt sollte man nicht genau vor der Staatsgrenze halt machen.

Ihnen geht das allgemeinpolitische Engagement, das so manch lokale ÖH-Vertretung zeigt, also nicht zu weit?
Wenn es einen sinnvollen Zusammenhang zu Studierenden gibt, ist es auf jeden Fall zu unterstützen.

Sie studieren an der Universität Graz. Wie schmeckt Ihnen dort eigentlich der Kaffee?
Ich habe eine Vermutung, worauf die Frage abzielt – auf die Causa Kaffeemaschine. Es wurden von meinen Vorgängern damals sofort Maßnahmen ergriffen.

Sie hatten mit der Entscheidung der ÖH-Vertretung, eine 6200 Euro teure Kaffeemaschine zu kaufen, also nichts zu tun?
Ich war damals nicht in der Hochschulvertretung aktiv. Und der wichtige Punkt ist: Es ist weder den Studierenden noch der ÖH Uni Graz ein finanzieller Schaden entstanden.

Die Kaffeemaschine wurde also verkauft?
Wir haben keine derartige Kaffeemaschine mehr. Der Kaffee schmeckt aber noch immer gut.

Zur Person

Desmond Grossmann ist Spitzenkandidat der parteiunabhängigen Fachschaftslisten (FLÖ). Der 23-Jährige studiert Astrophysik. Er wurde in Graz geboren und absolvierte auch seine Schulzeit in der steirischen Landeshauptstadt. An der Uni Graz ist er studentenpolitisch vielfach aktiv: Neben seiner Tätigkeit als stellvertretender ÖH-Vorsitzender der Gesamtuni engagiert er sich auch in der Studienvertretung Physik, ist Mitglied des Senats, diverser Habilitations- und Berufungskommissionen sowie der Studienkommission Physik. 

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