Die Hochschülerschaft diskutiert - über Schnitzel, Bier und sexy Gremienarbeit

Die neun Spitzenkandidaten für die ÖH-Wahl trafen sich zur Elefantenrunde. Ein Abend mit gekränkten Spaßvögeln, Fraktionen im Traumland und vergangenheitsvergessenen Studentenvertretern.

Die Spitzenkandidaten bei der Elefantenrund am Dienstagabend
Die Spitzenkandidaten bei der Elefantenrund am Dienstagabend
Die Spitzenkandidaten bei der Elefantenrund am Dienstagabend – APA/GEORG HOCHMUTH

Armin Wolf war diesmal zwar nicht da, aber irgendwie ständig präsent: Der ORF-Anchorman, der in den vergangenen Jahren traditionell die große Elefantenrunde zur ÖH-Wahl moderierte, hatte am Dienstagabend keine Zeit für die Studierenden. Stattdessen hat FM4-Moderator Ali Cem Deniz die Moderation und auch gleich ein paar Schmähs von Wolf übernommen. 

So mussten die Spitzenkandidaten der neun Fraktionen, die sich von 27. bis 29. Mai der ÖH-Wahl stellen, von „ganz links“ bis „ganz rechts“ am Podium an der Universität für Angewandte Kunst in Wien Platz nehmen - ganz links saßen die beiden kommunistischen Studierendenverbände (KSV und KSV-Lili) und „rechts außen“ der Ring Freiheitlicher Stundeten (RFS). Applaus war dem Moderator mit dieser Andeutung sicher. Es gab für die zahlreich erschienen Zuschauer bei der diesjährigen Elefantenrunde aber auch sonst einiges zu lachen.

"Hallo, ich bin der Nino und das ist mein Handy“, begann Junos-Kandidat Nino Rohrmoser seine Vorstellung und erntet dafür eher unfreiwillig Gelächter. Dabei wollte er in der Vorstellungsrunde nur für eine echte Digitalisierung an den Hochschulen werben. Das Handy soll, wenn es nach den pinken Studenten geht, nämlich zum Hörsaal werden. Nicht ganz unähnlich klang die Vorstellung von Moritz Mager. „Hallo, ich bin der Mo und das ist mein Freibier", sagte der Vertreter der Spaßfraktion No Ma'am. Er saß mit einer goldenen Krone auf dem Kopf, einem Zepter in der einen und einem Bier in der anderen Hand auf der Bühne und ließ seinen künftigen Arbeitgeber, der dieses Video vielleicht einmal im Internet finden wird, ganz herzlich grüßen.

"Stehen offen hinter der Bundesregierung"

Nicht nur die jeweils einminütige Vorstellungsrunde brachte den ein oder anderen Kandidaten ins Wanken. Auch die Frage danach, was sie als erstes in der ÖH ändern würden, beantworteten nicht alle problemlos. „Konkret wird sich ändern, dass wir die ÖH weiterhin kontrollieren", sagte der RFS-Spitzenkandidat Lukas Heim etwas kryptisch. Er versprach, auch in der nächsten Legislaturperiode aufzudecken, wofür die ÖH ihr Geld ausgibt - „nämlich für Analsexworkshops". Denn das werde es mit dem RFS sicherlich nicht geben. Außerdem sei man die einzige Fraktion, „die offen hinter der Bundesregierung“ stehe. Man habe „die besten Kontakte".

Die ÖVP-nahe Aktionsgemeinschaft versucht ein solches Bekenntnis zumindest teilweise zu vermeiden. Man wolle sich weniger auf Politik und mehr auf Service konzentrieren. So soll es für die Studierenden „Netskript statt Netflix“ geben, wie AG-Spitzenkandidat Dominik Ramusch versprach. Unterlagen sollten digital, auf einer österreichweiten Homepage abrufbar sein, forderte er. Desmond Grossmann, der Spitzenkandidat der unabhängigen Fachschaftslisten (FLÖ), verspach vordergründig in den Gremien für die Studierenden zu kämpfen - „dort, wo die ÖH-Arbeit nicht immer sexy“ zu sein scheint, wobei er persönlich das ja anders sehe. Da gehe es etwa um ein einheitliches Studienrecht für alle Hochschultypen.

"Kann mich schwer mit der Vergangenheit beschäftigen"

Nach diesen Ausführungen läutet ein Glöckchen. Moritz Mager, der Vertreter der Spaßfraktion, orderte so von der Bühne aus Bier-Nachschub. Erst dann konnte Dora Jandl, die Spitzenkandidatin des Verbands sozialistischer Studierender (VSStÖ), über ihr wichtigstes Thema, die soziale Absicherung der Studierenden, sprechen. Sie will den Studierenden mit einem höher dotierten Sozialfonds unter die Arme greifen. 

Dietlinde Oberklammer, die Spitzenkandidatin der Grünen und Alternativen Studierenden (GRAS), will den Studierenden wiederum mehr vegetarische und vegane Menüs in den Mensas servieren. „Denn immer Schnitzel und Pommes ist echt fad.“ Das Essen in der Mensa müsse regional und biologisch sein. Die Frage des Moderators, weshalb die grünen Studierenden das nicht schon in der Vergangenheit gemacht hätten, verleitete dann auch sie zu einer ungewöhnlichen Aussage: „Ich kann mich schwer mit der Vergangenheit beschäftigen - und ich möchte es auch gar nicht", sagte Oberklammer und sorgte im Publikum teilweise für Verwunderung. 

Das gelang auch dem RFS-Spitzenkandidaten mit seinen Ausführungen zur Regierung. „Die Regierung setzt sich Tag für Tag für die Studenten ein - vor allem die FPÖ", sagte Lukas Heim. Damit war ihm der größte Lacher an diesem Abend, an dem sich vor allem Fraktionsanhänger im Publikum befanden, sicher. No Ma'am-Spitzenkandidat Moritz Mager fand das weniger lustig. "Als Spaßpartei kränkt uns das schon, wenn wir weniger Lacher als der RFS kriegen."

"Wir leben aber nicht in einem Traumland"

Es wurde in der rund eineinhalbstündigen Diskussion natürlich auch über die hochschulpolitischen Klassiker - Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren - gesprochen. Da läutete der No Ma'am-Spitzenkandidat gleich noch einmal mit seinem Glöckchen. Diesmal wurden zum Bier auch noch Chips serviert. Dann konnte weiter diskutiert werden.

Zugangsbeschränkungen seien „ein wahnsinniger psychischer Druck“ und würden „sozial selelektiv“ wirken. Da waren sich die roten, grünen und kommunistischen Studenten einig. Auch die Fachschaftslisten konnten sich dem anschließen. Hier war selbst der RFS gleicher Meinung. Nur die Aktionsgemeinschaft und die Junos sahen das anders: Sie treten für Zugangsbeschränkungen ein. „Eine Ausfinanzierung der Hochschulen wäre mir auch am liebsten. Wir leben aber nicht in einem Traumland", sagte etwa AG-Spitzenkandidat Ramusch. 

Studiengebühren lehnen wiederum fast alle Fraktionen ab - mit Ausnahme des RFS, der ausländische Studenten gerne zur Kasse bitten würde, und den Junos, die für ihr Modell der nachgelagerten Studiengebühren warben. Erst dann, wenn man nach dem Studium mit beiden Beinen im Berufsleben stehe, solle man die Gebühren von 500 Euro pro Semester zurückzahlen müssen - und zwar in kleinen Raten, erklärte Rohrmoser. Seine Konkurrenten konnte er davon nicht überzeugen. Man könne Studierende nicht wie „Melkkühe“ behandeln, forderte Dario Tabatabai vom KSV. Er war übrigens deutlich gesprächiger als Babsi Ordinaireteur vom KSV-Lili.

Mitunter am meisten hat aber wohl Desmond Grossmann von den unabhängigen Fachschaftlisten gesprochen - ja fast doziert. Das Studiengebühren-Modell der pinken Studierenden bezeichnete auch er als „kompletten Horror“. Außerdem würde es nachgelagerte Studiengebühren schon geben. „Das nennt sich Steuern", so Grossmann.

"Du lallst schon ein bisschen"

An diesem Punkt, sagte Moderator Ali Cem Deniz, würde Armin Wolf sich nun von den Zusehern auf „3sat“ verabschieden, er begann mit den Kandidaten aber noch über das Thema Klimaschutz zu sprechen. Damit hat er wohl das einzige Thema, bei dem es keine größeren Differenzen gab, gefunden. Selbst No Ma'am-Kandidat Mager begann hier nicht als Spaßkandidat, sondern als Mo zu sprechen, denn das Thema müsse man ernst nehmen. Grünen-Kandidatin Oberklammer hat ihn zu dem Zeitpunkt (er war beim vierten oder fünften Bier) aber nicht mehr verstanden: „Du lallst schon ein bisschen", sagte sie in Magers Richtung. 

Der ist dann auch mit seiner letzten Bemühung gescheitert. Er wollte von den Spitzenkandidatin wissen, wen sie wählen würden, wenn sie das Kreuz nicht bei der eigenen Fraktion machen dürften. Die Antworten darauf ließ Moderator Ali Cem Deniz nicht mehr zu. Er wolle lieber nach Hause, wie er augenzwinkernd sagte, um Game of Thrones zu schauen. Vielleicht hätte das bei Armin Wolf anders geklungen.

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