„Medizin funktioniert heute anders als früher“

Neue Technologien halten im medizinischen Bereich Einzug, von der Diagnostik bis zur Rehabilitation.Entsprechend werden die Ansprüche für Entwicklung, Wartung und Anwendung immer komplexer.

Medizintechnik boomt. Das MCI reagiert mit einem entsprechenden Studium.
Medizintechnik boomt. Das MCI reagiert mit einem entsprechenden Studium.
Medizintechnik boomt. Das MCI reagiert mit einem entsprechenden Studium. – (c) MCI

Fitnesstracker, die die Daten des Nutzers an den behandelnden Arzt übermitteln, ein Laufband, auf dem Rehapatienten durch einen virtuellen Wald gehen oder Mini-Roboter, mit deren Hilfe komplizierte Operationen durchgeführt werden – neue Technologien sind aus der Medizin nicht mehr wegzudenken.

 

Zunehmende Komplexität

„Die Medizin von heute funktioniert ganz anders als früher“, sagt Andreas Mehrle vom Management Center Innsbruck MCI. Immer öfter unterstützen hochkomplexe Hightech-Geräte mit hohem Softwareanteil die Mediziner in der Diagnostik, Behandlung und Rehabilitation. „Oft sind es auch keine Geräte, sondern Applikationen“, sagt Mehrle. Dementsprechend gefordert sind angesichts der zunehmenden Komplexität der Medizintechnik die Anwender, aber auch Service- und Wartungsmitarbeiter sowie Entwickler. Neben medizinischem Know-how ist immer mehr Wissen aus den Bereichen Maschinenbau, Elektronik und Informatik gefragt.

Da setzt das im Herbst neu am MCI in Innsbruck startende Masterstudium „Medical Technologies“ an, das in enger Zusammenarbeit mit der Medizinischen Universität Innsbruck sowie der Leopold-Franzens-Universität, der UMIT und der FH Gesundheit angeboten wird. „Der neue englischsprachige Masterstudiengang ergänzt den bestehenden Bachelorstudiengang Mechatronik mit dem stark nachgefragten Studienzweig Medizintechnik“, sagt Mehrle, der den Studiengang entwickelt hat und auch leitet.

Der Fokus des viersemestrigen Lehrgangs liegt vor allem auf den technologischen Aspekten der Bereiche Medizin-, Gesundheits- und Sportgerätetechnik. Auf dem Stundenplan stehen unter anderem das Programmieren von Apps, biomedizinische Statistik, Augmented Reality, medizinische Robotik oder auch klinische Studien. Um einen der vorläufig 20 Studienplätze zu ergattern, sollten Bewerber einen Bachelor-Abschluss in einem einschlägigen Studium mit technischem Hintergrund mitbringen. Bewerbungen sind noch bis 1. Juli möglich.

 

Entwickeln bis zur Zulassung

Ebenfalls in englischer Sprache und Vollzeit wird das Masterstudium Medical Engineering an der Fachhochschule Oberösterreich am Standort Linz abgehalten. „MME ist der klassische Medizintechnik-Master, etwa, wenn jemand eine Tätigkeit als Entwicklungsingenieur anstrebt“, sagt Studiengangsleiter Martin Zauner. Der Studiengang, der 2010 eingeführt wurde, vermittelt wissenschaftlich fundiertes Fach- und Methodenwissen der medizintechnisch und medizinisch relevanten Technologien für die Entwicklung und Herstellung von Medizinprodukten. „Dabei werden auch die erforderlichen Kenntnisse für die Qualitätsanforderungen und die Zulassung von derartigen Produkten behandelt“, sagt Zauner. Praxisnähe, technische Vertiefung und selbstständiges Arbeiten finden besonders beim Projekt- und in der Masterarbeiten Berücksichtigung.

 

Blick auf den Anwender

Der zweite Masterstudiengang am Standort Linz, „Applied Technologies for Medical Diagnostics“, hat laut Zauner als Zielgruppe neben Bachelor-Absolventen der Medizintechnik insbesondere auch Absolventen aus Radiologietechnologie und Biomedizinischer Analytik. Die Teilnehmer des seit 2018 angebotenen, berufsbegleitenden Studiums werden zu Anwendungstechnologen für medizinisch-diagnostische Produkte ausgebildet. „Dieses neue Berufsbild ist zwischen den Entwicklungsingenieuren und den Anwendern von Medizinprodukten positioniert“, sagt Zauner. Die Tätigkeitsfelder liegen primär im einschlägigen Produktmanagement, der Technologiebewertung, der Durchführung von Klinischen Studien, dem umfassenden Qualitätsmanagement inklusive Zulassung und der Projektabwicklung im Zuge der Produktlebenszyklen.

Zwischen den beiden Masterstudien gibt es allerdings noch einen Unterschied: Während der Zweitgenannte mit dem Mastertitel abschließt, wird Absolventen des Studiengangs Medical Engineering der Titel Diplomingenieur verliehen. „Damit bringen wir im Sinne einer Profilbildung stärker zum Ausdruck, dass es sich hier um eine fünfjährige konsekutive akademische Ausbildung handelt“, sagt Zauner. Denn das Masterstudium Medical Enineering sei auch nur für Bachelor-Alumni eines Medizintechnikstudiums zugänglich.

 

Zahlreiche Angebote

Diese beiden Fachhochschulen in Tirol und Oberösterreich sind aber nicht die einzigen, die sich dem Zukunftstrend Medizintechnik widmen. Auch an der FH St. Pölten, dem Technikum Wien, der FH Kärnten oder der FH Campus Wien sind diese zu finden. Internationale Trends und Visionen wie „Telerehabilitation“, „Active and Assisted Living“ und Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen sind beispielsweise aktuelle Themen im Masterstudium Health Assisting Engineering an der FH Campus Wien. Das berufsbegleitende viersemestrige Masterstudium richtet sich sowohl an Absolventen eines Bachelorstudiums der Informatik, Elektronik, Mechatronik oder Medizintechnik als auch an Ergo- und Physiotherapeuten sowie Gesundheits- und Krankenpfleger.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.06.2019)

Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      „Medizin funktioniert heute anders als früher“

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.