Einladung zum Medienmachen

Durch eigene Übungsmedien ermöglichen Journalismus- oder Publizistikinstitute ihren Studierenden ein Experimentierfeld und einen Nutzerkreis auch außerhalb der Hochschule.

Freifach Campus-Radio: Beliebt an der Fachhochschule St. Pölten.
Freifach Campus-Radio: Beliebt an der Fachhochschule St. Pölten.
Freifach Campus-Radio: Beliebt an der Fachhochschule St. Pölten. – (c) Martin Lifka

Eine Umfrage unter Junglehrern, Erfahrungsberichte von Partyurlauben, ein kritisches Schlaglicht auf suchmaschinenoptimiertes Schreiben – derlei Beiträge findet man in „Sofa“, einem neuen Onlinemagazin, das an der Fachhochschule Burgenland produziert wird. Medien, die wie „Sofa“ von Studierenden gestaltet werden, haben kaum mehr etwas mit den „Studentenzeitungen“ von früher gemein. Sie sind heute überwiegend Onlineformate. Ihre Themen reichen meist weit über akademische Belange hinaus. So wird es möglich, auch Leser, Hörer und Seher außerhalb von Hochschulen anzusprechen.

Zu diesem Zweck setzen die Macher des „Sofa“-Magazins, das demnächst offiziell an der FH Burgenland präsentiert wird, auch auf lose Kooperationen mit anderen Hochschulen, etwa der Fachhochschule St. Pölten und der Universität Salzburg. „Irgendwo müssen wir anfangen, aber schon jetzt ist klar, dass wir eine gute Achse von West nach Ost spannen, was User und Mitwirkende betrifft. Es gibt eine reelle Chance auf weiteres externes Publikum“, sagt Michael Roither, Leiter des Masterstudiums Information, Medien, Kommunikation der FH Burgenland.

 

Studentische Kernredaktion

Viele Lehrmedien leiden laut Roither unter zu wenig „Traffic“, verzeichnen kaum Zugriffen auf ihren Websites. „Sie sind relativ isoliert in einzelnen Lehrveranstaltungen oder Hochschulen. Wir haben bewusst alle Schleusen geöffnet, arbeiten übergreifend, ohne das Corporate Design einer einzigen Hochschule oder die Beschränkung auf eine Lehrveranstaltung“, sagt Roither. „Wir freuen uns, wenn in Zukunft Interessierte aller möglichen Hochschulen auf uns zukommen und sich, journalistisch von unserer studentischen Kernredaktion betreut, versuchen wollen. Die Einladung steht!“

Bereits langjährige Erfahrung im Kreieren von Medien hat der Studiengang Journalismus & PR der Fachhochschule Joanneum in Graz. Vor acht Jahren wurde hier etwa der Weblog Annenpost entwickelt – eine digitale Stadtteilzeitschrift, von Studierenden gestaltet und vor allem an die Bewohner des Annenviertels gerichtet. Schon ab Stunde eins arbeiten die Erstsemestrigen an diesem Medium. Sofort nach dem ersten Zusammentreffen schwärmen sie ins Grätzel aus, um zu recherchieren, interviewen, fotografieren – angeleitet vom FH-Dozenten und Journalisten Thomas Wolkinger. So wird es möglich, durch einen Kraftakt aller Beteiligten bereits nach der ersten Studienwoche die erste Ausgabe des Weblogs herauszubringen. „Das bewährt sich irgendwie“, sagt Wolkinger. „Wir haben schon öfters überlegt, etwas Neues zu machen. Aber dann hat wieder jemand gesagt: ,Nein, das ist doch eigentlich super.‘ In dem Viertel tut sich einfach sehr viel.“ Der kreativwirtschaftlich und migrantisch geprägte Stadtteil hat einiges für alle Arten journalistischer Aufbereitung zu bieten – von der Sozialreportage über das Firmenporträt bis zur Kulturkritik.

Der steile Einstieg in das Metier des Journalismus sei für die praxishungrigen Studienanfänger zur Motivation und als eine Art Preview auf kommende Themen gedacht, sagt Wolkinger. „Was bedeutet Journalismus? – Publizität, aber auch Verantwortung, Genauigkeit, Umgang mit Menschen und schließlich Response.“ Um all das gehe es in den drei Jahren Bachelorstudium auch in der Theorie.

Printprodukte werden an der FH Joanneum jeweils im fünften Semester gestaltet, meist verbunden mit einer Reise in Länder, die journalistisch noch weniger erschlossen sind. So entstanden beispielsweise ein Albanien-, ein Rumänien- und ein Ukraine-Magazin, finanziert durch Inserate und teilweise durch Förderungen.

 

Radio als Freifach

Auf elektronische Übungsmedien ist man an der Fachhochschule St. Pölten spezialisiert. Seit 17 Jahren besteht hier etwa das Campus & City Radio 94.4. Medienmanagement- oder Medientechnik-Studierende können sich zum Freifach Radio anmelden. „Es gibt aber auch Sendungen, die von Diätologinnen gestaltet werden, oder von Studierenden der Sozialen Arbeit“, sagt Sabine Hubner, die an der FH in Teilzeit als Assistentin der Radio-Programmintendanz beschäftigt ist. Der Sender wird zudem als freies Radio für interessierte St. Pöltner betrieben. Reaktionen auf Beiträge kämen sogar eher von den Bürgern als von den Studierenden, sagt Hubner. „Wir haben zum Beispiel Projekte mit Flüchtlingen, die ihre Geschichte erzählen. Da bekommen wir sehr, sehr viel Feedback. Dann gibt es einzelne Radiomacher, die schon eine relativ große Fangemeinde haben und viel Feedback bekommen.“ Studierende seien zudem oft bei den Festivals, wie dem Frequency oder dem Kremser Donaufestival, vertreten. Dank Kooperationen werde von dort live gesendet.

Hubner selbst arbeitet parallel zu ihrer Tätigkeit für das Campus Radio bei einem Privatradiosender. „Wir sind sehr glücklich, beim Campus Radio das Equipment von einem Privatradio übernommen zu haben und damit ein wirklich professionelles Set-up zur Verfügung zu haben. So war es für mich kein großer Unterschied, als ich zum Privatradio gegangen bin, weder vom Studio noch von der Sendetechnik her.“ An der FH St. Pölten besteht neben dem Campus-Radio auch das Ausbildungsfernsehen C-TV, das Beiträge zu aktuellen Themen, Kurzfilme und Pilotsendungen für junge Seher produziert und gleichzeitig ein Versuchslabor für neue TV-Formate sein soll.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.08.2019)

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