Kontroverse um "Lehrgänge universitären Charakters"

Uni-Rektoren forderten die Abschaffung der "Lehrgänge universitären Charakters". Die Erhalter hoffen auf das neue Qualitätssicherungsgesetz.

Weiterbildung LehrgangBetreiber attackieren Unis
Weiterbildung LehrgangBetreiber attackieren Unis
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Wien.Die Verärgerung ist groß bei den rund 75 Betreibern sogenannter „Lehrgänge universitären Charakters“: Die Unis hätten „es nicht nötig, einen Mitbewerber auf diese Weise anzugreifen“, sagt Martin Stieger vom „Joseph Schumpeter Institut“ in Wels, einem der größten Anbieter Österreichs. Er wirft den Rektoren „kreditschädigendes Verhalten“ vor.

Der Grund für die Kontroverse: Die Universitätenkonferenz Uniko hat vor zwei Wochen in der „Presse“ die Abschaffung der Weiterbildungslehrgänge gefordert – und den Betreibern Unregelmäßigkeiten bei ihrer Akkreditierung sowie mangelnde Qualität bei der Lehre vorgeworfen. Die Mastertitel, die die Absolventen erhalten, würden dem Standort Österreich schaden.

Die Betreiber wollen sich das nicht gefallen lassen: „Wir bieten eine hochwertige, anwendungsorientierte Lehre“, so Klaus Rückert, Vorsitzender des Verbands der Erwachsenenbildungsträger und Leiter der Arge Bildungsmanagement, die 55 Lehrgänge anbietet. Punkten würden die Lehrgänge vor allem durch eine „Nähe zur Praxis“, die den Unis fehle. Zudem könne man mit dem vielfältigen Lehrangebot rasch auf die wechselnden Bedürfnisse der Wirtschaft reagieren. Nicht zuletzt garantiere man die „Durchlässigkeit“ im Weiterbildungssektor: „Wir wollen akademische Bildung für alle“, sagt Rückert. Wer für seinen Beruf einen Titel benötige und die nötigen Voraussetzungen mitbringe, dem solle das auch ermöglicht werden.

Den Vorwurf mangelnder Qualität – die Rektoren sprachen etwa von „Titelkauf“ – weißt man zurück: Viele der Vortragenden seien Lektoren und Professoren, die parallel an einer Uni arbeiten, so Stieger. Auch für die Zulassung eines Lehrgangs benötige man Gutachten habilitierter Wissenschaftler.

Der eigentliche Grund, den die Betreiber hinter den Attacken vermuten: Die Unis bieten selbst kostenpflichtige Weiterbildungsmaster an und wollen nun die Konkurrenz ausschalten, um ihren Profit zu erhöhen. „Erwachsenenbildung ist aber Vielfalt, und Qualität entsteht durch Konkurrenz“, sagt Stieger.

 

Neue Regelung im Herbst?

Unabhängig davon stehen die Betreiber unter Zeitdruck: Die Lehrgänge laufen 2012 aus – falls sich im neuen Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz nicht eine Lösung findet. „Wenn das Gesetz nicht im Herbst beschlossen wird, bekommen wir Probleme bei der Akquise neuer Studenten“, so Stieger.

Der Verband der Erwachsenenbildungsträger erhofft sich vom Gesetz ein Ende der Diffamierungen: Die Lehrgänge sollen in die Gesamtregelung mit Unis und FH eingebaut werden und sich so dem „direkten, transparenten Qualitätsvergleich“ mit Hochschulen stellen können, fordert Rückert.

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) hat bereits angedeutet, die Lehrgänge nach 2012 weiterführen zu wollen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.05.2010)

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