Studiengeld und Bürokratiebeitrag für die Unis

Bis zum Jahr 1972 mussten die Studierenden einen – nicht zu hohen – Eigenbeitrag entrichten. Die Abschaffung des Studiengeldes war eine der Maßnahmen am Beginn der Kreisky-Ära.

Studiengeld Buerokratiebeitrag fuer Unis
Studiengeld Buerokratiebeitrag fuer Unis
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WIEN. Nein, von Studiengebühren war damals nicht die Rede. Dass man jedes Semester den Gang zur Quästur, der Finanzstelle der Universität, antreten musste, war selbstverständlich. Ebenso der damit verbundene Verwaltungsaufwand in einer Zeit, in der es noch keine Datenerfassung per Computer gab. Die Rede ist vom Kollegiengeld, das bis 1972 zu entrichten war – und das Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) nun wieder neu – und in weitaus höherem Ausmaß – einführen will.

Nun zur Prozedur: Die Uni-Leute in der Quästur überprüften die laut Studienbuch eingetragene Zahl der inskribierten Lehrveranstaltungen, und wenig später flatterte der Erlagschein ins Haus. Die Höhe des Semesterbeitrags fiel unterschiedlich aus, richtete sie sich doch auch nach dem beabsichtigten Besuch der Vorlesungen, Seminare und Übungen. Ein Teil des Gesamtbeitrags, nämlich das Kollegiengeld im engeren Sinn, erhielten die Professoren und Universitätslehrer.

Die Inskription im Wintersemester 1965/66 mag als Beispiel dienen: Der Student hatte 308 Schilling zu bezahlen, davon entfielen 40 Schilling auf den Hochschülerschaftsbeitrag (der auch heute zu bezahlen ist), 100 Schilling Aufwandsbetrag, zwölf Schilling Matrikelgebühr und 156 Schilling Kollegiengeld. Die Universität hob also für den eigenen Bürokratieaufwand 112 Schilling ein, auf die Uni-Lehrer entfielen nur 156 Schilling – genau genommen: vier Schilling pro beanspruchter Wochenstunde (der Student hatte 39 Wochenstunden inskribiert). Der Griechischvortragende mit sechs Wochenstunden bekam vom Studenten 24 Schilling pro Semester, der Professor, der ein Seminar mit zwei Wochenstunden hielt, acht Schilling.

Tatsächlich konnten damals die Studierenden nur jenen Teil selbst steuern, der den Professoren überwiesen wurde. Fleißige Studenten in den ersten Semestern zahlten mehr als jene, die sich bereits im Dissertationsstadium befanden und gerade noch die Dissertantenstunde und ein, zwei Spezialvorlesungen belegten.

Das Kollegiengeld ist bis zur Abschaffung im Studienjahr 1972/73 gleich geblieben, die Uni-Lehrer erhielten nach wie vor vier Schilling pro Student und Wochenstunde. Der Hochschülerschaftsbeitrag ist in dieser Zeit hingegen von 40 auf 55 Schilling gestiegen.

Nach dem Verbraucherpreisindex der Statistik Austria ergibt sich von 1965 bis 2010 eine Veränderungsrate von 364,4 Prozent. Die 268 Schilling Uni-Geld (308 Gesamtbetrag minus 40 ÖH-Betrag) würden jetzt 976,59 Schilling oder 71 Euro entsprechen – im Vergleich zu der 2009 abgeschafften Studiengebühr in Höhe von 363,63 Euro pro Semester ist dies freilich ein bescheidener Betrag.

 

Immenser Verwaltungsaufwand

Auffallend beim Blick zurück ist der hohe Bürokratieaufwand. Bis 1966 bestand an den Universitäten die Testurpflicht: Die Studierenden mussten am Beginn und am Ende jedes Semesters jede einzelne Lehrveranstaltung vom jeweiligen Vortragenden abzeichnen lassen. Zum Semesterende überprüfte die Quästur die Studienbücher und genehmigte nur die mit der Testur versehene Lehrveranstaltung als „besucht“. Dazu gab es eine Stempelmarke mit 3,80 Schilling.

Die Abschaffung des Studiengeldes war eine der Maßnahmen am Beginn der Kreisky-Ära. Dazu zählte die Heiratsbeihilfe 1971 (mit 7500 Schilling pro Ehepartner), die Schüler- und Studentenfreifahrt ebenfalls 1971 und die Einführung des Gratisschulbuches 1973.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2010)

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