Unis: Der Ansturm deutscher Studenten ist ausgeblieben

Die Furcht der heimischen Universitäten war offenbar unbegründet. Die Wiener Wirtschaftsuniversität verzeichnet insgesamt sogar weniger Studenten als im Vorjahr.

(c) APA/HERBERT PFARRHOFER (HERBERT PFARRHOFER)

Wien/Beba/Apa. Die Furcht der heimischen Universitäten war offenbar unbegründet. Von 10.000 neuen Studenten aus Deutschland war die Rede – die tatsächlichen Zahlen fallen nun um einiges niedriger aus: Bisher haben sich nur 6121 Deutsche für ein Studium in Österreich eingeschrieben. Zwar können Spätentschlossene noch bis zum Ende der Nachfrist am 30. November inskribieren, die prognostizierte Zahl wird aber sicher nicht mehr erreicht werden. Der Anteil der Deutschen unter den Studienanfängern ist von 11,3 Prozent im Vorjahr auf 12,4 Prozent gestiegen. Unter allen Studierenden liegt er statt bei 8,5 Prozent bei 9,2 Prozent; 25.773 Deutsche studieren an österreichischen Unis.

Für einige Universitäten – bzw. Fächer – bleibt der Andrang aus dem Ausland ein Problem: An der Uni Salzburg sind die Deutschen wie erwartet stark vertreten, hier stellen sie in den Ingenieurwissenschaften und in Psychologie fast 60 Prozent aller Studenten.

 

Ansturm auf Psychologie

An der Uni Innsbruck sind 45 Prozent der Psychologiestudenten Deutsche – die Psychologie ist neben Medizin oder Biologie eines der Fächer, die in ganz Deutschland zugangsbeschränkt sind. Hier dürfte sich die Lage auch in Zukunft nicht entspannen: Denn während Deutschland im Rahmen des Hochschulpakts zwar insgesamt massiv Studienplätze ausbaut, werden diese Bereiche nicht entsprechend wachsen. „Insbesondere dort wird der Druck hoch bleiben“, sagt Christian Berthold vom deutschen Centrum für Hochschulentwicklung (CHE).

Dass insgesamt weniger Deutsche als erwartet an österreichische Unis ausgewichen sind, ist für Berthold „überraschend“. Seiner Meinung nach könnten mehrere Faktoren dafür eine Rolle gespielt haben: Einerseits habe Bayern, wo neben Niedersachsen im Sommer doppelte Abiturjahrgänge abgeschlossen haben, überproportional viele Studienplätze geschaffen. „Möglicherweise ist der Ausbau früher zum Tragen gekommen als erwartet“, sagte Berthold.

Studierende könnten verstärkt an ostdeutsche Unis ausgewichen sein, die angesichts niedriger Geburtenraten vermehrt um Studierende aus dem Westen werben. Endgültige Zahlen fehlen noch – an der Uni Greifswald an der Ostsee kamen in diesem Jahr etwa bereits 60 Prozent der Studienbewerber aus den westlichen Bundesländern.

 

Fast 50.000 Studienanfänger

An den österreichischen Unis hält sich der Ansturm generell in Grenzen – jedenfalls im Vergleich zu den Erwartungen. Mit 49.246 Neuzugelassenen gibt es ein Plus von 1,1Prozent bei den Anfängern, insgesamt sind in Österreich derzeit 279.450 Studierende eingeschrieben. Das sind 1,6Prozent weniger als im Vorjahr; bis zum Ende der Nachfrist rechnet das Wissenschaftsministerium mit einem Plus „in gewohnter Größenordnung“ von drei bis vier Prozent.

Einige Unis rechnen allerdings sogar mit einem Rückgang der Studentenzahlen – darunter die Wiener Wirtschaftsuni, die in den vergangenen Jahren aus allen Nähten platzte: Dort haben sich bisher 12,9Prozent weniger Studierende eingeschrieben als im Vorjahr.

Weniger Studenten als zuletzt gibt es auch an den Unis Klagenfurt (minus 5,6Prozent) und Salzburg (minus 4,8Prozent). An der Uni Wien sind um 1,1Prozent weniger Studierende zugelassen als im Vorjahr. Eine gute Nachricht für jene, die über den Technikermangel klagen: Die TU Wien gehört zu jenen, bei denen die Studentenzahl bereits jetzt über dem Stand des Vorjahres liegt (plus 3,4Prozent).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.11.2011)

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