Führungsqualität gegen Burn-out

Yogakurse sind gut, klare Arbeitsstrukturen besser. Wie sich Österreichs Manager mit betrieblicher Gesundheit auseinandersetzen, berichtet der Hernstein-Report.

Fuehrungsqualitaet gegen Burnout
Fuehrungsqualitaet gegen Burnout
Fuehrungsqualitaet gegen Burnout – (c) Bilderbox

Der Rückenschmerz Meier, die Migräne Huber, der Reizdarm Müller, die Depression Wagner, das Burn-out Gruber – ein außergewöhnlich krankes Team? Nicht unbedingt. Die Krankenstände sind häufiger geworden, trotz deren kürzerer Dauer brauchen immer mehr Österreicher aus Gesundheitsgründen eine Auszeit. Extrem gestiegen sind die Krankenstände durch psychische Belastungen: seit 1995 um 89 Prozent. Für die Betroffenen eine leidvolle Angelegenheit, für die Unternehmen eine Frage des wirtschaftlichen Erfolgs – Ausfälle kosten Geld und Ressourcen.

Allein mangelnde Bewegung, schlampige Ernährung und fehlendes Talent zur eigenen Work-Life-Balance für die Probleme jedes einzelnen Mitarbeiters verantwortlich zu machen, greift als Erklärungsmodell zu kurz. „In einem Unternehmen trägt nicht nur jeder selbst Verantwortung für seine Gesundheit – sie wird auch vom Vorgesetzten und dessen Führungsstil beeinflusst, von der Art des Managements, das dem Betrieb zuteil wird“, erläutert Hernstein-Geschäftsführerin Katharina Lichtmannegger. Doch wissen das die Betroffenen auch? Schließlich bringt man betriebliche Gesundheitsförderung eher mit – ebenfalls wichtigen – Arbeitspausen, ergonomischen Sesseln, Ausgleichsangeboten wie Yoga und Sport oder Rückzugsräumen in Verbindung.

 

Macht strategisch nutzen

Dennoch ist auch der Zusammenhang von Führungsqualität und Mitarbeitergesundheit den meisten der je 100 Manager in Österreich, Deutschland und der Schweiz bewusst, die dazu im aktuellen Hernstein-Management-Report „Gesundheit und Führung“ befragt wurden. Nur zehn Prozent der heimischen, vier Prozent der Schweizer und ein Prozent der deutschen Chefs meinten, dass sie dem Thema keine Bedeutung beimessen würden. Kausal dazu gaben auch 91 Prozent der Deutschen (A: 81, CH: 78 Prozent) an, das Thema Gesundheit als strategisch relevantes Thema in ihrem Unternehmen zu behandeln. 92 Prozent der Deutschen bieten laut eigener Aussage sogar konkrete Konzepte und Maßnahmen zur betrieblichen Gesundheitsförderung an. In Österreich sind das 69, in der Schweiz 68 Prozent. „Die meisten Angebote sind für alle Hierarchie-Ebenen zugänglich, einige nur für Nicht-Führungskräfte. Möglichkeiten, die extra für Manager geschaffen wurden, gibt es in Österreich dagegen nicht“, so Lichtmannegger. „Da wäre sicher noch manches zu überlegen, damit jene, die erhöhte Verantwortung tragen, auch spezielle Vorsorge treffen können.“

 

Chefsache Konfliktlösung

Denn die Art der Führung wirkt sich schließlich auf alle aus. Fehlende oder schwer fassbare Strukturen, unklare Anweisungen und Aufgabengebiete, ungeklärte oder versteckte Konflikte sind eindeutige Vermehrer von Krankenständen. „Mitarbeiter, die ihre Energie in schwelende Konflikte oder zur permanenten Klärung ihres Auftrags stecken müssen, haben für ihre eigentliche Arbeit natürlich weniger Ressourcen“, erklärt Lichtmannegger die Zusammenhänge. „Trotzdem sollen sie die Leistung bringen, als hätten sie ideale Voraussetzungen.“ Dieser Druck schädigt auf Dauer das vegetative Nervensystem, ebenso wie die Unsicherheit oder gar Angst, die durch mangelnde Information und Kommunikation, etwa bei Veränderungsprozessen, entstehen. Auch Kompetenzüberschreitungen, Ungerechtigkeiten oder die Nichtbeachtung von Rangfolgen sind für Mitarbeiter purer Stress. Lichtmannegger: „Hier ist das Management gefragt, das können Mitarbeiter nicht lösen. Kompetenzen zu regeln, Ungereimtheiten aufzulösen und Ungerechtigkeiten abzuschaffen, das ist Chefsache.“

 

Exkurs: Vom Stress zur Krankheit

Wird der „Leistungsnerv“ (Sympathikus) ständig gereizt, gerät der Körper in erhöhte Alarmbereitschaft. Cortisol und Schildrüsenhormone werden vermehrt ausgeschüttet, alle Energie wird zur Bewältigung des Dauerstresses mobilisiert. Dadurch wird das Immunsystem geschwächt, die Anfälligkeit für Krankheitserreger steigt. Auch die Psyche und damit die Kreativität, der Teamgeist und die Einsatzfreude leiden.

„Das Ziel ist also, Unternehmens-Strategien zu entwickeln, die Stressoren von vornherein minimieren“, bringt es Lichtmannegger auf den Punkt. Mit 99 Prozent sprechen sich die befragten Manager dafür aus, Mitarbeiter ihren Fähigkeiten und Erkenntnissen entsprechend einzusetzen. Fast ebenso viele halten es für unverzichtbar, Konflikte zu thematisieren und nach einer konstruktiven Lösung zu suchen. Rechtzeitig Pausen einzulegen, Überstunden abzubauen sowie Urlaube zu konsumieren, wird ebenfalls in allen Ländern großgeschrieben. Bei der Feedback- und Fehlerkultur und bei den Entscheidungsspielräumen der Mitarbeiter machen sich wieder Unterschiede zwischen den Ländern bemerkbar. Österreichs Manager stimmen der Methode der konstruktiven Kritik und offenen Kommunikation nur zu 80 Prozent zu (D: 92, CH: 90 Prozent). Den Mitarbeitern eigenen Entscheidungsspielraum zu geben, ist mit derzeit 79 Prozent (D: 91, CH: 78 Prozent) Zustimmung ebenso ausbaufähig.

Gesunder Stil

Der Hernstein-Management-Report beleuchtet das „Spannungsfeld Führung“ aus unterschiedlichen Blickwinkeln, je 300 Manager aus Österreich, Deutschland und der Schweiz werden befragt. Aktuell geht es um die Frage, wie Führungsstil und Mitarbeitergesundheit zusammenhängen. Nächster Report: 3. November.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.hernstein.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2012)

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