„So blöd kann ein Mann gar nicht sein“

Weiterbildung für Frauen. Immer mehr spezielle Seminare, Kurse und Lehrgänge für Frauen kommen auf den Markt. Für wen sind sie gedacht? Wie sinnvoll sind sie? Und warum besteht überhaupt Nachfrage? von daniela mathis

Karriere-Doping“, „Power-Rhetorik“, Führungstools, Mentoring – und alles nur für Frauen. Jährlich ploppen einschlägige Angebote auf dem Bildungsmarkt auf, und damit so mancher böse Gedanke: Sind Frauen so bedürftig, dass sie Nachhilfe brauchen? Oder will man ernsthaft behaupten, in gemischten Lehrgängen würden Männer den Frauen alles „weglernen“?

„Wenn dieser Eindruck entsteht, sollte man den Auftritt überdenken“, so Doris Czepa von der Stabsstelle für Gleichstellung und Gender Studies an der Donau-Uni Krems. „Und man darf nicht den Fehler machen, diese Angebote pauschal zu beurteilen.“ Vieles sei durchaus sinnvoll, anderes dagegen reine Geschäftemacherei – wie in anderen Bereichen auch.


Karriere, Kind und große Unsicherheit

Was aber ist nun der Sinn? „Es gibt Themen, die Frauen viel stärker beschäftigen als Männer, etwa Kinderwunsch und Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, so Gabriele Strodl-Sollak, die gemeinsam mit Gerhild Deutinger seit Jahren Workshops für Frauen anbietet – aktuell Selbstvermarktung und Positionierung (siehe Kasten). „Viele junge Frauen in guter Position sind verunsichert. Manche bremsen sich beruflich regelrecht ein und verzichten auf mehr Verantwortung, weil sie ja ein Kind bekommen könnten – ohne das Thema aber konkret anzugehen, und blockieren ihre Weiterentwicklung“, erzählt Strodl-Sollak. Oder: „Die Mutter einer Zweijährigen bekommt laufend Absagen auf Bewerbungen und fragt sich, ob sie diese falsch formuliert hat, ihre Qualifikation nicht reicht oder sie mit Kind tatsächlich keine Chance hat. In Gruppen mit Frauen, in denen vielleicht eine HR-Managerin sitzt, lässt sich so eine Situation aus diversen Blickwinkeln betrachten.“ In den Workshops werden Stärken und Schwächen analysiert und mit verschiedenen Methoden Ideen ausgearbeitet, um mit der eigenen Situation konstruktiv umzugehen. „Eine junge Frau mit Kinderwunsch hat für sich den Weg gefunden, im Falle einer Schwangerschaft zum Role Model für die Firma zu werden – also nicht durch Karenz die Erwartungen der Vorgesetzten zu enttäuschen, sondern im Gegenteil diese Vereinbarkeitsgeschichte als Teil der Firmenkultur zu sehen und so auch ihrem Chef zu kommunizieren.“ Einzelcoachings und Netzwerkabende runden das Workshop-Angebot ab, „weil jedes Thema unterschiedliche Methoden verlangt“.


Die verborgenen Seiten der Macht

„Wir wachsen so selbstverständlich mit diesem System auf, dass Ungerechtigkeiten oft nicht auffallen oder einfach hingenommen werden – etwa, in Diskussionen nicht zu Wort zu kommen“, so Czepa. „Aber wenn man die Augen öffnet, sieht man, dass Frauen in diesem Bereich oft einfach nicht top sind. Mädchen lernen ja von klein auf, zuzuhören, zuzustimmen. Und wissen daher oft nicht, wie man auf Augenhöhe und professionell argumentiert oder diskutiert.“ Was Männer im Lauf des Lebens – nicht nur rhetorisch – selbstverständlich lernen und üben, wird bei Mädchen oft als unweiblich abgetan und fehlt den Frauen später. Mit individueller Dummheit hat das wenig zu tun – umso mehr mit gesellschaftlichen Mustern und Glaubenssätzen. Die zu kennen und zu durchbrechen haben sich daher viele Frauenprogramme auf die Fahnen geheftet.

„Wer Karriere machen möchte, muss die Regeln der Macht kennen, die Codes, nach denen man bewertet wird“, meint etwa Peter Erik Czak, der gemeinsam mit seiner Frau Weiterbildungsseminare anbietet. „Wir arbeiten nach den Inhalten des Buches ,Die geheimen Spielregeln der Macht‘ von Christine Bauer-Jelinek.“ Und nach denen ist klar: Frauen kommen beruflich deshalb oft nicht weiter, weil sie vom Dresscode über ihre Körperhaltung bis zur Sprache ungeschickt agieren und Rollenklischees leben: etwa andere Frauen nicht als Gleichgesinnte wahrnehmen, sondern als Konkurrentinnen, sie daher bei Entscheidungen nicht wählen – „so blöd kann ein Mann gar nicht sein, dass ihn Frauen nicht wählen würden“ (Czak) – und dabei nicht nur sich selbst, sondern auch die Kolleginnen ins Abseits stellen. „Um Ziele durchzusetzen, muss man die Machtinstrumente kennen und einsetzen“, ist er überzeugt. Klare Ansagen, aufrechte Haltung, gerader Kurs – das wird bei den Seminaren mit unterschiedlichen Methoden gelernt. Als Role Model gilt für ihn übrigens Maria Fekter. „Sie gilt vielen als unweiblich, aber erfolgreich.“


Vernetzung mit Spaßfaktor

Doch viele Frauen möchten nicht nur als „bessere Männer“ tradierte Rollen individuell brechen, sondern neue Möglichkeiten schaffen: Andere Frauen ins Boot zu holen, sie zu wählen, zu fördern und Netzwerke aufzubauen – diesem Weg hat sich unter anderem das Mentoring-Programm von BIC verschrieben. Erfahrene Führungskräfte aus diversen Branchen geben dabei Erfahrungen und Kontakte an junge Frauen weiter. Auch Coachings und Lehrgänge werden angeboten, um Frauen Tools und Verbindungen aufzuzeigen.

Auf einen Blick (Auswahl)

Wie erkennt man seriöse Programme? Anbieter sollten sich dem Thema wirklich widmen und es nicht nur im Vorbeigehen anbieten. Zudem: Kostenlose Beratung sollte selbstverständlich sein. Und: Der Preis allein sagt wenig über die Qualität aus.
Karriere-Doping für Frauen, impulsbüro/Sollak, 11. Oktober, 350 Euro, www.sollak.at
Business Cross Mentoring für Frauen, BIC-Bildungscenter Steiermark/Wien, 9. Oktober bis 9. April, 2.490 Euro, www.bic.at
Woman-Management-Lehrgang, Business Circle, 25.–27. September, 9.–10. Oktober, 2.999 Euro, www.business.circle.at
Power-Rhetorik für Frauen, Czak Managementseminare, 27. September, 980 Euro, www.czak.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.09.2013)

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