Social Media werden erwachsen

Die Generation 60 plus ist auf dem Vormarsch im Netz. Unternehmen beginnen deshalb, diese Zielgruppe auch auf sozialen Plattformen zu informieren. Doch das will gelernt sein.

Seniorin mit Laptop
Seniorin mit Laptop
Seniorin mit Laptop – (c) Erwin Wodicka - BilderBox.com (Erwin Wodicka - BilderBox.com)

Laut einer Studie von GfK ist jeder zweite Österreicher in sozialen Netzwerken unterwegs. Im Vergleich zu 2012 stieg die Nutzung von 53 auf 55 Prozent, was – etwas überraschend – hauptsächlich den über 60-Jährigen zu verdanken ist. Sie entdecken zunehmend das Kommunizieren im Netz: „Das Internet ist aus der Gesellschaft nicht mehr wegzudenken, klassische Generationenunterschiede verschwimmen. Die Großelterngeneration entdeckt vermehrt die Vorzüge der sozialen Netzwerke und nutzt diese auch“, sagt Paul Unterhuber, Sozialforscher bei GfK Austria. Ein gutes Viertel der „Silver Society“ ist mittlerweile in den Internet-Netzwerken im Web 2.0 unterwegs, wobei der Anstieg gegenüber 2012 vier Prozentpunkte beträgt.

„Social Media hat eine neue Form des Marketings und eine neue Kultur des Wissensaustauschs geschaffen. Im Zentrum stehen Werte“, sagt Günther Jaritz, zuständig für strategische und systemische Online-Kommunikation bei der Agentur C'quence.

 

Der Zielgruppe folgen

Deshalb werde eine gute Social-Media-Strategie neben Facebook, Twitter, Xing und Google+ auch die Foto- und Video-Sharing-App Instagram, das standortbezogene Netzwerk Foursquare und die Bilderkollektion Pinterest einschließen müssen. „Vor allem aus der Serviceperspektive kann ein Unternehmen über diese Kanäle sehr rasch und zielgerichtet auf die Wünsche, Beschwerden und Anregungen der Kunden reagieren.

„Wer in den sozialen Medien nicht vertreten ist, verzichtet auf zahlreiche Kontaktmöglichkeiten“, sagt Birgit Farnleitner, Leiterin Marketing & PR am BFI Wien, das den zweimonatigen Diplomlehrgang „Social Media Manager“ anbietet.

„Social Media machen aus passiven Rezipienten aktive Mitgestalter einer digitalen Öffentlichkeit“, ergänzt Dieter Rappold, Lehrgangsleiter des Diplomlehrgangs Social Media Management an der Werbeakademie des Wifi Wien. In 120 Lehreinheiten erhält man hier eine Grundausbildung für die strategischen und operativen Anforderungen an Social-Media-Manager. „Die wichtigste Herausforderung ist neben der Kernkompetenz des ,Sendens‘ die neue Kompetenz des ,Empfangens‘. Dazu braucht es Empathie, um sich rasch in kommunikative Kontexte einfühlen und adäquat reagieren zu können“, erklärt Rappold. Auch an der FH Technikum Wien werden Experten für soziale Netzwerke ausgebildet. In zwei Semestern lernen die Teilnehmer nicht nur Grundlagen des Mediums, sondern auch Kampagnenplanung, Kreativtechniken, Recht und Erfolgsmessung.

 

Bindung zum Unternehmen

Dass Best Agers hierbei nicht vernachlässigt werden sollten, zeigt eine Studie des deutschen ITK-Branchenverbands Bitcom: Im Oktober 2013 hat sich im Vergleich zu 2011 der Anteil der auf Social-Media-Portalen angemeldeten Internetnutzer vor allem durch ältere Personen um vier auf 78 Prozent erhöht. Gerade diese Zielgruppe fühlt sich einem Unternehmen verbunden. „Engagiert sich ein Unternehmen authentisch in den sozialen Netzwerken, stärkt dies die Kundenloyalität und die Empfehlungsbereitschaft. Stammkundengewinnung und -bindung ist ebenso ein starker Effekt“, sagt Ulrike Plaikner, Social Media und Online Marketing Manager beim Institut 2f. Hier kann man sich zum Social Media and Online Marketing Manager ausbilden lassen. „Was früher eine Visitenkarte, später eine Website und eine Werbebroschüre gewesen ist, ist heute ein rundum durchdachtes Social Media und Online Marketing Management. Dafür benötigen Unternehmen auch gute Mitarbeiter, die stets über die neuen Instrumente der digitalen Welt informiert und auch in der Lage sind, diese mit den Unternehmenszielen zu verknüpfen und erfolgreich einzusetzen“, so Plaikner.

 

Vor- und Querdenker gefragt

Das Jobportal karriere.at listet aktuell 80 freie Stellen im Bereich Social Media auf – vom Community bis zum Digital Manager. Geeignet für diese Aufgabe ist nicht jeder: „Ein Social Media Manager sollte neben dem Fachwissen kreativ und kein Nachdenker, sondern ein Vor- und Querdenker sein. Er sollte über den Tellerrand schauen können, unkonventionelle Methoden und Strategien anwenden sowie Mut zu Neuem haben“, sagt Thomas Radauer, Geschäftsführer der Salzburger Fachakademie für Marketing. Certified Social Media Marketing Manager wird man hier in einem Semester mit 72 Präsenz- und Fernunterrichtseinheiten. Matura oder ein Jahr Berufserfahrung– möglichst einschlägig – sind Voraussetzung für die Teilnahme.

Web:www.donau-uni.ac.at,


 

www.bildak.com, http://institut2f.at,

www.technikum-wien.at,

www.agentur-cquence.com,

www.bfi-wien.at, www.ews-wien.at,

www.tirol.wifi.at, www.modul.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.03.2014)

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