Medizininformatik: Das Gehirn des Krankenhauses

Spezialisierung für IT-Fachleute, Weiterbildung für Ärzte.

(c) AP (Jens Meyer)

Ohne IT geht auch im Gesundheitswesen fast nichts mehr: Von der Simulation über die Prozesssteuerung moderner Therapieverfahren bis hin zur Entwicklung der elektronischen Krankenakte reichen die Aufgabengebiete der Medizininformatiker. Ein hoch spezialisierter Beruf im interdisziplinären Umfeld: „Schon während des Studiums kommen die Studenten in Kontakt mit dem medizinischen Personal“, sagt Karin Pröll, Studiengangsleiterin für Bioinformatik an der Fachhochschule Oberösterreich. „Es gilt, Fächer und Sprachen auch außerhalb der eigenen Disziplin gut zu verstehen.“

 

Bio- oder Medizininformatik

Am Campus Hagenberg der FH OÖ können die Studierenden im Rahmen des Bachelor- und Masterstudiums eine Vertiefung in Medizin- oder Bioinformatik anstreben. Die Bioinformatik arbeitet eng mit der Molekularbiologie zusammen, um für die medizinische Therapie nutzbare Informationen zu gewinnen, erklärt Pröll: „Dabei werden enorme Datenmengen generiert. Bioinformatiker sind vorwiegend in der Forschung tätig. Medizininformatiker hingegen arbeiten im gesamten Bereich des Gesundheitswesens, wo es um die Organisation und Administration von medizinischen Informationssystemen und deren Management geht.“

Das Handwerkszeug für medizinische Informatiker kann man inzwischen an zahlreichen Fachhochschulen sowie an privaten, technischen und medizinischen Universitäten erwerben – beispielsweise an der medizinischen Universität Wien im Rahmen des Masterstudiums „Medizinische Informatik“. Deren Absolventen sind in der Lage, in der biomedizinischen Forschung, der Medizin und dem Gesundheitswesen informatische Projekte durchzuführen. Studenten können sich in den Bereichen Neuro-, Bio- oder Klinische Informatik sowie Public Health Informatics spezialisieren.

Oftmals entdecken bereits ausgebildete Ärzte ihre Liebe zu Bits and Bytes und absolvieren etwa an der Privatuniversität UMIT ein viersemestriges Magisterstudium für „Gesundheitsinformatik“. Ebenso vermittelt das Master-Programm „IT in Healthcare and Life Science“, also Informationstechnologien im Gesundheitswesen, Kenntnisse über die Anwendung von IT im Gesundheitssystem und wie diese am besten im laufenden Betrieb implementiert werden. Als Zielgruppe dieses berufsbegleitenden Lehrgangs gelten Fach- und Führungskräfte des Gesundheitswesens.

 

Gute Aussichten

„Die Arbeit im Gesundheitssektor wird immer komplexer und kostspieliger, der elektronischen Verarbeitung von Daten kommt daher eine größere Bedeutung zu“, ist Günter Schreier, Leiter des Arbeitskreises „Medizinische Informatik und eHealth“ in der Österreichischen Computergesellschaft, überzeugt. Die Berufschancen für Informatiker mit medizinischem Hintergrundwissen stünden daher gut. „Zum Anforderungsprofil zählt, neben profundem IT-Wissen, die Fähigkeit, vernetzt zu agieren und dabei die Bedürfnisse von Ärzten mit den Möglichkeiten moderner Technologie in Einklang zu bringen“, sagt Schreier.

Im Forschungsinstitut Austrian Research Centers-ARC, dem zukünftigen Austrian Institute of Technology (AIT), werden in der Gruppe eHealth meist Praktikanten und Diplomanden in das Team aufgenommen und im Unternehmen weiter ausgebildet, berichtet Schreier aus seinem beruflichen Umfeld. Eine gute Gelegenheit für Studenten, mit Vertretern aus der Industrie und Forschung in Kontakt zu treten, ist die Veranstaltung „eHealth 2009“, die Anfang Mai in Wien stattfinden wird.

Studienplätze im Bereich Bio- und Medizininformatik sind in der Regel wenig überlaufen. „Das Interesse an diesem Studium wächst allerdings. Besonders Frauen sind in diesem technischen Studiengang stark vertreten – wir hatten schon Jahrgänge mit 50 Prozent Frauenanteil“, freut sich Pröll. Bewerber sollten aber unbedingt eine große Begeisterung für Informatik und Life Sciences mitbringen, rät sie. Wer eigentlich lieber Medizin studiert hätte und in Ermangelung eines Studienplatzes nun Medizininformatik inskribiert, bringe wohl zu wenig Lust an der Arbeit mit Datenmaterial mit.

BILDUNGSANGEBOTE

Fachhochschulen

FH Technikum Wien: Bachelor und Master Biomedical Engineering

FH Joanneum, Graz: Bachelor Health Care Engineering, Master eHealth

FH Oberösterreich, Campus Hagenberg: Bachelor und Master Medizin- und Bioinformatik

FH Klagenfurt: Bachelor Medizinische Informatik, Magister Health Care IT

Privatuniversitäten

UMIT, private Universität für Gesundheitswissenschaften: Bachelor und Master Biomedizinische Informatik

Öffentliche Universitäten:

TU Wien und TU Graz: Informatikstudium mit Schwerpunkt Medizinische Informatik

Donau-Uni Krems: postgradualer Master-Lehrgang MSc in Healthcare und Life Science

Medizinische Universität Wien: Masterstudium Medizinische Informatik

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.02.2009)

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