Wissen statt Tabu: Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Leadership. Das neue Institut für Psyche und Wirtschaft an der SFU forscht zum Thema – und bietet Seminare/Coaching für Führungskräfte.

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Wie reagiert man als Führungskraft auf psychische Erkrankungen von Mitarbeitern? Wie sieht die rechtliche/unternehmerische Verantwortung aus, wenn es um Sucht, Depression oder Burn-out geht? Muss man Frühzeichen erkennen, melden oder den Betreffenden schützen? Und (wie) kann man präventiv tätig sein?

 

Zu schnell, zu freundlich, zu knapp?

Die letzte Frage lässt sich leicht beantworten– und schwer umsetzen: Ja, man kann und sollte präventiv tätig sein. Als Gefahren für psychische Belastungen gelten laut Arbeitsschutzgesetznovelle 2012 unter anderem zunehmender Zeit- und Termindruck, Freundlichkeitsdruck, Multitasking, Informationsmangel, knappe Personalbemessung, häufige Umstrukturierungen oder fehlende Handlungsspielräume.

Hier genau hinzusehen und die Lage – „die Gesamtheit aller erfassbaren Einflüsse, die von außen auf den Menschen zukommen und auf ihn psychisch einwirken“ (so der Gesetzestext) – zu evaluieren und zu verbessern steht nun also ebenso auf der Agenda der Unternehmen wie die Sorge um ergonomische Arbeitsplätze und passende Beleuchtung. Was genau das für einzelne Führungskräfte bedeutet, ist aber gar nicht immer klar. Vor allem, wenn man direkt mit der psychischen Erkrankung eines Mitarbeiters konfrontiert wird.

 

Psychosoziale Kompetenz

„Die meisten Vorgesetzten tun sich schwer damit, weil sie auf so eine Situation überhaupt nicht vorbereitet sind“, weiß Monika Spiegel, die Leiterin des neuen Instituts für Psyche und Wirtschaft an der Sigmund-Freud-Privatuniversität. „Über das Thema Burn-out wird noch am ehesten gesprochen, aber mit Sucht oder Depression konfrontiert zu werden ist im Arbeitsalltag nicht gerade vorgesehen.“ Das Institut bietet diverse Möglichkeiten – Coaching, Seminare –, um sich damit und mit dem richtigen Umgang zu befassen. „Wichtig ist zuerst immer die Selbstreflexion, also der eigene Umgang mit dem Thema“, so Spiegel. Wenn einem das eigene Muster klar ist, kann man in der Rolle als Führungskraft darauf zurückgreifen und entsprechend handeln. Im Idealfall entwickelt sich psychosoziale Kompetenz, die im Alltag gut einsetzbar ist. Nähere Informationen gibt es auf www.sfu.ac.at. (dm)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2015)

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