Social Skills: Feinschliff für die Umgangsformen

Knigge-Trainer zeigen, wie man sich in der Geschäftswelt richtig verhält. Auch Tischmanieren werden dabei einem Praxistest unterzogen.

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Viele Benimmregeln scheinen banal. Etwa das Grüßen der Bürokollegen, wenn man den Meeting-Raum betritt. Oder ein simples „Bitte“ und „Danke“. Und dennoch: Schon diese einfachen Umgangsformen können darüber entscheiden, ob man die nächste Stufe auf der Karriereleiter erreicht. Zertifizierte Knigge-Trainer zeigen in ihren Kursen, wie auch schwierigere Situationen mit dem richtigen Umgangston gemeistert werden können.

Dagmar Daxecker, Vorsitzende der Österreichischen Knigge Gesellschaft, vermittelt in sechsstündigen Seminaren das notwendige Basiswissen für die Etikette in der Geschäftswelt. Dieses reicht von Begrüßungs- und Vorstellungsritualen, den Dresscodes bis hin zu Tischmanieren. „Besonders beim Essen lauern viele Fettnäpfchen. Die passenden Umgangsformen sollten hier in Fleisch und Blut übergehen“, erklärt Daxecker. Rückschlüsse vom Verhalten bei Tisch auf die beruflichen Fähigkeiten seien vor allem bei Geschäftsessen gang und gäbe. „Wer kein Benehmen hat, wird automatisch als inkompetent eingeschätzt.“ So sollte man sich nicht nur dem Geschäftspartner gegenüber höflich verhalten, auch das Personal des Lokals muss wertschätzend behandelt werden. Seminare für Privatleute sind bei Daxecker eher selten, sie wird zu 95 Prozent von Unternehmen oder auch Schulen gebucht.

Eine Mischung aus offenen Basisseminaren und Spezialkursen für Firmen bietet Angelika Zuber aus Klagenfurt an. Inkludiert im Tagesseminar ist ein Drei-Gänge-Mittagsmenü, bei dem die erlernten Tischsitten dem Praxistest unterzogen werden. Auch Rollenspiele dienen dazu, die vorgestellten Benimmregeln zu verinnerlichen. „Dabei üben wir, wer wem die Tür aufhält oder wie Titel bei Begrüßungen richtig verwendet werden“, so die Knigge-Trainerin. Beim Dresscode hat Zuber „sechs Problemzonen des Mannes“ definiert: von der Krawatte über die Länge der Sakkoärmel und Hose bis zu den Strümpfen. Auch der Umgang mit peinlichen Situationen wird im Seminar thematisiert. „Wer teilt einem Kollegen mit, dass der Reißverschluss seiner Hose offen ist?“, lautet hier eine der meistgestellten Fragen. „Wichtig ist, dass die Person, die es anspricht, auf Augenhöhe mit dem Betroffenen ist. Für den Chef kann es sehr unangenehm sein, wird er von einem Angestellten darauf hingewiesen“, so Zuber.

 

Versäumnisse der 68er-Generation

Den großen Bedarf an Wissensvermittlung bei den guten Umgangsformen führt Cordula Frieser von Knigge2day auf Versäumnisse der 68er-Generation zurück. „Damals sind die guten Manieren völlig unter die Räder gekommen. Die Eltern haben ihren Kindern nicht mehr vermittelt, was Etikette bedeutet“, so Frieser. Dabei konnte sogar nachgewiesen werden, dass gutes Benehmen eindeutig den beruflichen Erfolg erhöht. „Gehen Kollegen höflich miteinander um, steigt die Produktivität im Unternehmen“, erklärt Frieser. Gute Manieren würden nicht nur die eigene Persönlichkeit stärken, sondern auch ein Glücksgefühl vermitteln. Neben Publikumsseminaren am Wifi bietet Frieser auch Einzelseminare an. Diese werden besonders von Personen gebucht, die im Beruf rasch aufgestiegen sind. „Diese Leute wollen Sicherheit für den geschäftlichen Alltag gewinnen – und setzen bei ihrer Fortbildung auf Diskretion“, erklärt Frieser. Abgewickelt werden die Seminare bei Knigge2day jeweils von zwei Vortragenden. Da die Rollenspiele auch gefilmt und die Sequenzen danach besprochen werden, wechseln sich die Trainer im Seminar ab. „Während sich ein Trainer um die Technik kümmert, kann der zweite mit der vollen Aufmerksamkeit bei den Seminarteilnehmern sein“, meint Frieser.

 

Fit für das internationale Parkett

Eine gesteigerte Bedeutung bekommen die Umgangsformen im Kontakt mit fremdländischen Geschäftspartnern. Auch dafür können spezielle Seminare gebucht werden. „Die Übergabe einer Visitenkarte spielt in Japan eine besondere Rolle“, nennt Daxecker ein Beispiel aus ihren Kursen. Die Karte wird mit beiden Händen überreicht und gleichermaßen in Empfang genommen. „Durch genaues Betrachten der Karte zeigt man dem Geschäftspartner die notwendige Wertschätzung.“ Die Seminare zu interkulturellem Verhalten werden auf die Erfordernisse des Unternehmens abgestimmt.

Web: www.knigge-gesellschaft.at, www.knigge2day.at, www.knigge4you.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.02.2015)

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