Vordenker statt Revolutionäre

Hochschulmanagement. Die Abläufe im tertiären Bildungssektor haben sich gewandelt, die Aufgaben für die organisatorische Leitung sind komplexer geworden.

FESTAKT DER UNIVERSITAeT WIEN ZUM 650. GRUeNDUNGSJUBILAeUM
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Universität Wien – APA/HERBERT NEUBAUER

Bildungs- und Hochschulmanager bilden die Schnittstellen, die eine Vermittlungsposition zwischen verschiedenen Parteien darstellen“, erklärt Attila Pausits, Leiter des Departments für Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement an der Donau-Universität Krems. Als einzige Universität Österreichs bietet sie drei Masterlehrgänge – Bildungsmanagement, Hochschulmanagement und ein Erasmus-Mundus-Programm namens Master in Research and Innovation in Higher Education Marihe – an. Letzteres richtet sich primär an ausländische Studierende, unter den circa 20 Studierenden pro Jahr sind 16 bis 17 Nationen vertreten.

Der Hintergrund dieser Lehrgänge ist, dass sich die Abläufe in der universitären Verwaltung und in den Studienplänen zunehmend ändern. Das Aufgabenspektrum nimmt zu, woraus sich ein Weiterqualifizierungsbedarf ergibt. „Im Lehrgang Bildungsmanagement – der sich an Professionalisten von Erwachseneneinrichtungen richtet– werden Skills vermittelt, um organisatorische Abläufe zu koordinieren und Social Skills in der täglichen Kommunikationsarbeit auszubauen“, so Pausits. Der dritte, seit 2006 bestehende Lehrgang Hochschulmanagement umfasst Bereiche wie Forschung und Lehre, Universitätsrichtlinien, Alumni-Management und höhere Administrationsaufgaben.

 

Uni-Manager auch ohne Titel

Gerade in diesem Bereich fand in den letzten Jahren eine Veränderung statt: „Haben vorher ausschließlich Akademiker diese Managementaufgaben übernommen, sind es heute Newcomer unterschiedlicher Berufsfeldern“, erklärt auch der auf Hochschulmanagement spezialisierte Berater Roland Humer. „Wenn man eine Professur hat, heißt das nicht zwingend, Kompetenzen in so unterschiedlichen Aufgaben wie Budgetverantwortung, Personalleitung oder der Moderation großer Fachtagungen aufzuweisen“, so Humer.

Diese Higher Education Professionals kommen aus dem Qualitäts- oder Fakultätsmanagement und bringen den Vorteil mit, „verschiedene Sprachen“ zu sprechen. „Hochschulmanagement ist sehr generalistisch angesetzt. Organisationen wie Universitäten und Hochschulen sind heutzutage stark von Forschungsunterstützungen und Drittmittelakquise abhängig“, erklärt Frank Ziegele, Professor für Hochschulmanagement an der Uni Osnabrück und Geschäftsführer des Zentrums für Hochschulentwicklung. Um innerhalb internationaler oder europäischer Projekte mit Einrichtungen wie der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) und Unternehmen zu kommunizieren, wird Wissens- und Technologietransfer immer wichtiger. „Hochschulmanager sind in der Lage, neue Strukturen und Mechanismen in der Universitätsverwaltung zu erkennen und entsprechend darauf zu reagieren. Die institutionell oft festgefahrene Perspektive wird dadurch aufgemacht, man tauscht sich auch mit anderen Hochschulen aus. Die Zeiten des Einzelkämpfertums sind vorbei. Vielmehr entsteht ein internationales Netzwerk, das sich untereinander stärkt“, so Ziegele. Um Change Management, also die Veränderung an Hochschulen, zu bewerkstelligen oder Organisationen überreden zu können, sich zu einer Veränderung zu bekennen, sind visionäre Antworten gefordert, die neben einem hohen Kompetenzgrad auch Empathie und Verständnis erfordern.

 

Beständigkeit und Kooperation

„Wir bilden keine Revolutionäre aus, sondern Vordenker“, erklärt Pausits und bringt einen Vergleich: „Unis sind langsamer bei Veränderungen, aber stabiler als Unternehmen – und bleiben dadurch bestehen.“ Ein neuerer Trend ist die zunehmend fächerübergreifende Zusammenarbeit mit Politik und anderen Hochschulen im Ausland: „Unseren seit 2012 existierenden Master im Hochschul- und Wissenschaftsmanagement führen wir in Kooperation mit Universitäten in Deutschland und einer Universität in Mailand durch“, so Pausits. Der Lehrgang trennt sich in einen praktischen, verwaltungsorientierten und einen forschungsbasierten Zweig: Studierende, die sich für den Research-Zweig entscheiden, setzen oft mit dem PhD an Hochschulen im Ausland fort.

Ein Trend, der sich laut Ziegele auch an den Personalentwicklungen der Hochschule Osnabrück ablesen lässt: „Viele unserer Hochschulmanagement-Absolventen bekleiden hohe Ministerialämter und Rektoratsposten. Das zeigt sehr deutlich, das Absolventen dieser Lehrgänge sehr gefragt sind und gute Karrierechancen in unterschiedlichsten Bereichen haben, angefangen beim Wissenschaftsmanagement über Berufe mit Controlling- beziehungsweise Budgetverantwortung bis hin zu den Topmanagement-Posten.“

Gerade in Deutschland nimmt die Bandbreite an HM-Ausbildungen zu. Laut Meinung der Forscher sowohl Antwort auf die zunehmende Bürokratisierung des tertiären Bildungssektors als auch eine notwendige Maßnahme für lebenslanges Lernen. Eine Bereitschaft, die in jedem Job als Basis vorausgesetzt wird. So gibt es an der Universität Oldenburg den Lehrgang Hochschulmanagement mit Pädagogik-Schwerpunkt, an der deutschen Uni für Verwaltungswissenschaften in Speyer die Spezialisierung Wissenschaftsmanagement und parallel dazu im Rahmen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) verschiedene Kurse zu den Themen Qualitätssicherung, Internationalisierung und Hochschulsteuerung.

„Hochschul- und Bildungsmanagement bietet vor allem eines“, fasst Ziegele zusammen, „nämlich vielfältige Kompetenzen in unterschiedlichen Managementbereichen, um in der Berufswelt flexibel zu bleiben. Wer weiß denn heutzutage schon, welche Aufgaben er morgen übernehmen wird?““

AUF EINEN BLICK

Hochschulmanagement gewinnt aufgrund veränderter Abläufe und neuer Anforderungen wie Drittmittelfinanzierung und internationale Vernetzung der Ausbildungsstätten stark an Bedeutung. Zu den Kernkompetenzen gehört neben Organisationstalent auch die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Bereichen zu vermitteln. Hochschulmanager kommen heute nicht notwendigerweise aus dem akademischen Umfeld, Absolventen einschlägiger Ausbildungen sind aber sehr gefragt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.05.2015)

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