Von Sprache, Stimme und dem Hören

Sie ist mehr als reine „Sprecherziehung“. Die Logopädie reicht in viele medizinische Fachbereiche hinein und erfordert zudem Kommunikationsstärke, Einfühlungsvermögen und Engagement.

In den Logopädie-Praktika wird auch die Durchführung von Hörtests geübt.
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In den Logopädie-Praktika wird auch die Durchführung von Hörtests geübt.
In den Logopädie-Praktika wird auch die Durchführung von Hörtests geübt. – (c) FH Kärnten

Nicht nur die immer öfter diagnostizierten Sprachstörungen bei Kindern, auch die wegen der alternden Gesellschaft zunehmenden neurologischen Erkrankungen lassen den Bedarf an Logopäden wachsen. Dabei geht es bei Logopädie nicht nur um das Sprechen, sondern auch um die Stimme, das Schlucken und das Hören. Die Ausbildung erfolgt heute im Rahmen eines Bachelorstudiums an Fachhochschulen und ist sehr gefragt. An der FH Kärnten beispielsweise, an der vor sieben Jahren ein Bachelorstudium Logopädie eingerichtet wurde, kommen laut Studiengangsleiterin Julia Lever auf einen Studienplatz 15 bis 20 Interessenten. Darunter seien zahlreiche Maturanten, aber auch etliche, die bereits andere Ausbildungen, etwa im pädagogischen oder linguistischen Bereich, absolviert hätten. Lever erklärt das große Interesse mit dem breiten Spektrum an Tätigkeiten. „Es ist ein sehr abwechslungsreicher Beruf. Die Altersspanne der Personen, mit denen man zu tun hat, reicht vom Frühgeborenen bis zum alten Menschen.“ Prinzipiell wecke das Phänomen Sprache einfach Interesse, und die Diagnostik und Therapie in diesem Bereich bieten viele Möglichkeiten.

Da das sechssemestrige Bachelorstudium zur Berufsberechtigung in diesem verantwortungsvollen Tätigkeitsfeld führt, sind an der FH Kärnten ab dem zweiten Semester Praktika vorgesehen. Im „Skills Lab“ kann etwa das Durchführen von Hörtests und das Handling mit Therapiematerialien trainiert werden. Die Absolventen seien heute großteils im klinischen Bereich, also in Ambulatorien, Krankenhäusern und Therapiezentren, tätig. Immer interessanter werde der Präventionsbereich und die Selbstständigkeit. Ein Masterlehrgang für Logopädie soll in Klagenfurt Ende 2017 starten und unter anderem zum Aufbau einer logopädischen Forschung führen.

Positive Haltung zu Menschen

In Innsbruck ist der heutige Logopädie-Studiengang an der FH Gesundheit (FHG) aus der früheren Medizinisch-Technischen Akademie für den logopädisch-phoniatrisch-audiologischen Dienst hervorgegangen. Nach dem ersten Jahrzehnt seines Bestehens wird in diesem FH-Studium heuer die Zahl der zu vergebenden Plätze wegen des gestiegenen Bedarfs erweitert. Das Aufnahmeverfahren ist dennoch anspruchsvoll. In der schriftlichen Eignungsprüfung werden die Analysefähigkeit, sprachliche Kompetenz und Genauigkeit anhand eines Patientengesprächs festgestellt. Im Zuge des Bewerbungsgesprächs erfolgt eine Untersuchung der Stimmleistungen und Artikulation der Bewerber. Die Chancen auf einen Logopädie-Studienplatz steigen laut Studiengangsleiter Georg Newesely, wenn bestimmte persönliche Voraussetzungen gegeben sind. „Wir erwarten eine positive Haltung zum Menschen aller Altersstufen, vor allem zum kranken und beeinträchtigten Menschen, das Interesse an diagnostisch-therapeutischen Tätigkeiten. Berufs- oder Praktikumserfahrungen im Sozial- oder Gesundheitsbereich unterstreichen diese dem Beruf zugewandte Haltung.“

Als wichtiges Kriterium beschreiben alle Logopädie-Studienanbieter die kommunikative Kompetenz. „Wir müssen in Hinblick auf die Aufgaben von Logopäden auf exzellente Kenntnisse der deutschen Sprache in Wort und Schrift großen Wert legen. Weiters müssen Logopäden auch unter besonderen Umständen, angepasst an die kommunikativen Fähigkeiten der zu behandelnden Personen, kommunizieren können. Sie müssen motivieren können und Geduld und Empathie haben“, erklärt Newesely.

Die älteste Logopädie-Ausbildung Österreichs ist an der FH Gesundheitsberufe OÖ in Linz angesiedelt, wo bereits 1968 eine Schule für den logopädisch-phoniatrischen Dienst eröffnet wurde. Auch mit der Umwandlung zur dreijährigen Akademie in den 1990er-Jahren war Linz den anderen Standorten voraus. So wie in Innsbruck verzeichnet man auch in Linz etwa zehnmal so viele Bewerber wie Ausbildungsplätze. Von Vorteil, jedoch nicht Voraussetzung, seien Erfahrungen im Sozialbereich, sagt Studiengangsleiterin Renate König. Besonderheiten des Linzer Studiums sind wöchentliche Praktikumstage in Kindergärten. Zudem halten im sechsten Semester Studierende ein Stimmhygieneseminar für Personen in Sprechberufen sowie ein Hörtraining bei Personen mit Hörhilfen ab. In diesem Semester können die Studierenden zudem zwischen den Wahlpflichtmodulen Ausdrucksgestaltung/Gesang und Gedächtnistraining wählen. Wert gelegt wird an der FH Gesundheitsberufe Oberösterreich laut Renate König auch auf interdisziplinäre Vernetzung. So finden sich in frei zu wählenden Lehrveranstaltungen, wie Konfliktmanagement, Resilienz oder Selbstkompetenz Studierende aller Studienrichtungen zusammen mit den künftigen Logopäden ein.

Web: www.fh-kaernten.at/logopaedie
www.fhg-tirol.ac.at
www.fh-gesundheitsberufe.at
www.fh-joanneum.at/logopaedie/bachelor/
www.fhwn.ac.at/Studium/Gesundheit/Bachelor/Logopaedie
www.fh-campuswien.ac.at
www.donau-uni.ac.at/logopaedie

 


[NG7OZ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2017)

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