Mehr Freude, weniger Kosten

Ein engagierter Uni-Professor und seine Studenten sowie Kommunen und Interessenvertretungen helfen Schülern kostenlos oder günstig auf die Sprünge.

So manches Kind steht in der Schule an. Günstige Förderprogramme wollen hier helfen.
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So manches Kind steht in der Schule an. Günstige Förderprogramme wollen hier helfen.
So manches Kind steht in der Schule an. Günstige Förderprogramme wollen hier helfen. – (c) imago/CHROMORANGE (imago stock&people)

Man braucht keine Pisa-Studien oder Matura-Ergebnisse heranzuziehen, um zu registrieren, dass sich Mathematik an Österreichs Schulen zum Krisenfach entwickelt hat. Dafür genügt vielfach ein Blick auf die Mathematiknoten sonst guter Schüler oder auf die klassenweite Hysterie vor Schularbeiten. Das schlechte Image des Schulfachs ist auch für manche Berufsmathematiker schmerzlich, die ihr Fach mit Leidenschaft betreiben und dessen eigene Ästhetik und klare Sprache schätzen.

 

Kritik an Lehrerausbildung

Für den Mathematiker und vielfach ausgezeichneten Forscher Michael Eichmair – seit 2015 jüngster Universitätsprofessor Österreichs und zuvor zur „Besten Lehrperson der ETH Zürich“ gekürt – müsste sich in der Ausbildung von Mathematiklehrern einiges ändern, um Schülern Freude statt Frust zu vermitteln. Eichmair, der sich als Wissenschaftler mit hoch spezialisierten Fragen der Geometrie beschäftigt, betreibt neben seiner Forschertätigkeit ehrenamtlich das Projekt „Mathematik macht Freu(n)de“. Dabei erteilen Lehramtsstudierende sehr günstigen Kleingruppen-Förderunterricht. In sogenannten Studienclubs sind pro Schüler und Arbeitseinheit maximal fünf Euro zu bezahlen. Die Kostenbeiträge gehen an die Studierenden, die als Mathematikcoaches maximal sechs Schüler auf einmal betreuen.

Das Projekt läuft derzeit im dritten Semester. Die Zwischenbilanz ist sehr erfreulich: Lehrpersonen berichten, dass sich die Haltung der Schüler zum Fach verändert hat und sie selbstbewusster am Unterricht teilnehmen. Das schlägt sich oft rasch in besseren Noten nieder. „In den Studienclubs erreichen wir bereits etwa 300 Jugendliche gleichzeitig – das Potenzial ist aber viel größer.“ Ebenso wertvoll sei es für die Mathematikcoaches, sich im späteren Beruf ausprobieren und aus Fehlern lernen zu können. Aus den Erfahrungen entwickelt Eichmair mit seinem Mitarbeiter Lukas Riegler, selbst promovierter Mathematiker und Lehrer am TGM, Kompetenzmaterialien für die Qualitätssicherung in innovativen, dialogischen Formaten. Diese Materialien liegen online kostenlos auf.

Im August bieten die Mathematikcoaches in Baden und Wien einwöchige Intensiv-Studienclubs für Oberstufenschüler an. Um auch Talente zu fördern, die schon derzeit nicht genug von Mathematik bekommen können, gibt es ab dem Wintersemester auch Mathematik-Olympiade-Kurse. Das Projekt „Mathematik macht Freu(n)de“ ist eine Kooperation der Uni Wien mit der Pädagogischen Hochschule NÖ und wird vom Bildungsministerium, der Industriellenvereinigung Wien und der Kulturabteilung der Stadt Wien gesponsert.

 

Gratisangebote in Linz und Kärnten

Völlig kostenlos ist die Lernhilfe für Schüler der Volks-, Haupt- und Neuen Mittelschulen, die seit einigen Jahren von der Volkshochschule Linz umgesetzt wird. „Das Projekt verzeichnet seit dem Beginn im Jahr 2011 jährliche steigende Zahlen, im vergangenen Schuljahr betreuten wir an die 1500 Schüler“, sagt Dagmar Krenmayr, die das Angebot koordiniert und bedarfsorientiert weiterentwickelt. Es gibt mittlerweile nicht nur klassische Förderkurse nach Maß an den Schulen selbst, sondern auch offene Angebote speziell in Deutsch in der Volkshochschule.

Sehr gut angenommen – im Vorjahr nutzten 142 Schüler das Angebot – werden laut Krenmayr auch die sogenannten Lernsamstage. Gegen Ende der Sommerferien werden heuer zweiwöchige Förderkurse sowohl für Volksschulkinder (Deutsch, Rechnen, Lesen) als auch für Schüler von Neuen Mittelschulen (Fächerbündel Mathematik, Deutsch, Englisch) durchgeführt. Ein besonderes Format sind die „Wissensbrücken“ für die 4. Klassen von Volks- und Neuen Mittelschulen, die den Umstieg in eine weiterführende Schule erleichtern sollen.

In Kärnten wiederum wird kostenlose Nachhilfe von der Arbeiterkammer finanziert, allerdings nur, wenn ein Elternteil AK-Mitglied ist und bis zu einem Haushaltseinkommen von 2500 Euro brutto. „Jede Anmeldung wird individuell geprüft. Kinder aus bildungsfernen Familien werden besonders unterstützt. Vereinzelt können auch Einzeltrainings in Anspruch genommen werden“, sagt Cordula Wadl, Bildungsreferentin der AK Kärnten. Auch hier werden die Kurse von den Volkshochschulen abgewickelt.

Web: http://mathematikmachtfreunde.univie.ac.at

www.linz.at/wissensturm, www.kaernten.arbeiterkammer.at

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2017)

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