Mint-Master: Höhere Technikweihen an den FH

Insgesamt 16 neue FH-Studienplätze in technisch-naturwissenschaftlichen Fächern sind für 2018 angekündigt. Einige davon auch auf Master-Level.

Auf die zunehmende Automatisierung reagiert die FH OÖ etwa mit „Robotic Systems Engineering“ am Campus Wels.
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Auf die zunehmende Automatisierung reagiert die FH OÖ etwa mit „Robotic Systems Engineering“ am Campus Wels.
Auf die zunehmende Automatisierung reagiert die FH OÖ etwa mit „Robotic Systems Engineering“ am Campus Wels. – (c) FH OÖ

Wer Mint sagt, meint Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik – und spricht von Studienfächern, die einen besonderen Ruf haben: sehr gute Jobaussichten, überdurchschnittliche Einstiegsgehälter – und dennoch oft zu wenige Interessenten. Laut aktueller IHS-Studie schließen pro Jahr etwa 5800 Personen ein Mint-Master- oder Diplomstudium ab, etwa ein Drittel davon an Fachhochschulen. Vom tatsächlichen Arbeitsmarktbedarf zeichnet der Projektbericht der IHS-Gruppe Hochschulforschung ein differenziertes Bild. Demnach treten Graduierte in Informatik und Ingenieurwesen sowohl nach Fachhochschul- als auch nach Universitätsstudien besonders schnell in gut bezahlte Erwerbstätigkeiten ein. Die Arbeitsmarktsituation nach Abschlüssen in Biowissenschaften, Naturwissenschaften und Architektur ist hingegen schlechter.

 

121 neue Masterstudienplätze

Den allgemeinen Expertenruf nach Investitionen in diesen Ausbildungsbereich hat man im Wirtschaftsministerium erhört, insbesondere, was die Fachhochschulen betrifft. So werden im Herbst 2018 an den heimischen FH 16 neue Studiengänge aus der Taufe gehoben und dabei 329 Plätze in Bachelor- und 121 in Masterstudiengängen neu eingerichtet. Bis Ende 2021 erwartet man sich etwa 1230 zusätzliche Absolventen für den Wirtschaftsstandort Österreich. Bedarf ist laut Wirtschaftfachleuten auf dem Markt jedenfalls gegeben: „Allein bis 2020 könnten in den Mint-Bereichen bis zu 40.000 neue Arbeitsplätze entstehen“, rechnet Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV), vor.

Mit 50 zusätzlichen Studienplätzen gehört die FH Technikum Wien zu den größten Gewinnern des Ausbaus. Rektor Fritz Schmöllebeck bekräftigt die Wichtigkeit der Maßnahmen für den FH-Sektor im Technologiebereich: „Die Digitalisierung verändert die Kommunikation in der industriellen Fertigung. Es stehen disruptive Veränderungen bei den Geschäftsmodellen an. Hochschulen müssen das antizipieren. Der Treibstoff dafür sind neue Studienplätze.“ An der FH Technikum Wien soll der „Treibstoff“ vor allem in den Ausbau des Fachs Informatik/Computer Science fließen, das neuerdings als Duales Studium angeboten wird. „Wir konnten ein Firmenkonsortium finden, das mit uns die Ausbildung betreibt. Ein Teil des curricularen Studiums findet an der FH statt, ein Teil bei den Unternehmen“, so Schmöllebeck. Diese enge Verzahnung von Theorie und Praxis, von Industrie, Wirtschaft und FH sei zukunftsweisend.

Die österreichweit meisten neuen Studienplätze an einer Fachhochschule (83) werden der FH Oberösterreich zugedacht. Vier der fünf neuen Studiengänge sind Masterausbildungen. Am Campus Wels der FH OÖ startet ab Herbst 2018 der „Master Electrical Engineering“ und wird als Vollzeitstudium angeboten (siehe auch Seite K14). Im Fokus stehen Technologien wie Elektroautos oder erneuerbare und ökologische Energieversorgungssysteme.

 

Medizin, Roboter, Industrie 4.0

Fachkräfte für ein gänzlich neues Berufsfeld, das die Lücke zwischen Entwicklungsingenieur und Produktanwender schließen soll, will der geplante Studiengang „Applied Technologies for Medical Diagnostics“ an der FH OÖ Campus Linz ausbilden.

Die Zukunft der industriellen Produktion – im Spannungsfeld rund um kollaborative Roboter, autonome Transportfahrzeuge und selbstlernende Algorithmen – wiederum steht im Mittelpunkt von „Robotic Systems Engineering“ an der FH OÖ Campus Wels.

Beim vierten neuen FH-OÖ-Masterstudiengang „Physical Internet Management“ am Campus Steyr dreht sich schließlich alles um die Digitalisierung und Vernetzung des Transport- und Materialflusses.

 

Software-Lebenszyklus

Mit einer für den Großraum Wien neuen Ausrichtung kann die FH Campus Wien mit dem Masterstudiengang „Software Design und Engineering“ aufwarten. „Primäres Ziel ist die ganzheitliche Betrachtung des Software-Lebenszyklus, unter spezieller Berücksichtigung der Anforderungen von Internet of Things und Industrie 4.0“, erklärt Andreas Posch, FH-Departmentleiter Technik. Neben der Softwareentwicklung stehen vor allem Ausbildung und Förderung von kreativen und nachhaltigen Kompetenzen im Bereich Software-Design und Architektur im Vordergrund. „Das Studium vermittelt das für die zunehmende digitale Transformation benötigte Wissen“, so Posch. Adressiert wird die steigende Nachfrage nach Software-Engineering-Fachkräften in Österreich, die neben der Softwareentwicklung auch über fortgeschrittene Kenntnisse in Softwarearchitekturen, Requirements Engineering, Software-Integration und Qualitätsmanagement verfügen. „Diese werden von Industrie und Wirtschaft als grundlegend für die Abdeckung jener kreativen und wissensintensiven Aufgabenbereiche gefordert, die zur mittelfristigen Absicherung des Wirtschaftsstandortes Österreich beitragen“, ist Posch überzeugt.

Zwei neue Master werden ab 2018 auch an der Grazer FH Joanneum erwartet: „Data and Information Science“ lautet das Angebot am Department für Angewandte Informatik. Ausgebildet werden ab nächstem Jahr Experten auf dem Gebiet der Daten- und Informationsanalyse, die aus großen Datenmengen hochwertige Unterlagen wie Vorhersagemodelle generieren können. Am Department für Engineering angesiedelt ist das Masterstudium Lebensmittel: Produkt- und Prozessentwicklung. Die Studierenden vertiefen sich dabei in Verarbeitungs- und Veredelungsprozesse von Lebensmitteln. Die Themen reichen von der Produktentwicklung und Prozessgestaltung über das Qualitätsmanagement bis hin zur Innovation von Produktionslinien oder -systemen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2017)

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