Strategien für eine schnelllebige Wirtschaft

Bis zu 80 Prozent des Kerngeschäfts werden bereits in Form von Projekten abgewickelt. Diese erfolgreich und zeitgerecht durchzuführen ist eine Kernkompetenz, die ganzheitliche Sichtweise und flexibles Agieren erfordert.

Projektarbeit wird immer komplexer und erfordert agiles Vorgehen.
Projektarbeit wird immer komplexer und erfordert agiles Vorgehen.
Projektarbeit wird immer komplexer und erfordert agiles Vorgehen. – (c) Bilderbox

Nach dem Projekt ist vor dem Projekt. Das an den Fußballjargon angelehnte Bonmot bringt die Realität in der Arbeitswelt auf den Punkt: Das projektorientierte Arbeiten gewinnt immer mehr an Bedeutung. „Heute wird bereits 60 bis 80 Prozent des Kerngeschäfts auf Projektbasis abgewickelt“, weiß Sandra Wöß, Key Account & Program Management an der University of Salzburg Business School (SMBS). Dementsprechend gefragt sind Führungspersönlichkeiten, die Projekte erfolgreich planen, begleiten und umsetzen können.
„Projektteams zielorientiert zu führen und zeitgerecht Ergebnisse zu liefern erfordert ganzheitliches planerisches Denken, Fühlen und Handeln“, sagt Peter Birnstingl, Lehrgangsleiter für Internationales Projektmanagement an der Donau-Universität Krems. Es wird in drei Varianten angeboten: als viersemestriger Master, dreisemestrig mit dem Abschluss Akademischer Experte sowie als zweisemestriges Certified Program. Gemeinsam haben sie den modularen Aufbau mit Pflicht-, Wahl- und Einstiegsmodulen. Dabei entspricht ein Modul einer Präsenzphase von fünf Werktagen.
Im Masterstudium müssen zehn Module absolviert werden – darunter Grundlagen und vertiefende Methoden, Intercultural Communication and Competence, Management projektorientierter Unternehmen sowie ein Seminar zu aktuellen Themen. Jedes Modul wird mit einer schriftlichen Arbeit abgeschlossen.
„In immer mehr Branchen steigt das Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, Projektmanagementkompetenzen zu entwickeln“, so Birnstingl. Das zeige sich auch am beruflichen Background der Programmteilnehmer. Während zum Programmstart 2009 rund ein Vierteil der Studierenden aus dem IT-Sektor kam, sei das Branchenspektrum heute bunt gemischt: von Industrieunternehmen über Logistikfirmen und Unternehmensberater bis hin zu Medizintechnikunternehmen. „Projektmanagement kann man überall brauchen“, sagt Birnstingl.

Vorerfahrung gefordert

Ein ähnliches Bild zeigt sich an der Fachhochschule des BFI Wien. Wie Iris Schirl-Böck, Leiterin des dreisemestrigen Masterstudiengangs Projektmanagement und Organisation erklärt, richte sich das Angebot an Personen mit einem gewissen Erfahrungsschatz im Projektmanagement sowie einem abgeschlossenen wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen oder technischen Studium. „Wir bereiten Leute auf Führungspositionen im mittleren Management vor – zum Beispiel im Projektportfoliomanagement, Qualitäts- und Prozessmanagement sowie für die Leitung von Projektmanagement-Offices“, so Schirl-Böck. Dabei ginge – nach einem Crashkurs im ersten Semester – der Blick über einfaches Projektmanagement hinaus.
„Wir schauen uns an, wie sich Unternehmen im Projektmanagement strategisch aufstellen müssen“, so Schirl-Böck. Dabei versuche man, die einzelnen Themen zunehmend gemeinschaftlich zu betrachten und die Schnittstellen zwischen ihnen aufzuzeigen – mit dem Ziel eines integrierten Managementzugangs. „Projekte werden zunehmend komplexer, weshalb auch gewisse Strukturen benötigt werden, um Strategien besser steuern zu können“, so die Expertin.
An der SMBS werden drei einschlägige Programme angeboten: ein viersemestriges MBA-Studium mit Schwerpunkt Projekt- und Prozessmanagement, ein zweisemestriger gleichnamiger Universitätskurs sowie der Lehrgang Universitärer Projektmanager, der sich aus neun Modulen zu 16 Präsenztagen zusammensetzt und in Kooperation mit Next Level Consulting angeboten wird.

Flexibilität gefragt

Wie Wöß, die alle Projektmanagementprogramme an der SMBS betreut, erklärt, sei die Zeit des Abteilungsdenkens vorbei. Dem versuche man auch in allen drei Programmen Rechnung zu tragen, ebenso wie der Tatsache, dass agiles Projektmanagement immer wichtiger werde. „Man kann heute nicht mehr starr planen, sondern muss sich an verändernde Umstände anpassen“, so Wöß. Auch Schirl-Böck betont die zunehmende Bedeutung der Agilität im Projektmanagement und damit eines aktuellen Themas, das in das Studium an der FH BFI Wien einfließe. Auch mit der Tatsache, dass die Projektarbeit immer komplexer und von zunehmender Unsicherheit begleitet werde, setze man sich auseinander. Man könne sich auf vieles nicht mehr vorbereiten – auch bei einer noch so guten Planung. „Mit klassischen planungs- und controllingorientierten Methoden stößt man heute zunehmend auf Grenzen“, so Schirl-Böck.

Dass es sich beim Projektmanagement um eine vorübergehende Modeerscheinung handelt, glauben Experten im Übrigen nicht. Vielmehr werde die Disziplin weiter stark im Trend bleiben. „Sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich nimmt die Schnelllebigkeit weiter zu“, sagt Birnstingl. Daher wären auch weiterhin Strategien gefragt, mit denen man flexibel auf Unsicherheit und Komplexität reagieren könne. In die gleiche Kerbe schlägt auch Schirl-Böck, die meint, dass die Bedeutung des Projektmanagements sogar noch zunehmen werde. „Künftig werden noch mehr Unternehmen versuchen, strategische Ziele in Projektform zu erreichen.“

Web: www.smbs.at
www.bfi.wien
www.nextlevelconsulting.com

 

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Strategien für eine schnelllebige Wirtschaft

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.