Tag der offenen Tür bis Teilzeitjob

Nachwuchsmangel. Technische Studien haben ein Problem: Trotz bester Jobaussichten sind sie bei Studienanwärtern nur mäßig gefragt. Die Anbieter reagieren mit verschiedensten Aktionen.

Der „Crazy Car“-Wettbewerb der FH Joanneum soll auch Schüler für ein Technik-Studium begeistern.
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Der „Crazy Car“-Wettbewerb der FH Joanneum soll auch Schüler für ein Technik-Studium begeistern.
Der „Crazy Car“-Wettbewerb der FH Joanneum soll auch Schüler für ein Technik-Studium begeistern. – (c) FH Johanneum

Mehr als acht von zehn Industrieuunternehmen haben Schwierigkeiten, qualifiziertes Personal im Bereich „Technik und Produktion“ zu rekrutieren, so eine „MINT-Schnellerhebung“ der Industriellenvereinigung im Jahr 2017. Dass Österreichs Hochschulen den Bedarf der Unternehmen an Technik-Absolventen nicht decken können, bestätigt etwa Gerhard Haider, CEO des Salzburger Unternehmens conova communications. „Obwohl wir eines der modernsten Rechenzentren Europas betreiben gelingt es uns derzeit nicht, qualifizierte Mitarbeiter in dem Maß zu rekrutieren, wie es die Kunden und die damit verbundenen Projekte von uns fordern.“

Angesichts dieser Problemlage wurde der Betrieb, der zu den Partnerunternehmen der FH Salzburg zählt, zum Treiber einer Projektidee, die sowohl Betrieben zu Technikern verhilft als auch der FH zu Technik-Studierenden. Dabei setzt man nicht bei Image-Aktionen an, sondern bei konkreten Bedürfnissen der jungen Studierenden bezüglich Unterkunft, Lebensunterhalt und Jobperspektiven. „Wir haben uns überlegt, was Studierende brauchen“, sagt Gerhard Jöchtl, Fachbereichsleiter für Systemtheorie und Elektrotechnik, Informationstechnik und Systemmanagement an der FH Salzburg. „Sie brauchen großzügige finanzielle Unterstützung und sie brauchen ein interessantes Tätigkeitsfeld, in das sie eintauchen können.“ Die Überlegungen mündeten in das sogenanntes Karriere-Package „study.work.support“. Das Paket ist vor allem für Erstsemestrige mit bereits vorhandener IT-Erfahrung, etwa aus der HTL, gedacht. Sobald sie das Aufnahmeverfahren bestanden haben, können Sie im Ausmaß von elf Wochenstunden für ein monatliches Gehalt von 680 Euro in einer von 14 Salzburger Partnerfirmen aus dem IT-Bereich Praxiserfahrung sammeln. Zusätzlich gibt es einen Wohnkostenzuschuss in Höhe von 120 Euro pro Monat und die Firmen übernehmen die Studiengebühren von 363 Euro pro Semester. Weiters ist vereinbart, dass bei der Arbeitsgestaltung auf das Studium und Rücksicht genommen und etwa die Arbeitsbelastung den Prüfungszeiten angepasst wird. „Die Firmen können natürlich auch einen Studierenden ablehnen, falls sie den Eindruck haben, dass er zu wenig Vorkenntnisse hat“, erklärt Jöchtl. Rund 20 Studierende konnten bereits an dem Programm teilnehmen. Derzeit wird laut Jöchtl erwogen, ein zweites Paket für Studienanfänger ohne IT-Erfahrung zu schnüren.

 

Inhalt und Image

Ausschlaggebender Aspekt ist letztlich immer das Interese an dem Fach. „Um attraktiv zu bleiben, ist es notwendig, Studiengänge von Zeit zu Zeit inhaltlich anzupassen“, sagt Christian Vogel, Leiter des Studiums „Elektronik und Computer Engineering“ (ECE) der FH Joanneum in Graz. Mit der Stärkung des Computer Engineering, passe der ehemals Elektronik und Technologiemanagement genannte Studiengang gut zum Firmenumfeld der Region, aber auch zur internationalen Entwicklung, sagt Vogel.

Neben den Inhalten muss auch das Image der Technischen Studien regelmäßig aufpoliert werden. Dabei setzt man am Joanneum unter dem Motto „Studieren probieren“ auf Praxis. Beim Tag der offenen Tür, aber auch bei Besuchen in Schulen, auf Messen oder über Social Media werden Interessenten eingeladen, Lehrveranstaltungen zu besuchen oder zusammen mit Studierenden einen Nachmittag im Labor zu arbeiten. „Da wird zum Beispiel an kleinen Robotern oder Liftsteuerungen gearbeitet“, berichtet Vogel. Ein attraktiver „Schnupper-Event“ ist der alljährliche Wettbewerb Crazy Car, bei dem autonome Modellautos durch das Audimax der FH fahren und bei dem sich Schüler wie Studierende darin messen, das schnellste selbstfahrende Fahrzeug zu entwickeln. Die technischen Studiengängen der FH Joanneum präsentieren sich außerdem in Schüler-Workshops bei der „FUNtech“-Woche während der Semesterferien. Durch ein gemeinsam mit dem AMS konzipiertes Frauenförderprogramm habe man außerdem einige sehr gute weibliche Studierende ansprechen können, sagt Vogel.

Die beste Werbung für die Technischen Studien ist aber das Interesse der Firmen. Am Joanneum stehen ab dem zweiten Semester ein bis zwei Mal pro Semester Firmenbesuche auf dem Programm. Zusätzlich veranstaltet die FH alljährlich die Karrieremesse Future Engineers, auf der sich regionale Industrieunternehmen präsentieren.

Die enge Verbindung von Ausbildung, Forschung und Wirtschaft ist – neben einem attraktiven Studienangebot – auch an der FH Oberösterreich ein Punkt, der viele Interessenten für technische Studienrichtungen anzieht, sagt Sprecherin Martina Anzinger. Im Softwarepark Hagenberg seien neben der FH auch rund 75 Unternehmen und zehn Forschungsinstitute angesiedelt. „Dass sie während der Ausbildung vor Ort Praxiserfahrung sammeln und zu innovativen Entwicklungen beitragen können, begeistert viele“, so Anzinger. Daneben gäbe es auch klassische Aktivitäten wie den Tag der offenen Tür (16. März), Besuche an Schulen, oder öffentliche Gastvorträge zu aktuellen IKT-Themen. Um die Jugend möglichst früh zu begeistern, finden am Campus eine Kinderuni und die Lange Nacht der Forschung statt, sowie Coding-Wettbewerbe und der Games Summit Hagenberg.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.02.2018)

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