Einen Beitrag zu mehr Lebensqualität leisten

Sozialmanagement. Einst verpönt, nutzen nun auch Sozialberufe professionelles Management.

Früher waren Management und Sozialberuf die absoluten Gegensätze, beides auszuüben, das ging schlichtweg nicht“, sagt Klaus Rückert, Leiter der Arge Bildungsmanagement. Inzwischen habe es sich herumgesprochen, dass Sozialpädagogen eine wertvolle, hoch qualifizierte Arbeit leisten und sehr wohl auch im Management tätig werden können. Deshalb bietet die Arge Bildungsmanagement gemeinsam mit der Sigmund Freud Privatuniversität einen einschlägigen Master-Lehrgang an. Die viersemestrige Ausbildung erfolgt im Rahmen eines universitären Lehrgangs für Beratungswissenschaften und Management sozialer Systeme mit dem Schwerpunkt Sozialpädagogik und Sozialmanagement. Ein Bachelor-Abschluss ist kein Muss, eine Fachausbildung in einem Sozialberuf und fünf Jahre einschlägige Praxis erfüllen die Voraussetzungen ebenfalls. Der Lehrgang beginnt im März 2018.

„Sozialmanager gestalten gemeinsam mit ihren Teams soziale Dienstleistungen und sind hauptsächlich im Bereich Pflege, Menschen mit Behinderung und in der Sozialarbeit tätig. Sie leiten etwa Wohngemeinschaften für Menschen mit Behinderung, mobile Hauskrankenpflegeteams, Beratungsstellen für geflüchtete Menschen, pädagogische Wohngemeinschaften für Kinder und Jugendliche oder Notschlafstellen für Wohnungslose“, erläutert Johannes Jurka, Leiter der Akademie für Sozialmanagement. In diesen Settings übernehmen sie Personal- und Budgetverantwortung, entwickeln fachliche Angebote weiter und leisten Öffentlichkeitsarbeit. „Die Arbeit mit diesen vulnerablen Zielgruppen erfordert die ständige ethische Reflexion als weitere Aufgabe von Sozialmanagern“, sagt Jurka. Die Akademie für Sozialmanagement bietet ab Herbst eine zweistufige Ausbildung für Führungskräfte an. Der erste Teil legt den Schwerpunkt auf die Entwicklung des eigenen Führungsverständnisses und auf die Führung auf Teamebene. Er fokussiert auf Kommunikation, Selbstmanagement, Teamentwicklung sowie Konflikt– und Qualitätsmanagement. Teil Zwei erweitert den Blick auf die Führung von Organisationen oder Organisationseinheiten. Hier liegt der Fokus auf strategischem Management, Controlling, Recht, Change, Öffentlichkeitsarbeit, Führungsethik und -kultur. Absolventen schließen nach fünf Semestern als Diplomierte Sozialmanager ab und erhalten das Europäische Heimleitungszertifikat.


Knappe Mittel effizient nutzen

Eine einschlägige Masterausbildung wird etwa am MCI unter dem Titel International Health & Social Management angeboten. „Der Begriff klingt sehr technisch. Tatsächlich leistet jedoch Sozialmanagement, also das Management von sozialen Organisationen, in der Sozialwirtschaft und im Öffentlichen Dienst, einen wichtigen Beitrag zur Lebensqualität der jeweils betroffenen Menschen“, sagt Siegfried Walch, Departmentleiter am MCI. Wichtig dabei sei, die zur Verfügung stehenden Mittel beispielsweise durch kontinuierliche Verbesserungen, Anpassungen an sich ändernde Bedürfnisse, Qualitätsmanagement, begleitendes Finanzmanagement und Controlling möglichst wirkungsorientiert und sparsam einzusetzen.

„In unserer Gesellschaft wird Erfolg unter anderem assoziiert mit hoher Qualität, Beliebtheit, Wirksamkeit, Prosperität und Innovation. All diese Elemente können in Managementkonzepten wiedergefunden und messbar dargestellt werden. Das „Management of People“ ist überall dort wichtig, wo der Mensch im Mittelpunkt des Interesses steht – sei es im Bildungskontext, im Gesundheitswesen, in Sozialen Organisationen“, erklärt Claudia Caruso, Leiterin des Master-Studienganges „Social Management“ an der Donau-Universität Krems, den Stellenwert von Sozialmanagement. Der Studiengang in Krems wird in fünf Semestern berufsbegleitend mit einem Blended-Learning-Konzept angeboten. Das bedeutet drei mal drei Präsenztage pro Semester plus Online-Materialien. „Wir widmen uns in diesem Masterprogramm den bestehenden Herausforderungen in der Führung von Unternehmen des Sozial-und Gesundheitswesens. Soziale- und Gesundheitseinrichtungen brauchen professionelle und gut ausgebildete Führungskräfte, die dieses Spannungsfeld zwischen sozialem Engagement, dem humanistischen Aspekt dieses Berufes und einer erfolgreichen Unternehmensführung bewältigen können“, erklärt Caruso.

Auch die FH Oberösterreich bietet ein berufsbegleitendes Studium zu diesem Thema an. Den Bachelor kann man in Sozial- und Verwaltungsmanagement mit dem Schwerpunkt Sozialmanagement machen, der Master qualifiziert in „Gesundheits, Sozial- und Public Management.“ „Wir erleben immer wieder, dass manche Fachkräfte aus dem psychosozialen Bereich ein Problem mit dem Begriff Sozialmanagement haben, weil sie meinen, dass damit kalte wirtschaftliche Logik in diesen Bereich eindringt. Tatsache ist aber, dass jedes professionelle Angebot sozialer Dienstleistungen wie Beratung und Therapie nur möglich ist, wenn dahinter eine Organisation steht, die sich um Finanzierung, Abrechnung, Personalwesen und ähnliches kümmert“, sagt Studiengangsleiter Markus Lehner. Man verstehe sich als ein auf die Spezifika der Sozial- und Gesundheitsbranche spezialisiertes Studium, in dem genau diese Kompetenzen vermittelt werden.

Web:www.fh-ooe.at, www.asom.at

www.bildungsmanagement.ac.at

www.mci.edu, www.donau-uni.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.02.2018)

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