Die Daten gehen jetzt alle an

Die Informationstechnologie durchdringt heute das gesamte Unternehmen. Daher benötigen auch Führungs– und Fachkräfte anderer Sparten einschlägiges Know-how.

Wenn das gesamte Unternehmen vernetzt wird, muss auch überall entsprechende Expertise vorhanden sein.
Wenn das gesamte Unternehmen vernetzt wird, muss auch überall entsprechende Expertise vorhanden sein.
Wenn das gesamte Unternehmen vernetzt wird, muss auch überall entsprechende Expertise vorhanden sein. – REUTERS

Die omnipräsente Digitalisierung wirft einige Fragen auf. Etwa die mögliche Auswirkung auf den Arbeitsmarkt. Während die einen glauben, dass die digitale Transformation in großem Stil Arbeitsplätze vernichten wird, erwarten andere eine Vielzahl an neuen Jobs und Chancen. Klar scheint nur: All jene, die sich über diverse Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen fit für die digitale Zukunft machen, dürften wohl auf der sicheren Seite stehen.

Bereits jetzt dringend gefragt ist ein Job, mit dem die meisten vor nicht allzu langer Zeit wohl nicht besonders viel anfangen konnten, der Data Scientist. Die Unternehmensberater von McKinsey erwarten heuer weltweit 150.000 offene Stellen für diese Qualifikation. Diese Einschätzung scheint plausibel, beschäftigen sich Data Scientists doch mit dem größten Schatz der Unternehmen, der sich insbesondere mit der Digitalisierung der Produktion unter dem Titel Industrie 4.0 ergibt: den Daten von Kunden, Produkten und Märkten.

 

Kurzkurs zu Big Data

Die WU Executive Academy trägt dieser Entwicklung mit einem neuen Kurzlehrgang für Führungskräfte Rechnung. Ab Ende September werden die Teilnehmer an insgesamt zwölf Tagen lernen, wie sie Big Data gewinnbringend einsetzen – und zwar bereichsübergreifend. Denn Data Scientists wären, wie Barbara Stöttinger, Dekanin der WU Executive Academy, erklärt, interdisziplinäre Generalisten. „Sie müssen nicht nur die Grundlagen der Datengewinnung, -analyse und –auswertung verstehen, sondern vor allem die richtigen unternehmerischen Fragen stellen, die mithilfe von Big Data beantwortet werden sollen.“ Die Teilnehmer – Geschäftsführer, Manager aus den Bereichen Marketing, Supply Chain Management oder Finanzwesen sowie Mitarbeiter aus Branchen wie IT und Gesundheitswesen – werden anhand realer Fallstudien den gesamten Data-Science-Prozess kennenlernen, von der Datensammlung und –aufbereitung bis zur Analyse und Visualisierung. Ebenfalls auf dem Programm: Predictive Analytics sowie die rechtlichen Bedingungen der EU-Datenschutzverordnung, die am 25. Mai in Kraft tritt.

 

Industrie 4.0 für alle

Die digitalisierte Produktion ist Thema des neuen Masterlehrgangs Engineering Management der FH Technikum Wien. Das Besondere an der im Herbst startenden, berufsbegleitenden Ausbildung zu Industrie 4.0 ist, dass sie sich dezidiert auch an Nichttechniker wie Controller, Juristen, Logistikplaner oder Marketingexperten wendet. Die Ausbildung ist in enger Kooperation mit der Industrie konzipiert worden. Laut Kurt Hofstädter, Leiter von Siemens Digital Factory CEE, soll sie die Teilnehmer besonders zum interdisziplinären Schnittstellenmanagement zwischen Wirtschaft und Technik befähigen. Alternativ zum viersemestrigen Master kann zum gleichen Thema ein zweisemestriger Zertifikatslehrgang oder ein dreisemestriger akademischer Lehrgang absolviert werden.

„Die Welt hat sich durch die Digitalisierung dramatisch weiterentwickelt“, weiß Andreas Altmann, Rektor des Management Center Innsbruck (MCI). Daher müssten auch Studien anders ausschauen als früher. In Innsbruck hat man darauf reagiert, im Herbst werden dort drei neue einschlägige Masterprogramme an den Start gehen. An Entscheidungsträger und Fachkräfte richtet sich etwa der viersemestrige Studiengang „Digital Marketing & Analytics MBA“. Neben Grundlagen und Instrumenten des digitalen Marketings stehen Social Media, Digital Sales und Analytics sowie IT-Hintergründe auf dem Programm. Der MBA Digital Business und der Master Digital Economy & Leadership werden gemeinsam mit dem „Investment Punk“ Gerald Hörhan abgehalten. Während beim MBA Entwicklung und Management digitaler Geschäftsmodelle im Mittelpunkt stehen, geht es beim Master stärker um Leadership, Psychologie und digitale Transformation. Gemeinsam ist ihnen, dass sie jene Skills vermitteln sollen, die in der digitalen Arbeitswelt und zum Aufbau von digitalen Unternehmen benötigt werden. Dazu dienen Themen wie Onlinemarketing, Data Science, Machine Learning, Blockchain, Security, Datenmanagement und -schutz sowie Corporate Entrepreneurship.

 

Neue Geschäftsmodelle finden

An der Limak Austrian Business School schließlich startet im Herbst der neue MBA New Business Development in the Digital Economy. „Eine Kernfrage, die sich Führungskräfte stellen, ist, wie sie die digitale Transformation auf unterschiedlichen Ebenen im Unternehmen verwirklichen können“, erklärt Geschäftsführer Gerhard Leitner den Hintergrund der Programmentwicklung. Zusätzlich wurden an der Limak jeweils MBAs und Universitätslehrgänge zu den Themen „Digital Marketing Strategy and Communication“ und „Digital Transformation and Change Management“ ins Programm aufgenommen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.04.2018)

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