Hochzeitsplanung:Taschentücher und ausgefeilte Dramaturgien

Auch im freien Gewerbe des Weddingplanners gibt es einen Trend zur Zertifizierung. Moderne Ausbildungen reagieren mit der Vermittlung von Qualifikationen, die im Beruf den Unterschied ausmachen sollen.

Wifi-Kursleiterin Stephanie Mischak setzt auf Freude am Beruf, vermittelt aber auch Rechtswissen.
Wifi-Kursleiterin Stephanie Mischak setzt auf Freude am Beruf, vermittelt aber auch Rechtswissen.
Wifi-Kursleiterin Stephanie Mischak setzt auf Freude am Beruf, vermittelt aber auch Rechtswissen. – (c) Mischak

Der royale Prunk einer Prinzenhochzeit, wie sie an diesem Wochenende in London über die Bühne geht, mag für 99 Prozent aller Paare unerreichbar bleiben. Der Wunsch, den Bund der Ehe nach allen Regeln der Kunst zu schließen, wird jedoch auch hierzulande immer augenfälliger. Der Berufsstand der Hochzeitsplaner profitiert von einer wachsenden Zahl von Paaren, die bereit sind, in die ausgefeilte Dramaturgie und das originelle Gesamtkonzept ihrer Eheschließung einiges zu investieren.

 

Rund um die 30 traut man sich

„Zwar gibt es zur Ausgabefreudigkeit von Brautpaaren noch keine Statistiken. Jedoch beobachte ich zusammen mit zahlreichen Kollegen aus der Branche, wie sehr die Ansprüche gestiegen sind“, sagt Bianca Lehrner, die seit 15 Jahren als Hochzeitsplanerin tätig ist. Dass Paare heute bei der Gestaltung ihrer Vermählungsfeierlichkeiten spendabler sein können als früher, führt Lehrner nicht zuletzt auf das gestiegene Erstheiratsalter zurück, das laut Statistik Austria im Median bei Frauen 30 und bei Männern 32 Jahre beträgt (Daten 2016).

„Bei derzeit rund 44.000 Hochzeiten pro Jahr in Österreich erlebt man einen beständig wachsenden Markt“, sagt die studierte Betriebswirtin, die zusammen mit einer Kollegin den Lehrgang des BFI in Wien, Graz und Klagenfurt leitet. Entstanden sind eigene Berufe wie jener des Weddingdesigners oder des Hochzeitsdekorateurs. „Auch die Produkte rund um das Thema Hochzeit werden immer vielfältiger, vom personalisierten Fächer und personalisierten Schildern bis zu Hochzeitstaschentüchern für die Freudentränen oder zum Hochzeitsklopapier“, so Lehrner.

Das Angebot ist reichlich und wird in Anspruch genommen. Dieses neue Potenzial wurde von der Wirtschaftskammer erkannt, die die Berufsgruppe der Hochzeitsplaner intensiv bei der Ausübung ihrer Arbeit unterstützt – zumal Letztere die Verantwortung für immer größere Budgets tragen.

 

Berufsbild mit Zertifizierung

Entwickelt wurde eine eigene TÜV-Zertifizierung für Hochzeitsplaner. Auch Weiterbildungssymposien gehören zum neuen Programmangebot. Nicht zuletzt wurde ein eigenes Berufsbild des Weddingplanners definiert.

Eine der Voraussetzungen für die TÜV-Zertifizierung, die vor allem eine Entscheidungshilfe für die potenziellen Kunden von Hochzeitsplanern sein soll, ist die einschlägige Ausbildung an einer anerkannten Bildungseinrichtung, wie etwa am BFI oder Wifi. Der BFI-Kurs wurde jüngst um zehn Lehreinheiten zum Thema Weddingdesign erweitert und dementsprechend auf Lehrgang für Hochzeitsplanung und Weddingdesign umbenannt. Als wichtigstes Asset des Kurses sieht Lehrner dessen Praxisnähe. Es werden Gastreferenten und ein Lehrausgang sowie die Möglichkeit geboten, Hochzeitsplaner nach der Ausbildung bei Hochzeiten zu begleiten. Der Kurs läuft an vier Wochenenden und startet zum nächsten Mal im Oktober 2018.

 

Alles, was Recht ist

Ebenfalls ab Oktober wird erneut die Ausbildung zum geprüften Weddingplanner laufen, die das Wifi aktuell in sieben Bundesländern anbietet (Informationsveranstaltung des Wifi Wien am 21. Juni). Auch dieser Kurs findet berufsbegleitend an Wochenenden statt.

In der Ausbildung wird auf die vier Bereiche Hochzeitsplanung, Unternehmensgründung, Kommunikation und Recht eingegangen. „Gerade das Recht ist in der heutigen Zeit ein großes Thema“, sagt Kursleiterin Stephanie Mischak. Hier können die Teilnehmer einiges von erfahrenen Trainern lernen. „Der Kurs soll jenen einen Einblick gewähren, die sich unsicher sind, ob es das Richtige für sie ist. Für die, die sich sicher sind, fungiert der Kurs zum Beispiel als Unterstützung bei der Gründung. Am Ende gibt es eine Prüfung, die aus zwei Teilen besteht und die bei positiver Beurteilung mit einem Wifi-Diplom ausgezeichnet wird.“

Auch für Mischak sind Qualifikationen und Zertifikate eine Möglichkeit, um sich im freien Gewerbe der Hochzeitsplanung abzuheben. Auf inhaltlicher Ebene müsse ein guter Weddingplanner oftmals auf sehr schnelllebige Trends reagieren können. „Immer wieder zeigen sich aber Stilrichtungen wie Vintage oder Bohemian, die von den Brautpaaren neu und individuell interpretiert werden. Dieses Jahr heiraten die Paare auch gern an ihrem Kennenlerntag, welcher auch mitten unter der Woche sein kann“, erläutert Mischak. Gerade für einen Weddingplanner seien solche Informationen sehr wichtig. Die Blog-Redaktion auf der Wifi-Homepage führt übrigens auch Hightech-Lichtanlagen, Lounge-Bestuhlung, Bäume als Dekoration und Nachthochzeiten als Trends an, die Profis auf den Plan rufen.

 

Traumberuf – für Frauen

Eine Möglichkeit, sich durch Fernlehre zum Hochzeitsplaner ausbilden zu lassen, bietet die deutsche Akademie für Fernstudien Laudius. „Für den Kurs zum Weddingplanner verzeichnen wir etwa 350 Anmeldungen pro Jahr aus Deutschland, Österreich und der Schweiz“, sagt Axel Bruse, Pädagogischer Leiter bei Laudius. „Der Weddingplanner ist einer unserer Topkurse im deutschsprachigen Raum. Zurückzuführen ist das meines Erachtens darauf, dass es sich um einen sogenannten Traumberuf handelt, für den auch die Ausbildungshürden nicht allzu hoch sind, da es für die Ausübung der Tätigkeit keine gesetzlich geregelte Ausbildungsverordnung gibt.“ Kein Zweifel besteht übrigens daran, dass der „Traumberuf“ vor allem Frauensache ist. „Wir haben in den Kursen nur fünf bis sieben Prozent männliche Teilnehmer“, so Bruse. Ähnliches gilt für die Kurse in Österreich. Auch für Stephanie Mischak ist „diese Ausbildung tatsächlich eine Frauendomäne“.

Web: www.bfi.at, www.wifi.at, www.laudius.de

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.05.2018)

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