App in den Lernsommer

Nachhilfe. Jugendliche statt Erwachsene als Lehrer – das kann für viele Schüler den Stress deutlich mindern. Kostengünstige Nachhilfeangebote basieren auf diesem System.

Bei Fragen zum Lernstoff oder der Suche nach Nachhilfe in der realen Welt hilft heutzutage die passende  App.
Bei Fragen zum Lernstoff oder der Suche nach Nachhilfe in der realen Welt hilft heutzutage die passende  App.
Bei Fragen zum Lernstoff oder der Suche nach Nachhilfe in der realen Welt hilft heutzutage die passende App. – (c) pictworks - stock.adobe.com (J.ROFELD)

Laut AK Bildungsbarometer benötigen heuer 264.000 Kinder Nachhilfe. Das entspricht einer Steigerung von 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Kosten dafür belaufen sich auf bis zu 97 Millionen Euro. Besonders stark gestiegen ist der Anteil der Volksschulkinder, die Nachhilfe bekommen – von sechs Prozent im Vorjahr auf 14 Prozent. Gleichzeitig fungieren Eltern immer mehr als Nachhilfelehrer, nämlich für 704.000 Kinder. 2017 waren es noch 612.000. Viele holen sich zusätzliche Hilfe, sei es in Instituten, sei es privat oder online, zunehmend auch per App. Neben zahlreichen kommerziellen Angeboten gibt es auch günstige Alternativen.

So bieten vom 30. Juli bis 30. August 19 VHS Standorte in Wien Sommerlernstationen an, bei denen Schüler der öffentlichen Neuen Mittelschule und AHS-Unterstufe kostenlose Unterstützung erhalten, um sich auf den Schulbeginn oder eine Nachprüfung vorzubereiten. „Die Sommerlernstationen sind ein offenes Lernangebot für die Fächer Deutsch, Mathematik und Englisch. Die Schüler können ohne Anmeldung kommen und so lang bleiben, bis ihre Fragen beantwortet sind“, erklärt VHS-Geschäftsführer Herbert Schweiger. VHS-Lernstationen gibt es auch während des Schuljahres, die Sommerausgabe wird heuer zum dritten Mal durchgeführt. Im August 2017 wurden über 10.000 Kontakte verzeichnet.

Günstige private Nachhilfe von Schülern oder Studenten vermittelt das Non-Profit-Projekt talentify.me. „Wenn ältere mit jüngeren Schülern lernen, findet ein Peer-to-Peer-Lernen statt. Da sie die gleiche Sprache sprechen, ist der Zugang zum Lernen ein ganz anderer“, sagt Geschäftsführer Bernhard Hofer. Schüler ab 14 Jahren können auf der gleichnamigen Onlineplattform und in der zugehörigen App Lernhilfe anbieten. Über einen sicheren Kommunikationskanal können sich Schüler ab der dritten Klasse Volksschule einen sogenannten Lernbuddy suchen und ihn dann zum Lernen in der realen Welt treffen.“ Ob die Buddies dafür Geld verlangen, steht ihnen grundsätzlich frei, allerdings gibt es eine Obergrenze von zehn Euro pro Stunde. „Ob und wie die Bezahlung stattfindet, machen sich die Schüler beziehungsweise deren Eltern selbst aus, wir mischen uns hier nicht ein und bekommen auch nichts, falls ein Geldbetrag fließt“, sagt Hofer.

Eine Gratis-App, für Lernfragen stellt GoStudent zur Verfügung. Die App ermöglicht einen anonymen Zugriff auf ein Netzwerk aus qualifizierten Tutoren. „Das Angebot von GoStudent richtet sich grundsätzlich an alle Schüler in Deutschland, Österreich und der Schweiz, vor allem ab der siebenten Klasse. Wir decken dabei alle gängigen Schulfächer ab, einschließlich Französisch und Informatik“, erläutert Mitgründer Felix Ohswald. Dass der Bedarf groß ist, kann er bestätigen: „Wir verzeichnen 250.000 aktive User pro Monat. In unserem Hausaufgabenchat sind seit Ende 2016 rund eine Million Fragen diskutiert worden.“

 

Onlinekurse noch im Sommer

Und das funktioniert so: Man öffnet die App, wählt ein Fach und stellt eine Frage. Tutoren erklären dann die Herangehensweise, erarbeiten mit dem fragenden Schüler im Chat Lösungen und stellen auch Abbildungen oder Lernmaterialien bereit. „Zusätzlich zu unserem kostenlosen Hausaufgabenchat und dem Eins-zu-eins-Videounterricht erarbeiten wir im Moment ein weiteres Nachhilfeservice: Gruppenunterricht per Videochat. Die Lehrer der Plattform bieten Themen im Videounterricht an, die User können den Kurs einzeln oder als Gruppe verfolgen und mitarbeiten. Diese Funktion launchen wir noch im Lauf des Sommers.“ Ohswalds Lerntipp: „Igelt euch nicht ein, sondern lernt gemeinsam und habt keine Scheu davor, Fragen zu stellen. Niemand muss sich dafür schämen, seine Lernerfolge verbessern zu wollen.“

INFORMATION

Lerntipps:

• Lehrplan erstellen, Pausen einplanen • Unterlagen vorab sortieren, Ordnung am Lernplatz halten

• unterschiedliche Fächer hintereinander lernen

• den Stoff regelmäßig wiederholen und prüfen, ob das Gelernte sitzt

www.derpauker.at, www.talentify.me, www.gostudent.org,

www.vhs.at/gratislernhilfe

("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2018)

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