Know-how für ein leichteres Leben

Die Lebensgewohnheiten von Menschen mit starkem Übergewicht zu verändern verlangt interdisziplinäres Wissen und praxisbezogene Anleitung.

Die Teilnehmerinnen des Trainerlehrgangs zum Anti-Adipositas-Projekt „Down & Up“ lernen im Selbstversuch Methoden zur Bewegungsmotivation kennen.
Die Teilnehmerinnen des Trainerlehrgangs zum Anti-Adipositas-Projekt „Down & Up“ lernen im Selbstversuch Methoden zur Bewegungsmotivation kennen.
Die Teilnehmerinnen des Trainerlehrgangs zum Anti-Adipositas-Projekt „Down & Up“ lernen im Selbstversuch Methoden zur Bewegungsmotivation kennen. – „Down & Up“/Cavini

Dass viele in Österreich ein Gewichtsproblem haben, zeichnet sich seit vielen Jahren ab und wird regelmäßig statistisch bestätigt. Laut der jüngsten europäischen WHO-Studie ist bereits unter den Achtjährigen jeder dritte Bub und jedes vierte Mädchen adipös. Der „Österreichische Ernährungsbericht 2017“ zeigt, dass sich dieser Trend bei den Erwachsenen fortsetzt. Gegenstrategien müssen bei der Änderung der Ernährungs- und der Bewegungsgewohnheiten ansetzen. Was simpel klingt, ist im Einzelfall jedoch oft schwierig zu kommunizieren. Die Betroffenen, so ist von Ärzten zu hören, seien häufig stigmatisiert und isoliert. Manche könnten den Rat, einfach weniger zu essen und sich mehr zu bewegen, schlicht nicht mehr hören. Die Psyche ist also eine nicht zu unterschätzende Komponente. Daher müssen Adipositas-Trainer, die Übergewichtige betreuen und motivieren sollen, in verschiedenen Bereichen geschult sein. „Adipositas ist eine multifaktorielle Erkrankung und sollte interdisziplinär behandelt werden“, sagt Friedrich Hoppichler, Präsident der Österreichischen Adipositas Gesellschaft (ÖAG) und Ärztlicher Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Salzburg. Zur Ausbildung von Fachkräften, wie etwa in der Adipositasakademie (der Fortbildungsschiene der ÖAG), seien daher Qualifikationsanforderungen sowie Qualitätssicherungsstrukturen notwendig, die sich an erprobten und anerkannten Kriterien orientierten. „Es sollten ein breites, interdisziplinäres Wissen sowie praxisnahe Trainingsinhalte vermittelt, das interdisziplinäre Arbeiten erlernt, Zusammenhänge des Übergewichts verstanden werden, und durch die Ausbildung soll auch Vernetzungsarbeit betrieben werden.“

 

Zielgruppe Kinder und Jugendliche

Die einzige Ausbildung zum Adipositas-Trainer speziell für Kinder und Jugendliche, die von der Österreichischen Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ) approbiert ist, findet in Kärnten statt. Der Lehrgang ist angeschlossen an das Projekt „Down & Up“, das übergewichtigen Kindern und Jugendlichen Spaß an Bewegung, Interesse an gesunder Ernährung und psychologische Unterstützung bietet. Die Adipositas-Trainer-Ausbildung von „Down & Up“, wurde, basierend auf der entsprechenden Leitlinie der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (AGA), vor mehr als zehn Jahren von der medizinischen Leiterin von „Down & Up“, der Kinderärztin Anna Maria Cavini, ausgearbeitet und seither zusammen mit ihrem interdisziplinären Team laufend adaptiert.

Das Teilnehmerfeld habe sich bisher aus Experten der unterschiedlichsten Disziplinen aus Österreich, Deutschland und Italien zusammengesetzt, sagt die Projektkoordinatorin und psychologische Leiterin des Programms, Kerstin Kulterer-Prodnik. „Besonders stark vertreten waren dabei Ärzte, sowohl Allgemeinmediziner als auch Kinder- und Jugendfachärzte, Internisten, Physikalisten, außerdem Ernährungswissenschaftler und Diätologen. Aber immer waren auch Spezialisten aus den Bereichen Bewegung, Sportwissenschaften, Pflege, Physiotherapie und sowohl Elementarpädagogik bis zu Gymnasiumsprofessoren vertreten.“

Die Schwerpunkte der zwei Wochenendblöcke umfassenden Ausbildung liegen in der praktischen Umsetzung der Inhalte und im interdisziplinären Arbeiten. Die Kärntner Trainerausbildung für Kinder und Jugendliche soll künftig mit der bereits bestehenden Adipositasakademie der ÖAG verbunden werden. Die Adipositasakademie ist seit Jahren das Fortbildungsformat der ÖAG, wurde jedoch bisher ohne den Titel Adipositas-Trainer abgeschlossen. Aufgrund der stark zunehmenden Fallzahlen, aber auch aufgrund eines immensen Wissenszuwachses in den vergangenen Jahren habe man beschlossen, die Fortbildung komplett umzugestalten und zu vertiefen, sagt Johanna Brix. Die Fachärztin für Innere Medizin wurde zusammen mit dem Pädiater Daniel Weghuber mit der Neukonzeption betraut.

Die Adipositasakademie wird künftig mit einem zweitägigen Basismodul beginnen. Danach kann zwischen der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen oder mit Erwachsenen gewählt werden. Das Modul Kinder/Jugendliche wird weiterhin in Kärnten abgehalten, das für Erwachsene abwechselnd in Wien und Salzburg. „Adipositas mit all ihren Komplikationen wird nach wie vor zu selten als eigenes Krankheitsbild betrachtet. Häufig fällt zum Beispiel der Satz ,Adipositas ist ein Risikofaktor für . . .‘“, bemängelt Brix. Die Ausbildung soll nun Adipositas in den Mittelpunkt stellen.

Web: www.downandup.at

 

www.adipositas-austria.org

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.08.2018)

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