„Rückgrat vieler Volkswirtschaften“

Österreich ist immer noch ein Industrieland. Einschlägiges Managementwissen ist aber auch im Ausland sehr gefragt.

Manager in der Industrie müssen Wirtschaft, Technologie und Führungsskills vereinen.
Manager in der Industrie müssen Wirtschaft, Technologie und Führungsskills vereinen.
Manager in der Industrie müssen Wirtschaft, Technologie und Führungsskills vereinen. – (c) imago/allOver-MEV (imago stock&people)

Was die Industrie heutzutage an Bildungsangeboten braucht, hat im Frühjahr eine Studie unter der Leitung der FH St. Pölten erhoben. „Die betrieblichen Experten sehen Änderungen durch die Industrie 4.0 im gesamten Unternehmen und entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Und sie nehmen Industrie 4.0 als Evolution, nicht als Revolution wahr“, sagt Thomas Moser, Leiter des Projekts zur Studie sowie der Forschungsgruppe Digital Technologies der FH St. Pölten. Ganz oben steht das Thema Digitalisierung, doch auch andere Qualifikationen werden immer stärker benötigt. Neben fachlichen Fähigkeiten seien auch Prozess- und Projektmanagement, Interdisziplinarität, Kommunikation und Teamfähigkeit zunehmend gefragt, erläutert Moser.

 

Zwischen Technik und BWL

Und hier kommt Industrie-Management ins Spiel. Die Fachhochschule Joanneum bietet dazu ein Vollzeit- und ein berufsbegleitendes Bachelorstudium an, das jeweils etwa zur Hälfte Technik/IT-Wissen und Wirtschaftsinhalte umfasst sowie zusätzlich zwei Fremdsprachen für den möglichen Sprung ins Ausland. Die Absolventen sollen an der Schnittstelle von in Prozessen denkenden Technikern und in Budgets denkenden Betriebswirten arbeiten. Zum Einsatz kommen sie in vielen Industrie- und Dienstleistungsbereichen, vom Einkauf über die Produktion bis hin zu Marketing und Vertrieb.

„Trotz der Entwicklung und auch des Geredes um die Deindustrialisierung ist die Industrie nach wie vor das Rückgrat vieler Volkswirtschaften, notabene in Österreich und in Deutschland“, sagt Franz Wirl, Professor für Industrie, Energie und Umwelt am Betriebswirtschaftlichen Zentrum der Universität Wien. Dort wurde bis zum Sommersemester 2018 die Kernfachkombination Industrielles Management angeboten. Strategische Aspekte sind in diesem Bereich eine wichtige Rolle, „von der Standortwahl über die, was man selbst produziert und was man zukauft hin zu Fusionen und Langfristverträgen, Investitionen, Tarifierung und Anreizen“. Tatsächlich fungiere das Problem des Gestaltens von Anreizen als Klammer für viele Fragen in diesem Bereich, sagt Wirl.

 

Spezialisierung auf Produktion

Im Rahmen eines Betriebswirtschaftsmasters können die Studierenden beispielsweise einen Schwerpunkt im Bereich Smart Production wählen, der mit Supply Chain Management Hand in Hand geht. Auch eine Kernfachkombination Production Management ist möglich, in der fünf Module zu einem Schwerpunkt zusammengefasst werden. Studierende sollen dabei zu Experten im Design, im Betrieb und in der Steuerung von Produktionssystemen ausgebildet werden.

Jobmöglichkeiten für die Absolventen liegen laut Wirl „eher im Ausland, weil die Ausbildungen primär für größere Unternehmen gedacht sind und diese in Österreich eher beschränkt sind“. Nachsatz: „Was aber nicht heißt, dass man viele dieser Ansätze nicht auch in Unternehmen mittlerer Größe nützen kann.“

Eine Vertiefung in Industrie-Management und Innovation bietet auch das englischsprachige Masterstudium Software Engineering and Management an der Technischen Universität Graz. Dieses Fach bildet den gesamten Prozess von der Identifizierung der Anforderungen bis hin zur Inbetriebnahme und Wartung einer IT-Lösung ab. Das Ziel ist die fristgerechte Bereitstellung von zuverlässiger Software mit garantierten Qualitätsmerkmalen zu kalkulierten Kosten. Die Methoden der praktischen Informatik mit Methoden des Managements zu kombinieren, auch in der Industrie, ist das Ziel dieses Masterstudiums.

Deutlich niederschwelliger ist die Diplomausbildung IndustriemanagerIn des Berufsförderungsinstituts Steiermark, die heuer im Oktober erstmals an den Start geht: „Es handelt sich nicht um ein Studium, sondern um eine Fortbildung für Führungskräfte, Nachwuchsführungskräfte und Mitarbeiter aus dem industriell-gewerblichen Umfeld. Der Lehrgang richtet sich aber an Inhaber von produzierenden Gewerbebetrieben und Werkmeister“, erklärt Produktmanagerin Christine Bauer-Langthaler.

 

Diplomkurs in einem Semester

Die einsemestrige Diplomausbildung mit 112 Unterrichtseinheiten soll den Teilnehmern – stark praxisorientiert – Kernkompetenzen des Industrial Managements sowie die sozialen Managementkompetenzen zur Bewältigung betriebswirtschaftlicher Problemstellungen in der Industriewirtschaft vermitteln. Die Diplomarbeit zum Abschluss des Lehrgangs widmet sich einer Problemstellung aus dem beruflichen Umfeld des jeweiligen Teilnehmers.

Web: www.tugraz.at

www.univie.ac.at

www.fh-joanneum.at

www.bfi-stmk.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.09.2018)

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