Lehrgänge: Forschen für Fische, planen für Wasserkraft

Von der Konstruktion von Fischaufstiegshilfen bis zur Konzeption von Kraftwerken: Das Thema Wasser bietet eine breit gefächerte Palette an Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten. Die Absolventen sind auf dem Arbeitsmarkt begehrt.

Wasserbaulabor der Wiener Boku: Gelegen am Brigittenauer Sporn soll es ab Ende 2020 für die Experimente von Forschern, Studierenden, Schülern und Hobbytüftlern zugänglich sein.
Wasserbaulabor der Wiener Boku: Gelegen am Brigittenauer Sporn soll es ab Ende 2020 für die Experimente von Forschern, Studierenden, Schülern und Hobbytüftlern zugänglich sein.
Wasserbaulabor der Wiener Boku: Gelegen am Brigittenauer Sporn soll es ab Ende 2020 für die Experimente von Forschern, Studierenden, Schülern und Hobbytüftlern zugänglich sein. – (c) Rendering: Boku Wien

Wasser marsch! Ab dem Jahr 2021 sollen Versuche mit nachgebauten Flüssen im neu errichteten Wasserbaulabor der Boku am Brigittenauer Sporn in Wien (zwischen Donau und Donaukanal) möglich sein. Der Spatenstich für das neue Labor, in das rund 49 Millionen Euro investiert werden, erfolgte im Juni, voraussichtlich Ende 2020 soll es fertig gebaut sein. „Mit einem Durchfluss von bis zu 10.000 Litern Wasser pro Sekunde ohne Pumpen können wir kleinere Flüsse 1:1 nachbauen“, erklärt Helmut Habersack, Professor für Wasserbau und Hydraulische Modellierung an der Boku und wissenschaftlicher Leiter des neuen Wasserbaulabors. Versuche zu Hochwasser, Sedimentforschung, Forschung zu Energie & Wasserkraft, und das Testen von Fischaufstiegshilfen werden den Forscheralltag im neuen Labor bestimmen. „Die Größe wird es uns auch ermöglichen, mit Einsatzkräften etwa die Rettung von Personen aus einem Auto, das in den Fluss stürzt, zu simulieren“, sagt Habersack. Generell gehe es den Forschern darum, die Prozesse im Fluss zu beobachten, zu verstehen und auf Basis der Beobachtungen Modelle, Berechnungen und Formeln zu entwickeln, die eine nachhaltige Wasserwirtschaft unterstützen. Im Wasserbaulabor werden Studierende vom Bachelorstudium bis zu jenen, die habilitieren, tätig sein.

 

Boden, Wasser, Raum

Das thematisch passende Bachelorstudium heißt Kulturtechnik und Wasserwirtschaft. Die Wurzeln gehen zurück auf Fragestellungen der landwirtschaftlichen Ent- und Bewässerung, erzählt Programmbegleiter Reinhard Nolz. Heute basiert das Studium auf drei Säulen, „der technischen Komponente, der naturwissenschaftlichen Säule und den sozio-ökonomischen Aspekten“. Die Studierenden beschäftigen sich in sechs Semestern mit Aspekten wie bodenphysikalischen Grundlagen und Hochwasserschutz, Flussgebietsmanagement, konstruktivem Wasserbau, Siedlungswasserwirtschaft und Gewässerökologie. „Auch Raumplanung ist Teil des Studienplans, ebenso Landnutzung und nachhaltige Mobilität“, sagt Nolz. Die Absolventen des Bachelorstudiums sind auf dem Arbeitsmarkt sehr begehrt. Einen Master (an der Boku werden etwa Water Management and Environmental Engineering oder Applied Limnology angeboten) müssen Bachelor-Absolventen nicht anhängen, um einen Job zu finden.

Ein postgradualer berufsbegleitender Lehrgang, in englischer Sprache als viersemestriges Fernstudium angeboten, ist Small Hydropower for Sustainable Development an der Fachhochschule Kärnten mit Modulen wie Hydrologie, Konstruktion, elektronische und mechanische Anlagen und/oder Projektmanagement. Der Lehrgang ist fertig konzipiert und kann mit Sommersemester 2019 starten, wenn eine Mindestteilnehmerzahl von zehn bis zwölf Studierenden erreicht wird. Der Lehrgang „richtet sich an jene, die bereits über eine fachliche Vorbildung verfügen“, sagt Lehrgangsleiter Bernhard Pelikan, ein Bachelorstudium in einem verwandten Bereich oder eine jahrelange fachspezifische Tätigkeit sind Voraussetzung. Zusätzlich gibt es an der FH Kärnten auch Wasserkraftseminare im Rahmen der Summer School, „heuer zu den Themen Wasserkraft und Ökologie und Wasserkraft und Ökonomie“, sagt Pelikan. Auch fürs nächste Jahr sind solche Seminare in Planung.

Generatoren, Turbinen, Pumpen und Umweltschutz sind auch Inhalte des ebenfalls berufsbegleitenden Lehrgangs Wasserkraft an der TU Graz, der in deutscher und englischer Sprache angeboten wird. Ein Großteil des Studiums erfolgt als Fernstudium, die Präsenzveranstaltungen – in erster Linie für praktische Tätigkeiten – umfassen beim deutschen Lehrgang sechs bis acht Tage pro Semester, geblockt am Wochenende. Im englischen Lehrgang finden die gemeinsamen Tage an der Uni in einer Woche pro Semester statt, geprüft wird via Fernprüfung. „Wasserkraft ist ein Spezialthema, das in der Tiefe, die wir hier in Graz bieten, in keinem Diplomstudium möglich ist“, betont Helmut Jaberg, Leiter des Instituts für Hydraulische Strömungsmaschinen der TU Graz und wissenschaftlicher Lehrgangsleiter. Absolventen sind in der Lage, von der Konzeption, den Unterlagen für die Umweltverträglichkeitsprüfung bis hin zum Bau, dem Betrieb und der Wartung ein Wasserkraftwerk zu bauen und zu überwachen. Der nächste Lehrgang – auf Deutsch – startet im März 2019.

 

Wasserbau für alle!

Wer selbst ein kleines Wasserkraftwerk, Wasserräder bauen oder andere Experimente machen will (und nicht gleich ein ganzes Studium), der wird übrigens auch im Wasserbaulabor der Boku richtig sein. „Es wird ein ,Public Lab‘ geben“, erzählt Habersack. In diesem öffentlich zugänglichen Labor sind Schüler und Pädagogen in Ausbildung willkommen, aber unter dem Schlagwort der „Citizen Science“ auch Hobbybastler, Tüftler und Erfinder, die ihre Ideen an den modellierten Flüssen ausprobieren können – und mitbauen dürfen. Wasserbau für alle. In nicht allzu ferner Zukunft.

Info

Universität für Bodenkultur Wien, Lehrgang Kulturtechnik und Wasserwirtschaft, Master Water Management and Environmental Engineering & Applied Limnology: www.boku.ac.at

Fachhochschule Kärnten, postgradualer Lehrgang Small Hydropower for Sustainable Development:
www.fh-kaernten.at

Technische Universität Graz, berufsbegleitender (großteils als Fernstudium geführter) Lehrgang Wasserkraft:
www.tugraz.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.09.2018)

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