Multiple Krankheiten und mehr Technik

Pflegewissenschaften. Die Menschen werden immer älter, dabei aber auch umfassender krank. Das bringt Herausforderungen für die Pflege. Der medizinisch-technische Fortschritt und die Digitalisierung verändern die Branche ebenfalls.

Heute noch Zukunftsmusik: Bald werden Roboter Pflegekräfte unterstützen.
Heute noch Zukunftsmusik: Bald werden Roboter Pflegekräfte unterstützen.
Heute noch Zukunftsmusik: Bald werden Roboter Pflegekräfte unterstützen. – (c) Alexander Limbach - stock.adobe.

Zu den Herausforderungen der Zukunft zählt sicher, dass die Patienten älter und multimorbider werden. Krankheiten können daher nicht mehr isoliert gesehen und behandelt werden. Es wird komplexer und zugleich spezieller. Dazu kommt, dass es durch besser verträgliche Behandlungen möglich ist, bestimmte Operationen auch älteren Patienten zuzumuten“, sagt Agnes Wimmer, Direktorin der Kardinal-Schwarzenberg-Akademie und Leiterin der Schule für Gesundheits- und Krankenpflege in Schwarzach, die heuer ihr 60-jähriges Bestehen feiert. Neben der dreijährigen „klassischen“ Diplomausbildung bietet sie die Ausbildungszweige Pflegefachassistenz (zweijährig) sowie Pflegeassistenz (einjährig) an.

 

Neuer Campus der FH Salzburg

Im Herbst 2019 startet in Kooperation mit der FH Salzburg die Ausbildung zum Bachelor of Science in Health Studies. Dafür eröffnet die FH Salzburg in Schwarzach einen eigenen Campus mit Hörsälen, Wohnheim und Rotkreuz-Stützpunkt. „In der Ausbildung wird der Bereich Technisierung wichtig, und die Pflege muss offen, interessiert damit umgehen. Dennoch darf neben dem Erfüllen von Checklisten und Standard Operating Procedures das Interesse für den jeweiligen Patienten nicht in den Hintergrund geraten. Empathie und Zuwendung im sozialen Kontext sind und bleiben für die Pflege ganz zentrale Eigenschaften“, sagt Wimmer.

Seit 2011 kooperiert die Schule mit der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität (PMU) in Salzburg beim Bachelorstudium „Pflegewissenschaft Zwei-in-eins-Modell“. Diese Form der Ausbildung ermöglicht Maturanten, in sieben Semestern sowohl das Diplom zum Gehobenen Dienst der Gesundheits- und Krankenpflege als auch den Bachelor of Science in Nursing zu erwerben. Dasselbe Bachelorstudium gibt es in Bayern mit dort angesiedelten Partnern. Daneben können Interessierte auch den Bachelor in Pflegewissenschaften online sowie einen Master in Advanced Nursing Practise und in Pflegewissenschaften machen.

„In Österreich ist es höchste Zeit, dass die Pflege sich endlich an internationale Standards anpasst. Wir sind diesbezüglich ein Entwicklungsland. Je besser gebildet das Pflegepersonal ist, umso niedriger ist die Mortalitätsrate. Es geht um die Akademisierung – Bachelor, Master und Doktorat der Pflege. Ab Ende 2019 werden wir an der PMU unser bisheriges Doktoratsprogramm um eines des Docotor of Nursing Practice erweitern“, sagt Anna Maria Dieplinger. Sie leitet den Masterstudiengang Pflegewissenschaften und weiß, dass es auch ums Geld geht: „Ressourcen sind knapp, und so muss an allen Ecken und Enden gespart werden. Eine alternde Gesellschaft zeigt auf, dass die pflegerische Versorgung wesentlich aufwendiger und komplexer wird. Waren Patienten in der Vergangenheit wegen eines Leidens in der Klinik oder in Betreuung, so sind es heute viele Erkrankungen, die oft fatal zusammenspielen.“ Daher lernten die Studierenden strategisches Denken, aber auch das Erkennen von Einflussfaktoren, um entsprechend agieren zu können.

 

Steigende Anforderungen

„Pflegepersonen stehen heute zunehmend Problemstellungen gegenüber, die einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung bedürfen. Vor allem der rasante medizinisch-technische Fortschritt, neue Diagnoseverfahren, die natürliche Bevölkerungsentwicklung und Migration, steigende Ansprüche von immer besser informierten Patienten sowie die zunehmende Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit, lassen die Anforderungen an eine professionelle Pflege stetig steigen“, sagt Christa Them. Sie leitet das Institut für Pflegewissenschaft an der Tiroler Privatuniversität für Gesundheitswissenschaften, medizinische Informatik und Technik Umit. Dort kann man einen Bachelor, Master und Doktor in Pflegewissenschaften machen. Darüber hinaus können ab sofort zwei Universitätslehrgänge für Lehraufgaben beziehungsweise Führungsaufgaben in der Gesundheits- und Krankenpflege belegt werden.

„Wir befinden uns in den Pflegewissenschaften durch den medizinischen und pflegerischen Fortschritt in einem permanenten Change-Management-Prozess“, sagt Heide Maria Jackel, Leiterin des Bachelorstudiengangs Gesundheits- und Krankenpflege an der FH Gesundheitsberufe Oberösterreich. Dazu komme, dass die Menschen zwar immer länger gesund blieben, dann aber in den letzten Lebensjahren umso intensiver betreut werden müssten. Darauf bereite das duale Studium als Mischung aus Theorie und Praxis vor. Auch die Digitalisierung sei dabei ein Thema: „Noch scheint der Pflegeroboter weit entfernt. Doch in der Geriatrie wird er bereits heute eingesetzt. Für die ab etwa 1960 Geborenen wird er zur Begleitung und Positionierung schon eine Rolle spielen“, erklärt Jackel. Deshalb nehme das Curriculum darauf Rücksicht, dass Pflegekräfte künftig auch Roboter programmieren müssten. Das Wissen könne zwar nicht unmittelbar angewendet werden, aber die Studierenden würden für die Entwicklungen sensibilisiert.

Web:www.kh-schwarzach.at,

 

www.umit.at,

 

www.fh-gesundheitsberufe.at,

 

www.pmu.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.10.2018)

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