Nicht mehr rein verkaufsorientiert

Die Immobilienpreise scheinen immer weniger den verfügbaren Einkommen zu entsprechen. Harte Zeiten für Immobiliendienstleister, die sich aber vorbereiten können.

Neben dem Abschluss zählen zunehmend auch Beratung sowie professionelle Abwicklung.
Neben dem Abschluss zählen zunehmend auch Beratung sowie professionelle Abwicklung.
Neben dem Abschluss zählen zunehmend auch Beratung sowie professionelle Abwicklung. – (c) imago/Westend61 (gpointstudio)

Immobilienmakler sind heutzutage nicht mehr nur Verkäufer, sondern auch Berater – für die Interessenten einerseits und die Vermieter oder Verkäufer andererseits“, sagt Peter Höflechner, Leiter des Fachbereichs Immobilienmanagement an der FH Wiener Neustadt. Oft müssten sie auch gegen ihre eigenen Interessen agieren, um seriös zu bleiben: „Das gilt beispielsweise für die Situation, wenn man einem Interessenten rät, noch ein bisschen mit einer Investition zu warten.“ In seinen Augen ist dieses Verhalten ein Qualitätsmerkmal für den Makler, genauso wie ein einschlägiges Studium: „Wer etwa einen Bachelor in Immobilienmanagement hat, zeigt, dass er wirkliches Interesse am Thema hat.“ An der FH Wiener Neustadt kann man sich im Rahmen des Masterstudiums Wirtschaftsberatung und Unternehmensführung auf Immobilienmanagement spezialisieren. Zwei Pflichtpraktika sind vorgesehen, die in Hausverwaltungen oder Maklerbüros stattfinden. Idealerweise entstehen dabei Themen für die Masterarbeit. „Danach zieht es unsere Absolventen ins Asset Management, zu Bauträgern oder Immobilienentwicklern. Immer stärker nachgefragt werden auch Immobilienbewerter“, sagt Höflechner.

Die Austrian School of Applied Studies ASAS bietet ein Fern-Masterstudium Immobilienmanagement an, das die Managementkompetenzen von Führungskräften der Branche erweitern soll. Die Themen sind Immobilienmanagement, -verwaltung und -investment, Bauordnung, Raumordnungsgesetze oder Immobilienbewertung. Darüber hinaus bietet die ASAS einen Expertenlehrgang für künftige Immobilienmanager an. „Die Absolventen der Lehrgänge sind als Immobilientreuhänder selbstständig oder in Immobilienkanzleien angestellt tätig, gelegentlich auch in Banken oder Versicherungen“, erklärt Martin Stieger, früherer Geschäftsführer und nun Konsulent der ASAS.

Unterschätzter Beruf

Grundsätzlich werde der Beruf unterschätzt. In einem Immobilienmakler einen reinen Verkäufer zu sehen, greife zu kurz. Vielmehr gehöre zur Vermittlung von Immobiliengeschäften neben Kauf, Verkauf und Tausch von Immobilien auch, dass Makler in der Lage sein müssen, „Energieausweise, Grundbuchauszüge, Bebauungspläne und Flächenwidmungspläne zu lesen, Bewertungen vorzunehmen, Exposés zu erstellen und Verhandlungen zu führen.“ Die Immobilienmanagement-Lehrgänge der ASAS dauern jeweils drei Semester. Nach dem Abschluss und einem Jahr Branchentätigkeit erhält man automatisch den Gewerbeschein für Immobilienmakler und -verwalter.

„Aus einem ursprünglich fast ausschließlich verkaufsorientierten Berufsbild hat sich eine fachlich anspruchsvolle Beraterprofession entwickelt“, sagt Markus Gramann, Studiengangsleiter für Immobilienmanagement an der Privatuniversität Schloss Seeburg.

Makler als Kundenmanager

Der Makler trete als „Kundenmanager“ auf und stelle idealerweise einen professionellen und reibungslosen Ablauf der gesamten Immobilientransaktion sicher. Die Privatuniversität bietet drei einschlägige Ausbildungen an: eine Spezialisierung auf Immobilienmanagement im Rahmen eines BWL-Bachelorstudiums sowie zwei berufsbegleitende Ausbildungen zum Immobilienmakler oder Immobilienmanager. Letztere dauern mindestens zwei Semester, können jederzeit inskribiert werden und setzen stark auf E-Learning. „Unsere Absolventen arbeiten zum Großteil in Unternehmen der Immobilienwirtschaft, aber auch in Banken und Architekturbüros sowie als selbstständige Unternehmer.“

Drei Studien zum Thema hat auch die FH Wien der WKW im Portfolio. Das Bachelorstudium Immobilienwirtschaft bildet Makler und Hausverwalter aus, das Masterstudium Immobilienmanagement bringt Projektentwickler und Immobilientreuhänder hervor. Zusätzlich gibt es ein Masterstudium zu Real Estate Investments. „Makler brauchen heutzutage ein gutes Verständnis für den Markt und ein Gefühl für den Kunden“, sagt Studiengangsleiter Klemens Braunisch. Gute Makler seien immer Dienstleister, stimmt Rainer Altmann zu. Er leitet den Universitätslehrgang Real Estate Management an der Donauuni Krems, der innerhalb von vier Semestern neun Modulwochen umfasst. Themen sind dabei unter anderem Projektentwicklung, Asset Management und Immobilienfinanzierung. Die meisten Absolventen kehrten wieder in ihren Arbeitsbereich zurück: „Sie sind bei Eigentümern in Immobilienabteilungen tätig oder besitzen selbst mehrere Immobilien. Wir haben auch einige Wohnungs- und Gewerbemakler“, sagt Altmann. Derzeit planten viele, in der Projektentwicklung stärker tätig zu werden, auch Mitarbeiter von Finanzierungsinstituten und Hausverwaltungen seien unter den Studierenden zu finden.

Web: www.uni-seeburg.at  www.donau-uni.ac.at,
www.fhwn.ac.at, www.fh-wien.ac.at, http://asasonline.com


[OZYG7]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.12.2018)

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