MBA-Bewerbung: Der harte Weg zum Wunschprogramm

Die Aufnahmequote bei den internationalen Top-Business-Schools liegt bei nur etwa 20Prozent. Bewerber, die neben fachlicher Qualifikation auch landesspezifisches Know-how mitbringen, haben gute Chancen.

MBABewerbung harte Wunschprogramm
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„Erklären Sie doch bitte noch einmal ganz genau: warum gerade unsere Business School?“ Nicht selten werden Bewerber mit Fragen wie diesen auf ihre Eignung für ein internationales MBA-Programm geprüft. Nicht ohne Grund. „Mit dem MBA einer internationalen Top-Business-School in der Tasche kann man in der Regel aus mehreren Jobangeboten wählen“, sagt Jörn Meissner, Gründer von Manhattan Review und Lehrender im MBA-Programm der Lancaster University Management School.

 

Stimmige Unterlagen

Entsprechend groß ist der Andrang auf die begehrten Plätze. „An den internationalen Elite-Business-Schools werden nur etwa zehn bis 20Prozent der Bewerber aufgenommen“, weiß Ursula Koller, Managing Partner von LBC Institute. Um sich bei der Zulassung gegen die Konkurrenz durchzusetzen, gelte es, die positiven Eigenschaften ausreichend hervorzuheben, sich auf landesspezifische Unterschiede einzulassen und dabei sympathisch und kompetent zu wirken. „Stimmige Bewerbungsunterlagen sind für die Zulassung viel wichtiger, als uns dies im deutschsprachigen Raum bewusst ist“, mahnt Meissner. Es komme den Business Schools eben nicht nur auf akademische Noten und Arbeitszeugnisse an.

Im Gegenteil: „Die Leistungen im Bewerbungsverfahren selbst sind wesentliche Entscheidungskriterien.“ Wer das verstanden hat, sich auf die Schwerpunkte der jeweiligen School konzentriert und außerdem begreift, wie er seine Bewerbung auf Hochglanz polieren kann, habe einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil. So steht der unternehmerische Geist der Bewerber in Stanford klar im Vordergrund. An der Columbia Business School in New York, wo überhaupt nur 2,5Prozent der Bewerber zugelassen werden, legt man Wert auf Erfahrung im Finanzbereich. Bewirbt man sich für ein MBA-Programm in einem der BRIC-Staaten wie Indien, Brasilien, Russland oder China, wird Experten zufolge Bescheidenheit im Auftreten geschätzt.

 

Worauf es ankommt

„Jede Business School und jeder Standort haben ihre eigenen Anforderungen“, bestätigt Marita Böhme, Language Center Director bei Berlitz. Bewerber sollten daher landesspezifische Gepflogenheiten im Bewerbungsverfahren beachten. So sei es an englischen Hochschulen üblich, ein persönliches Empfehlungsschreiben eines Professors der österreichischen Stammuniversität oder FH beizulegen. Im angelsächsischen Raum zählen grundsätzlich enthusiastische Empfehlungsschreiben. „Geburtsdatum, Familienstand oder Foto gibt es in amerikanischen Lebensläufen gar nicht mehr“, erklärt die deutsche Karriereberaterin Svenja Hofert. Auch im deutschsprachigen Raum werde man sich künftig verstärkt am angelsächsischen Modell orientieren, was früher oder später das Ende des hierzulande üblichen tabellarischen Lebenslaufes bedeuten werde.

 

Passende Antworten

Ein sehr guter GMAT-Score (Graduate Management Admission Test), der als einziges objektives Vergleichsinstrument herangezogen werden kann und besondere analytische Fähigkeiten erahnen lässt, ist wohl die wichtigste Voraussetzung für die Zulassung zu einem internationalen MBA-Programm. An zweiter Stelle rangieren Essays, Berufserfahrung und Letters of Recommendation. „Darin sollten berufliche und persönliche Stärken möglichst enthusiastisch beschrieben werden, und zwar so, dass die Eignung für das jeweilige MBA-Programm daraus hervorgeht“, betont Michelle Gross vom Trainingsinstitut Spidi. „Wichtig ist, dass die einzelnen Bestandteile der Bewerbung ein stimmiges Bild ergeben. Ich würde den Bewerbern anraten, die Antworten auf den Schwerpunkt der jeweiligen Business School zuzuschneiden.“ Ebenso unterschiedliche Sprachzertifikate wie Cambridge-Zertifikate, Toefl-Test oder IELTS sind eine Grundvoraussetzung. „Je nach Schule ist die geforderte Mindestpunkteanzahl unterschiedlich“, ergänzt Marita Böhme.

 

Persönliche Interviews

Immer mehr Business Schools führen auch persönliche Interviews durch, wobei die Gewichtung der Interviews stark von der jeweiligen Schule abhängt. „Meiner Meinung nach sollten Bewerber die Gelegenheit eines Interviews nutzen“, sagt Meissner, der darin eine echte Chance sieht, gleichwertigen Mitbewerbern davonzuziehen. „Die Interviews laufen sehr unterschiedlich ab, von harmonisch bis stressauslösend. Wichtig ist, dass die Antworten mit den Essays übereinstimmen.“ Trockentrainings mit erfahrenen Bewerbungscoaches seien da in jedem Fall hilfreich. Was die Fragen betrifft, so seien diese zumindest bei den renommierten Business Schools mehr oder weniger deckungsgleich. „Im Rahmen der internationalen Standardisierung von Ausbildungsprogrammen sollten sich zumindest europaweit einheitliche Bewerbungskriterien durchsetzen“, meint Böhme.

 

Fertige Vordrucke

Vorgefertigte Standardbewerbungsformulare verwendet beispielsweise die Webster University für das Global MBA Program, wo innerhalb eines Studienjahres fünf MBA-Standorte, vier davon in Europa und einer in China, bereist werden. „Wir wenden ein einschließendes Verfahren an“, erklärt Pressesprecherin Petra Adams. „Die fachlichen Qualifikationen der Bewerber werden sorgfältig überprüft. Werden diese erfüllt, können mangelnde Englischkenntnisse ein Ausschließungsgrund sein.“ Die Bewerbung für ein internationales MBA-Programm ist Ursula Koller zufolge doch immer auch eine interkulturelle Interaktion. „Wir können von individuellen Begegnungen zwischen Personen ausgehen, die unterschiedliche Wertesysteme, Verhaltensmuster und Einstellungen mitbringen.

Und obwohl die Grenzen zwischen den Kulturen immer fließender werden und wir uns häufig in der gemeinsamen Businesssprache Englisch unterhalten, kommen kulturelle Unterschiede vor allem im persönlichen Gespräch zutage.“ Um interkulturell kompetent zu agieren, solle man sich im Rahmen der Vorbereitung auf die Bewerbung gezielt in landesspezifische Unterschiede vertiefen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.03.2010)

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