Von Business bis Buddha

Das Bachelor-Studium Psychologie an den heimischen Universitäten ist jedes Jahr „überbucht“. Auch spezialisierte (Master-)Studien und Lehrgänge sind gefragt.

Nicht nur der Umgang mit Störungen, auch Kommunikation, Positive Psychologie und Achtsamkeit werden gelehrt.
Nicht nur der Umgang mit Störungen, auch Kommunikation, Positive Psychologie und Achtsamkeit werden gelehrt.
Nicht nur der Umgang mit Störungen, auch Kommunikation, Positive Psychologie und Achtsamkeit werden gelehrt. – (c) imago/Ikon Images (Roy Scott)

Die klassischen Psychologie-Studien an den Universitäten sind recht überlaufen, Aufnahmeverfahren zum Bachelor mehrfach „überbucht“. Ein Umstand, der sich teilweise in spezialisierteren Ausbildungen zum Thema fortsetzt. „Wir können 25 von 125 Bewerbern aufnehmen“, sagt Markus Peschl, Programmdirektor des Joint-Master-Programms „Middle European Interdisciplinary Master Programme in Cognitive Science“. Es wird von vier Hochschulen getragen: der Universität Wien, der Comenius-Universität Bratislava, der Eötvös-Loránd-Universität Budapest und der Universität Ljubljana. Mindestens ein Semester müssen die Master-Anwärter an einer dieser Hochschulen verbringen, den Abschluss bekommen sie von allen Universitäten. „Wer als Psychologe Kognitionswissenschaft studiert, hat einen breiteren Zugang zur eigenen Thematik und findet später auch breitere Betätigungsfelder“, sagt der Programmdirektor. Der englischsprachige Studiengang betrachtet Phänomene aus einem interdisziplinären Blickwinkel, der Psychologie und Linguistik, künstliche Intelligenz und Wirtschaft, Philosophie und Anthropologie sowie Neurowissenschaften und Pädagogik umfasst.

 

Verstehen und vertrauen

Einen fokussierteren Zugang bietet der Masterstudiengang Wirtschaftspsychologie der Sigmund-Freud-Privatuniversität. „In der Wirtschaftspsychologie rückt der wirtschaftende Mensch in den Vordergrund – sei es als Konsument, Unternehmer, Angestellter oder Arbeitssuchender. Wirtschaftspsychologen dienen privaten und öffentlichen Unternehmen, um die psychologische Nachhaltigkeit der Prozesse zu stärken“, erklärt Tarek el Sehity, wissenschaftlicher Leiter des Studiengangs. Dabei geht es vielfach um das Kommunizieren von Unternehmenszielen. Auch bei größeren Umstrukturierungen und Konflikten sei Wirtschaftspsychologie sinnvoll: „Das zentrale psychologische Thema berührt die Rolle des Vertrauens in Handelsbeziehungen; wie es herzustellen und zu pflegen ist. Oft wird dies leider erst erkannt, wenn es bereits verloren wurde. Ein psychologisch geschulter Blick erleichtert eine präventive Perspektive.“ Nicht umsonst zähle der Wirtschaftspsychologe oder Industrial-Organizational Psychologist zu den am schnellsten wachsenden Berufsfeldern im kommenden Jahrzehnt, meint el Sehity.

Eine Berufsausbildung für Psychologie-Absolventen bietet die Österreichische Akademie für Psychologie mit den Lehrgängen in Klinischer und Gesundheitspsychologie an. „Klinische Psychologen stellen unter anderem Diagnosen hinsichtlich psychischer Störungsbilder, beraten und behandeln Patienten. Gesundheitspsychologen stellen eher Präventionsmaßnahmen wie Lebensstilveränderung, Raucherentwöhnung oder Burn-out-Vermeidung in den Fokus“, sagt Geschäftsführerin Andrea Nechtelberger. Die Kooperation mit der FH Kärnten ermöglicht die Kombination der Berufsausbildung mit einem Master-Abschluss.

Ein gelungenes Leben in den Mittelpunkt stellt die Positive Psychologie, die hilft, Stärken zu entdecken und auszubauen. „Die Psychologie ist zu einer Wissenschaft der Krankheit geworden“, sagt Philip Streit, Psychotherapeut, Psychologe und Geschäftsführer des Instituts für Positive Psychologie und Mentalcoaching, das Menschen mit oder ohne fachspezifischen Hintergrund in dieser Spezialdisziplin ausbildet. An der Pro-Juventute-Akademie wird die Ausbildung in zwei Stufen angeboten, nach einer Basisausbildung in drei Modulen folgt ein Aufbaulehrgang, der berufliche Anwendungsgebiete in Wirtschaft oder an Schulen beleuchtet. „Die Positive Psychologie arbeitet auf fünf Ebenen, den Emotionen und Stärken, dem Sinn und den Beziehungen. Und harte Arbeit gehört auch dazu.“

Einen gelassenen und friedvollen Geist unterstützen will auch der Diplomlehrgang Buddhistische Psychologie, der vom Tibetzentrum des Dalai-Lama angeboten wird. Er dauert ein Jahr und endet mit einem Zertifikat, das gemeinsam mit der Central University of Tibetan Studies in Varanasi/Indien ausgestellt wird.

 

Bewusstsein durchleuchten

„Die buddhistische Psychologie, auch ,Wissenschaft des Geistes‘ genannt, beschäftigt sich vorrangig mit den Aspekten des Bewusstseins. Es geht um störende Emotionen wie Wut, Neid oder Stolz ebenso wie um die heilsamen Geisteszustände wie Achtsamkeit, Vertrauen und Gewaltlosigkeit“, erläutert Monika Eisenbeutel, Leiterin der Bereiche Finanzen und Bildung am Tibetzentrum. Der Lehrgang wird großteils als Fernstudium angeboten. Er ist unabhängig vom buddhistischen Glauben und offen für jede Weltanschauung oder religiöse Zugehörigkeit. „In der Vergangenheit besuchten diesen Lehrgang vor allem Menschen aus dem Gesundheits- und Bildungsbereich, für die eigene Psychohygiene und um ihre Klienten besser betreuen zu können. In letzter Zeit beginnen sich auch Personalentwickler dafür zu interessieren“, sagt Eisenbeutel.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.12.2018)

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