Lebensberatung: Stütze in einer bedrohlichen Welt

Die Branche der Lebens- und Sozialberater ist heute mit zertifizierten Ausbildungen professionalisierter, die behandelten Themen sind breiter geworden.

Ein Lebensberater braucht Empathie ebenso wie Fachwissen.
Ein Lebensberater braucht Empathie ebenso wie Fachwissen.
Ein Lebensberater braucht Empathie ebenso wie Fachwissen.talking to patient – (c) Getty Images/iStockphoto (KatarzynaBialasiewicz)

Als ich 1997 das Gewerbe angemeldet habe, waren wir eine sehr kleine Berufsgruppe, die kaum jemandem bekannt war. In den letzten 20 Jahren hat sich schon einiges getan. Das Berufsbild insgesamt ist klarer und professioneller geworden und hat sich neben der psychotherapeutischen und psychologischen Versorgung als eine weitere Säule der Gesundheitsvorsorge in Österreich etabliert“, sagt Roswitha Wagner. Sie leitet den Ausbildungsgang zu Lebens- und Sozialberatung an der Vitalakademie in der Steiermark.

 

Bezeichnung nicht einheitlich

Diese Diplomausbildung wird im Rahmen der Akademie auch in Wien, Linz und Innsbruck angeboten. „Wir sind noch längst nicht auf dem Zenit angekommen“, sagt Wagner und verweist auf „die Notwendigkeit, den Herausforderungen unserer Gesellschaft, die immer komplexer und schnelllebiger wird, standzuhalten, sich ihnen vielleicht auch entgegenzustellen und sie dadurch zu verändern“. Das garantiert laut Wagner, dass Berufe, die dabei Unterstützung bieten, ihre Berechtigung haben.

In der Ausbildung stehen neben Grundlagen der Lebensberatung, zu denen auch die Abgrenzung zu verwandten Berufen und zur Psychiatrie gehört, unterschiedliche Methoden der Beratung, Krisenintervention sowie betriebswirtschaftliche und rechtliche Grundlagen auf dem Lehrplan. Der Diplomlehrgang wird in Wochenendmodulen abgehalten und dauert anderthalb Jahre.

Vielfach werden die Lehrgänge in diesem Bereich auch unter dem Titel „Psychologische Beratung“ angeboten – so beispielsweise an der Wiener Lebensberater-Akademie oder an der Österreichischen Akademie für Psychologie. Auch der Begriff „Psychosoziale Beratung“ findet sich oft, etwa bei der Steirischen Gesellschaft für Lebens- und Sozialberatung/Psychosoziale Beratung. Einen Universitätslehrgang dazu bietet die Arge Bildungsmanagement, Institut für Beratungs- und Managementwissenschaften der Sigmund Freud Privatuniversität, an. „Die Menschen in unserer Gesellschaft werden zunehmend gebildeter, informierter und emanzipierter. Die Klienten kommen mit der berechtigten Anspruchshaltung in die Beratung, dass auf ihre Anliegen differenziert eingegangen wird. Als Antwort darauf muss die Ausbildung spezialisierter und qualitativer werden“, sagt Klaus Rückert, Leiter der Arge. Ein anderer Punkt sei die zunehmende Säkularisierung, womit das Leben im Hier und Jetzt wichtiger werde. „Daraus entstehen neue Anspruchshaltungen an das Leben, Verzichts- und Demutshaltungen verschwinden. Gleichzeitig entstehen Sehnsüchte nach einer neuen Spiritualität.“ Inhaltlich stehen neben Grundlagen und Methoden verschiedene Wissenskulturen und Feldforschung auf dem Programm. Für die Lebens- und Sozialberater gehe es darum, die spezielle Lebenssituation der Ratsuchenden zu erfahren und sich in sie einzufühlen: „Das beinhaltet die Wahrnehmung und Einbeziehung der gegenwärtigen sozialen und politischen Rahmenbedingungen, zum Beispiel die steigende Verunsicherung durch Klimawandel, Digitalisierung, drohenden Jobverlust, Kulturwandel, Angst vor Migranten und als Folge davon die konservative Wende in der Politik und den Ruf nach dem starken Mann“, beschreibt Rückert. Der Universitätslehrgang dauert fünf Semester, in einem weiteren Semester kann man den Mastertitel erwerben.

„Lebensberater brauchen Empathie genauso wie Fachwissen, etwa darüber, wie eine Beratung aufgebaut werden muss und wie der Klient das Gefühl bekommt, mit seinen Problemen gut aufgehoben und sicher zu sein“, erklärt Klaus Gstirner, Leiter des Diplom-Lehrgangs „Psychologischer Berater/Lebens- und Sozialberater“ an der Europäischen Akademie für Logotherapie und Psychologie.

 

Neue Themenfelder

In den vergangenen Jahren seien etliche Themen neu in das Tätigkeitsfeld eingeflossen, beispielsweise Mobbing, Partnerschaft und Arbeit, aber auch Männlichkeit und selbstbewusste Frauen. „Immer wichtiger ist auch die Burn-out-Problematik geworden“, sagt Gstirner. Lebensberater hätten ein großes Handlungsspektrum, das in vielen Bereich, etwa in der Wirtschaft, sinnvoll einzusetzen wäre. „Die Ausbildungen werden immer besser, auch weil viele Institutionen inzwischen zertifiziert sind. Und dadurch verbessert sich auch das Image, das lang mit Handauflegen assoziiert wurde.“ Der Lehrgang wird in Linz, St. Pölten, Graz und Klagenfurt angeboten und umfasst insgesamt 30 Module in fünf Semestern. Die gelehrte Methode ist Logotherapie und Existenzanalyse nach Viktor Frankl.

INFORMATION:

Links zu Ausbildungsangeboten (Auswahl):

www.lebensberater.at

www.ealp.at

www.bildungsmanagement.ac.at

www.vitalakademie.at

www.wilak.at

www.aap.co.at

www.bfi.at

www.ifge.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.03.2019)

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