IT will gelernt sein

Drei neue Lehrausbildungen sollen den Einstieg in die digitale Arbeitswelt erleichtern. Ein weiterer Motor für mehr IT in der Lehre ist Industrie 4.0.

Der neue Lehrberuf Informationstechnologie kümmert sich vor allem um die IT-Infrastruktur.
Der neue Lehrberuf Informationstechnologie kümmert sich vor allem um die IT-Infrastruktur.
Der neue Lehrberuf Informationstechnologie kümmert sich vor allem um die IT-Infrastruktur. – Getty Images/Casarsa Guru

Sie sind die Newcomer unter den Lehrberufen, die drei im Vorjahr neu geschaffenen digitalen Lehrberufe Applikationsentwicklung – Coding, E-Commerce-Kaufmann/frau sowie Informationstechnologie – Betriebstechnik bzw. Informationstechnologie – Systemtechnik. Ein Teil von ihnen ist die Weiterentwicklung bereits bestehender Berufsausbildungen. In Summe werden in diesen Berufen 222 Lehrlinge ausgebildet (Stand: 1. Februar2019). Dass es künftig noch deutlich mehr werden, davon ist Erich Huber, Leiter der Lehrlingsstelle in der Wirtschaftskammer Wien, überzeugt. „Die neuen digitalen Lehrberufe können erst seit September absolviert werden, zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Lehrverträge schon unter Dach und Fach.“ Mit dem Start des neuen Lehrjahrs sollten daher wesentlich mehr Jugendliche in den neuen Ausbildungsschienen starten. Derzeit gibt es in Wien 15 Betriebe, die Applikationsentwicklung-Coding-Lehrlinge aufnehmen, ebenso viele Unternehmen bilden im Bereich E-Commerce-Kaufmann/frau aus – und in Wien gibt es in beiden Sparten der Informationstechnologie in Summe 33 Lehrverträge. „Die Unternehmen suchen in diesen Bereichen junge Menschen mit guter Allgemeinbildung, auch Maturanten sind hier gefragt“, berichtet Huber.

 

Wartung mit Virtual-Reality-Brille

In den neuen digitalen Lehrberufen werden Jugendliche auch beim Linzer Stahlkonzern Voestalpine aufgenommen. Das Unternehmen setzt bereits seit Längerem auf ein Ausbildungsprogramm zum Thema Industrie 4.0, um Jugendliche schon während ihrer Lehre mit den Technologien von morgen vertraut zu machen. Im Ausbildungszentrum in Kapfenberg sind nicht nur 3-D-Drucker zu Lehrzwecken im Einsatz, auch Schulungsroboter warten auf die Bedienung durch die Lehrlinge. Im Ausbildungszentrum der Steel Division in Linz steht unter anderem der Umgang mit Virtual-Reality-Brillen auf dem Lehrplan. Diese werden für Wartungsarbeiten eingesetzt, auch die Instandhaltung von Geräten mit digitaler Unterstützung wird gelehrt und gelernt. Mithilfe einer Testproduktionsanlage nach neuesten Standards können die Lehrlinge auch die Programmierung und Fehlerbehebung an einer Industrie-4.0-Anlage üben. Franz Rotter, Vorstandsmitglied der Voestalpine AG und Leiter der High Performance Metals Division, dazu: „Hochqualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bilden die Basis für unseren internationalen Unternehmenserfolg. Daher hat insbesondere die Vorbereitung zukünftiger Fachkräfte auf eine zunehmend digitale und vernetzte Arbeitswelt bei uns schon während der Lehrausbildung oberste Priorität.“

Dass IT-Fachkräfte händeringend gesucht werden, betont WKW-Experte Huber. „In der IT-Branche hat die Lehre noch wenig Tradition, etwa im Vergleich zum Handwerk, wir beraten daher auch viele Unternehmen, wie sie die duale Ausbildung in ihrer Firma implementieren können.“ Und in Kooperation mit dem Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds Waff werden die digitalen Lehrberufe auch im zweiten Bildungsweg für Erwachsene angeboten. „Wir sprechen im Rahmen eines gemeinsamen Projekts gezielt Unternehmen an, in denen noch nie oder schon lang nicht mehr ausgebildet wurde, und wollen damit auch Scheu und Schranken vor der Lehrausbildung abbauen.“ Da die Digitalisierung in vielen anderen Lehrberufen und Branchen ebenfalls Thema ist,werden der Reihe nach alle Lehrausbildungen überarbeitet und aktualisiert. „In der Baubranche wird es immer üblicher, die Pläne auf einem Tablet zu haben“, nennt Huber ein Beispiel.

Bei den drei neuen Lehrberufen konzentrieren sich „Applikationsentwicklung – Coding“ auf die Programmierung von Software und Apps, während Informationstechniker sich schwerpunktmäßig mit der Hardware befassen, also mit Server, Router, aber auch mit Druckern und Ähnlichem. Mehr als 40 offene Lehrstellen waren für die beiden neuen Informationstechnologieausbildungen (österreichweit) Mitte März im E-Job-Room auf der AMS-Homepage ausgeschrieben.

Auf dem Lehrplan des E-Commerce-Kaufmanns stehen Themen wie Online-Marktforschung, Shopmanagementsysteme und Onlineshops, deren Benutzerfreundlichkeit oder Kenntnis der Kriterien für die Barrierefreiheit eines Onlineshops.

Laut Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck sollen die neuen Lehrberufe neue Zielgruppen ansprechen. Zudem will sie sukzessive alle 200 Berufsbilder überarbeiten und das positive Macher-Image stärker vermitteln.

Web: https://lehrbetriebsuebersicht.wko.at/, https://it-lehre.wien, https://jobroom.ams.or.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.04.2019)

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