Fachsprache, Roboter-Battle und Selbstreflexion

So manche Schulen mit Mint-Schwerpunkt bemühen sich, ihre Schüler besonders für diesen Bereich zu motivieren und bei Lernschwierigkeiten zu unterstützen. Drei Beispiele.

Im Rahmen einer IT-Projektwoche an der FH Salzburg bauen Schüler im Team Roboter, die dann in einer Battle gegeneinander antreten.
Im Rahmen einer IT-Projektwoche an der FH Salzburg bauen Schüler im Team Roboter, die dann in einer Battle gegeneinander antreten.
Im Rahmen einer IT-Projektwoche an der FH Salzburg bauen Schüler im Team Roboter, die dann in einer Battle gegeneinander antreten. – FH Salzburg/Wildkind

Die Nachfrage nach Fachkräften wie Akademikern im Mint-Bereich kann gerade für Kinder aus Migrantenfamilien, die in der Unterstufe oft noch mit der deutschen Sprache kämpfen, große Chancen bedeuten. Will man dieses Potenzial heben, ist jedoch ein Aspekt nicht zu unterschätzen: Für eine Karriere in der Technik, Informatik oder Naturwissenschaft braucht es neben fachlichen auch gute Englischkenntnisse. Deswegen sei ein Mehr an Englisch im Unterricht höchst sinnvoll, meint Edith Hülber, Direktorin der Neuen Mittelschule mit Informatik-Schwerpunkt Konstanziagasse 50 (KO 50) in Wien-Donaustadt. „Es ist oft leichter, Dinge in einer Fremdsprache zu lernen, weil alle gemeinsam neu in dieser Sprache anfangen.“ Hülber erzählt von den Bestrebungen ihrer Schule am Rande der Fachtagung „Mint & Industrie 4.0“ in Salzburg.

Die KO 50 ist eigentlich das, was man eine Brennpunktschule nennt. Von 380 Schülern hat der Löwenanteil eine andere Erstsprache als Deutsch. Daher wird auf das sprachliche Lernen der Schüler voneinander gesetzt, aber auch auf Englisch als Arbeitssprache.

Im seit Langem laufenden Schulversuch Junior High School for Science and Information Technology werden neben dem regulären Unterrichtsfach Englisch in jedem Jahrgang bis zu sechs Wochenstunden Fächer wie Mathematik, Physik und Informatik, aber auch Biologie, Geschichte oder Zeichnen auf Englisch abgehalten, meist als Projektunterricht gemeinsam mit einem Native Speaker.

Die Beliebtheit der KO 50, die jedes Jahr Interessenten abweisen muss, kommt nicht von ungefähr. Die Schule ist mit einem Mint-Gütesiegel und mit dem „eEducation Experts Plus“-Status für digitale Bildung ausgezeichnet. Obwohl sie nicht mehr Ressourcen hat als andere Mittelschulen, steht jedem Kind für den Unterricht ein einfaches, aber funktionsfähiges Tablet zur Verfügung. Auch das Nutzen des eigenen Mobiltelefons ist für Unterrichtszwecke selbstverständlich. Zur zusätzlichen Stärkung der Sprachkompetenz wird eine Reise in ein englischsprachiges Land sowie die Möglichkeit zur Erlangung eines Cambridge-Zertifikats innerhalb einer unverbindlichen Übung geboten.

Erfahrung abseits der Schule

Ein Projekt aus dem Oberstufen-Bereich, das bei der Salzburger Tagung vorgestellt wurde, ist die Initiative einer Schule, mit den Schülern der jeweiligen sechsten Klasse – einer Informatikklasse – einmal pro Jahr auf IT-Projektwoche zu fahren.

Das Salzburger BORG Nonntal kooperiert zu diesem Zweck mit der FH Salzburg sowie einem Salzburger Unternehmen, das Automatisierungssoftware entwickelt. „Ziel der Woche ist es, IT angreifbar zu machen, Interesse daran zu wecken und eine mögliche Laufbahn aufzuzeigen“, sagt Thomas Harald Schmuck, Senior Lecturer der FH Salzburg. Es sei wichtig, die IT-Projektwoche herausgelöst vom Schulalltag und außerhalb des Schulgebäudes zu verbringen, sagt Schmuck.

Im Vorfeld der IT-Projektwoche gibt es Vorbereitungsworkshops an der Fachhochschule und einen Besuch beim Partner-Unternehmen. Während der Projektwoche arbeiten die Schüler im Hackathon-Stil, was bedeutet, in Teams eine Aufgabe innerhalb einer festgelegten Zeit zu bearbeiten: Am Ende der Woche soll jede Gruppe einen funktionierenden Roboter gebaut haben. Die Ergebnisse treten dann in einer „Battle“ gegeneinander an.

Die Mint-Kompetenz auf einer anderen Ebene fördern will man an der HBLVA für Chemische Industrie in der Wiener Rosensteingasse. Wie die Lehrerin Doris Raimerth berichtet, soll gezielt das Selbstkonzept von Schülern gestärkt werden. Die Idee: Bessere Mathematiknoten durch besseres Verständnis eigener Schwächen.

Kompetenzen und Ziele

Raimerth berichtet vom Unterrichtsgegenstand „Soziale und Personale Kompetenz“ (SOPK), der im Projekt SOPKOP Mathematik mit dem Fach Mathematik verschränkt wurde. Im SOPK-Unterricht lernen Schüler, ihre Lerngrundlagen, ihren Lernstil und die Situation im Unterricht zu reflektieren. Bezogen auf den Mathematikunterricht wird in einer zweiten Phase ein gemeinsames Klassenziel festgelegt, zum Beispiel das erste Semester ohne Entscheidungsprüfungen zu absolvieren. Auch der Mathematik-Pädagoge müsse das Projekt mittragen und seinen Unterricht hinterfragen, sagt Raimerth. Bei der Auswertung der Zielsetzungen sollten nicht nur die Noten eine Rolle spielen. Auch mentales Coaching für einzelne Schüler und weiterführende Prozesse für das nächste Schuljahr würden festgelegt. Der erste Jahrgang SOPK Mathematik ist noch nicht evaluiert. Man hoffe jedoch, durch solche Projekte einen Beitrag zu leisten, um Schüler in Mint-Schulen halten zu können.(epi)


[PHPOR]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2019)

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